Vogelberg

Sicht gut, Wind gut? – Neue Wetterstation schiesst alle zehn Minuten ein Foto

Fahnenwart Goran Nedic hat mit dem Para- und Deltaclub Hohwacht auf dem Vogelberg über Mümliswil eine neue Wetterstation installiert.

Mehrmals täglich ruft Goran Nedic die Website auf und schaut sich die Bilder vom Vogelberg an. Seit ein paar Tagen schiesst die Wetterstation alle zehn Minuten ein Foto und übermittelt diese ins Internet. Die Aufnahmen zeigen den Ausblick über Mümliswil hinaus bis hin zu den Alpen. Ein Anblick, der Nedic mit Freude und Stolz erfüllt. Der Vogelberg ist sein Berg. Unzählige Male ist Nedic schon auf die 1200 Meter über Meer gelegene Jurahöhe gestiegen. Gemeinsam mit dem Para- und Deltaclub Hohwacht hat er sich einen Wunsch erfüllt, indem er die Fernsicht jetzt auch in der eigenen Stube geniessen kann.

Weniger oft wird er deshalb nicht hochsteigen: Durch die Wetterstation weiss Nedic nun, wann sich der Aufstieg besonders lohnt. Der Mümliswiler ist passionierter Fotograf und hat die Aussicht vom Vogelberg schon in allen Variationen festgehalten. Während Nedic vorrangig an einer Fotostation interessiert war, suchte der lokale Deltasegler-Klub seit längerem nach einer geeigneten Wetterstation, um über verlässliche Winddaten zu verfügen. Bei der Standortsuche stiess der Klub auf den Fahnenmast beim Picknickplatz auf der Vogelberg-Fluh. Der Verein begab sich auf die Suche nach dem Eigentümer des Masts und endete dabei via Gemeindeverwaltung Mümliswil bei Goran Nedic.

Eine Bindung zum Berg – seit vielen Jahren schon

Vor zwei Jahren machte sich Nedic zum Fahnenwart auf dem Vogelberg. «Ich habe mir die Fahne zum Geburtstag geschenkt», erzählt der Mümliswiler. Nachdem die Gemeinde darüber berichtete, habe er unglaublich viele Gratulationen und Glückwünsche erhalten. «Das hat mich motiviert», sagt Nedic. Rund sechs Mal hat er seither die kaputtgegangene Schweizer Fahne ersetzt und von neuem gehisst. Ein Dienst, den der Schreiner aus dem eigenen Sack bezahlt. Mit Leidenschaft will er dies für die Allgemeinheit tun, wie er sagt. «Wenn die Fahne kaputt ist, schreiben mir die Dorfbewohner manchmal», sagt Nedic lachend. Als Fahnenwart machte sich der 1991 aus dem damaligen Jugoslawien eingewanderte Nedic einen Namen. Viele hätten ihm auch finanzielle Unterstützung für den Unterhalt der Fahne angeboten. Die will er nicht annehmen. Es ist zu spüren, dass für ihn diese Fahne auch ein Schlüssel zur Integration war. Obwohl Nedic nie Mühe bekundete, sich im Thal einzubringen. Rund zehn Jahre lang bewirtete er die Matchbesucher im Klubhaus. Heute ist er Ehrenmitglied vom FC Mümliswil und der klubeigene Fotograf des FC. «Ich will den Menschen zeigen, wie man sich integrieren muss», sagt Nedic. Seine persönliche Integrationserfahrung wolle er an Andere weitergeben. Seit zwölf Jahren ist Nedic eingebürgert, mit Stolz trägt er heute den Pullover mit Schweizer Kreuz. Etwa bei der Einweihung der neuen Wetteranlage auf dem Vogelberg.

Gemeinde beteiligt sich an den Kosten

Schon bevor der zweifache Familienvater erstmals die Fahne auf dem Vogelberg hisste, war dies sein Lieblingsort. Nedic war viele Jahre im Organisationskomitee des Passwangberglaufs, als dieser noch in den Händen des Skiklubs war. «Es ist bis heute mein Lieblingslauf», sagt er. Wenn die Bergläufer sich den Passwang hochkämpfen, steht Nedic am Streckenrand und schiesst Bilder und Videos.

Gemeinsam mit Thomas Schwarb, dem Präsidenten des Para- und Deltaklubs Hohwacht, montierte Nedic die Wetterstation-Anlage. Finanziert hat diese der Verein der Deltasegler. Aber auch die Gemeinde Mümliswil-Ramiswil unterstützt das Projekt finanziell. Sie bezahlt die Telefonkosten, die anfallen, um die Daten zu übermitteln. Neben Windrichtung und Windstärke lassen sich Temperatur, Luftfeuchtigkeit und Lichtverhältnisse ablesen. Für die Para- und Deltasegler sind die Daten und die Fotoaufnahmen in Richtung Süden hilfreiche Indikatoren, um abzuwägen, ob ein Start an der Hohwacht oder auf dem Chellechöpfli möglich ist.

Nedic wird nicht fliegen. Bestimmt aber nimmt er die fünf Kilometer von Mümliswil hoch auf den Vogelberg bald wieder auf sich. Sei es mit dem Mountainbike oder zu Fuss.

Meistgesehen

Artboard 1