Kurz nach Mittag fährt ein Auto in Richtung Primarschule Oberdorf in Oensingen und hält direkt neben dem Pausenplatz am Strassenrand. Ein kleines Mädchen hüpft raus, winkt kurz zurück und mischt sich dann unter die anderen Schülerinnen und Schüler, die in Scharen zu Fuss ankommen. Das Auto wendet noch auf der Strasse und fährt wieder weg.

Es ist eine Situation, wie sie die Schulleitung schon lange kennt und schon lange ändern möchte. «Stop Elterntaxi», prangt momentan in Grossbuchstaben vor dem Schulhaus, das von einer Baustelle umgeben ist. Etwas weiter hinten stehen zahlreiche Autos, jeder Parkplatz ist besetzt. «Mit der Baustelle ist momentan sowieso mehr los», erzählt Schulleiter Urs Fischer.

«Die Bauleute schauen zwar gut, aber sie brauchen halt auch Parkplätze.» Deshalb sei die Situation in Oensingen im Moment noch gefährlicher für die Kinder. «An schlechten Tagen gibt es zwischen 30 und 40 Eltern, die ihre Kinder hier abladen», so Fischer.

Kinder wollen zu Fuss gehen

Nebst den Schildern hat eine Schulklasse verschiedene Versionen eines Briefs an die Eltern verschickt, in welchen sie die Eltern dazu auffordern, ihre Kinder nicht mit dem Auto in die Schule zu fahren. «Das ist gesund für die Beine», «wenn Kinder nicht zu Fuss gehen werden sie faul oder nehmen zu» oder «mit dem Auto ist es gefährlicher» lauten die Begründungen der Schülerinnen und Schüler der Klasse 4a. Vor allem am Morgen, wenn es noch dunkel ist, könne man die Schüler kaum erkennen, weshalb viel Verkehr die Sicherheit gefährde.

Der Brief verfehlt seine Wirkung nicht: Die Oensinger diskutierten auf der Facebook-Seite «Du bisch vo Oensingen wenn...», wo ein Foto eines solchen Briefs kursiert, fleissig, wobei die Meinungen stark auseinandergehen. «Euer eigenes Kind mag dann vielleicht sicherer sein, aber ihr gefährdet damit all die Kinder, die zu Fuss zur Schule kommen», empört sich eine Userin. Andere wiederum finden es «Schwachsinn», den Eltern verbieten zu wollen, ihre Kinder in die Schule zu bringen.

Denn schliesslich sei der Schulweg Elternsache. «Wir wollen die Eltern mit so einer Aktion nicht bevormunden», sagt Schulleiter Fischer. «Uns geht es nur um die Sicherheit der Kinder.» Deshalb habe die Schule die Aktion, welche im Übrigen von den Schülern selbst initiiert wurde, unterstützt. «Der Schulweg ist ein Teil vom Lernen», fügt Fischer an. «Ich finde es cool, dass die Kinder selbst auch lieber zu Fuss kommen wollen.»

Kein Zustupf mehr für Ortsbus

Seit die Briefe Mitte der letzten Woche versandt wurden, habe sich das Problem merklich gebessert. «Die Kinder haben geschafft, was wir jahrelang zu erreichen versuchten», sagt Fischer und lacht. Immer wieder würde die Schulleitung nämlich Briefe an die Eltern verschicken und diese auffordern, ihre Kinder nicht mit dem Auto zu fahren.

«Das bringt aber jeweils nur kurzfristig etwas», so Fischer. Auch würde die Schule die Kinder sensibilisieren, sie auffordern, zu Fuss in die Schule zu kommen, und helle Kleidung zur besseren Sichtbarkeit zu tragen. «Ich hoffe, dass der Aufruf der Kinder eine langfristige Besserung bringt.»

Weil Schüler wegen Budgetkürzungen von der Gemeinde weniger für ihre Abos beim Ortsbus Oensingen erhalten, kann sich das Elterntaxi-Problem weiter verschärfen.

Weil Schüler wegen Budgetkürzungen von der Gemeinde weniger für ihre Abos beim Ortsbus Oensingen erhalten, kann sich das Elterntaxi-Problem weiter verschärfen.

Das Problem könnte sich aber sogar wieder verstärken. Denn Anfang dieses Jahres strich der Gemeinderat im Rahmen der Budgetkürzungen die Abgabe von Schüler-Abos für den Ortsbus, womit jährlich 25'000 Franken gespart werden sollen. Momentan seien die bereits gelösten Abos noch gültig, weshalb diese Kürzung noch nicht spürbar ist. Doch wird der Ortsbus wieder teurer, könnten sich einige Eltern wieder dazu entscheiden, ihr Kind selbst zu fahren.

«Das will ich zwar nicht behaupten», sagt Fischer vorsichtig. «Wir hatten das Problem der Elterntaxis ja auch mit dem Ortsbus.» Bleibt also zu hoffen, dass in Zukunft nicht noch mehr Autos zur Primarschule fahren, als jetzt bereits.

Auf Kinder aufmerksam machen

Auch in Oberbuchsiten weisen derzeit Plakate darauf hin, dass die Kinder zu Fuss in die Schule gehen sollen. Da ist der Hintergrund jedoch anders: «Wir wollen damit wieder vermehrt darauf aufmerksam machen, dass hier Kinder sind», erklärt Schulleiterin Susanne Carrard. «Wir sind sehr zufrieden mit der Situation, nur sehr wenige Kinder werden mit dem Auto gefahren.» Und diejenigen, die doch gefahren werden, hätten einen guten Grund.

Das Plakat «Oberbuchsite goht z’Fuess id Schuel» hat denn auch noch andere Auswirkungen, erzählt Carrard: «Ich erhielt sogar noch Rückmeldungen von Erwachsenen, die meinten, sie würden jetzt auch wieder vermehrt zu Fuss gehen.»