Balsthal

Solothurner Zahlengenie erhält ein Exzellenzstipendium

Die Balsthalerin Larissa Walser ist eine von acht Studierenden der ganzen Schweiz, die ein Exzellenzstipendium erhalten. Bild: Bruno Kissling

Die Balsthalerin Larissa Walser ist eine von acht Studierenden der ganzen Schweiz, die ein Exzellenzstipendium erhalten. Bild: Bruno Kissling

Die 21-jährige Larissa Walser, Mathematikstudentin aus Balsthal, erhält von der Schweizerischen Studienstiftung ein Exzellenzstipendium.

Auf den ersten Blick wirkt Larissa Walser beinahe etwas unscheinbar. Weder ihre sportlich-schlichte Kleidung noch ihr höfliches Lächeln, deuten darauf hin, was für eine aussergewöhnliche junge Frau sie ist. Aber als die Balsthalerin mit Erzählen beginnt, stellt sich bald heraus, dass sie nicht nur vielseitig interessiert, sondern auch vielseitig talentiert ist. Für ihre schulische Begabung besonders im Gebiet der Mathematik, verlieh ihr die Schweizerische Studienstiftung ein Exzellenzstipendium. Sie ist damit in der ganzen Schweiz eine von acht Studenten, die dieses Jahr davon profitieren dürfen.

Ihre Leidenschaft für Mathematik entdeckte Walser erst als Teenager. «In der Primarschule hatte ich oft keine Lust auf Mathe, weil es mir zu langweilig war. Erst in der 5. oder 6. Klasse wurde es etwas anspruchsvoller und ich begann, mich dafür zu interessieren.» Als es in der Oberstufe schliesslich darum ging, zwischen den Wahlpflichtfeldern Latein und Wissenschaft & Technik zu wählen, entschied sie sich für Letzteres. Damit habe sie sich aber auch gleichzeitig gegen die Sprachen entschieden, sagt sie.

Doch bei ihrem Übertritt in die Kanti Solothurn fällt ihr Entschluss nicht nur auf Mathematik und Physik als Schwerpunktfächer, sondern auch auf den Zusatz Immersion. Das bedeutet, dass sie ihre Matura bilingual auf Deutsch und Englisch absolviert hat. «Ich habe Englisch zuvor nicht gemocht. Aber ich wusste, dass ich nicht um diese Sprache herumkomme, wenn ich Richtung Naturwissenschaften gehen will. Deswegen habe ich mich für die Immersion entschieden», begründet sie lachend.

Ein aufwendiges Bewerbungsverfahren

Ihr Notenschnitt in der Kanti war so gut, dass der Konrektor ihr schliesslich empfohlen habe, sich bei der Schweizerischen Studienstiftung zu bewerben. Das sei ziemlich aufwendig gewesen, berichtet Walser. Um überhaupt von der Studienstiftung aufgenommen zu werden, habe sie nicht nur verschiedene Lebensläufe verfassen und einen Aufsatz schreiben, sondern auch ein einstündiges Evaluationsgespräch mit einem Psychologen hinter sich bringen müssen. Für das Stipendium hat sie anschliessend nochmals ein 20-seitiges Bewerbungsdossier eingereicht.

Der ganze Aufwand habe sich jedoch gelohnt. Als Stipendiatin müsse sie neben der Uni nicht mehr arbeiten gehen, sondern könne sich jetzt voll auf das Studium konzentrieren. Ausserdem werde ihr dadurch ermöglicht in eine WG in der Nähe Zürichs zu ziehen. Damit fallen bis zu vier Stunden pendeln jeden Tag weg.

In ihrer Heimat bleibt die gebürtige Balsthalerin aber trotzdem weiterhin verankert. Sie spielt seit 13 Jahren Tennis im TC Tela und hat sich, als sie volljährig wurde, mit J+S-Kursen zur Tennislehrerin weiterbilden lassen. Lange war sie Vorstandsmitglied des TC Tela, hat aber schliesslich vergangenen Frühling demissioniert – jedoch nur, um sich einer grösseren Aufgabe zu widmen und als Aktuarin in den Vorstand des Regionalverbandes Tennis im Kanton Solothurn einzutreten.

Doch nicht nur Sport, sondern auch Musik spielt in der Freizeit der Studentin eine bedeutende Rolle. Sie spielt Cello im Blasorchester Biberist. Ein geeignetes Orchester zu finden, sei nicht einfach gewesen. «Ich habe fürs Cellospielen nie so viel Zeit investiert wie fürs Tennis. Deshalb waren mir die Anforderungen in den meisten Orchestern zu hoch.» Eine Kollegin, welche in der Harmonie Biberist Querflöte spiele, habe sie aber schliesslich in dieses Orchester gebracht. Ihr Cello sei neben einer Bassgeige das einzige Streichinstrument, aber es mache Spass und sie passe gut dazu.

Die Zeiten ändern sich – langsam

Was ihre Zukunft anbelangt, hat Walser schon ziemlich genaue Vorstellungen. Sie möchte mit ihren Fähigkeiten gerne ein technisches Unternehmen unterstützen. Sorgen, in einer männerdominierten Fachrichtung in die Berufswelt einzusteigen, macht sie sich keine. «Obwohl eine gewisse Stigmatisierung gegenüber Frauen in Naturwissenschaften immer noch besteht, verändern sich die Zeiten langsam.» In ihrem Studienjahrgang studieren rund 40 Prozent Frauen Mathematik und sie werde teilweise auch von Professorinnen unterrichtet.

In ihrer unmittelbaren Zukunft widmet sie sich nun ihrem letzten Jahr an der Uni vor dem Bachelordiplom. Danach wird sie auf jeden Fall noch einen Master machen; wo, weiss sie noch nicht genau. Auf die Frage, ob sie sich anschliessend noch einen Doktortitel erarbeiten möchte, lacht sie nur: «Ich sage jetzt mal: Nein. Aber ich wollte zum Beispiel auch nie eine bilinguale Matura machen. Manche Dinge ändern sich.»

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