Ferienpass Obergösgen

Selbstverteidigung, Rhythmik und Blindenschrift bildeten den Auftakt

Selbstverteidigung will gelernt sein.

Selbstverteidigung will gelernt sein.

Der Ferienpass Obergösgen feiert dieses Jahr sein 20-jähriges Jubiläum. 61 Kinder können aus 18 verschiedenen Angeboten profitieren. Das Erzählen von Gutenacht-Geschichten ist so beliebt, dass die Veranstaltung dreimal angeboten wird.

Nur scheinbar ging es am Montagmorgen in der Obergösger Mehrzweckhalle gewalttätig zu: Unter der Leitung von Béatrice Markwalder von der WingTsun-Schule aus Oberbuchsiten zusammen mit Tristan Mohler lernten 14 Kids von der 3. bis zur 6. Klasse, mit Gewalt richtig umzugehen. «Es geht darum, dass sie körperliche Angriffe anders abwehren als nur mit Dreinschlagen», so Markwalder.

Selbstbewusst hinstehen, Angriffe mit der Hand abwehren, dem Angreifer mit einem starken Blick und mit lauter Stimme begegnen und schliesslich ein solches Selbstbewusstsein aufbauen, dass man für einen Angreifer als Zielobjekt gar nicht mehr in Frage kommt – dies sollte das Ziel sein. «Wobei: Es ist klar, dass man dies nicht an einem Morgen hinbekommt», machte sich Markwalder keine Illusionen. Aber immerhin: Die Kids bekamen die entsprechenden Grundlagen vermittelt.

Djembe und Braille

Ebenfalls am Morgen machten sich zwölf Kinder von der 1. bis zur 6. Klasse daran, unter den Anweisungen von Martin Stebler das Djembe kennenzulernen. «Es handelt sich dabei um eine Art Trommel, die in ganz Westafrika, speziell aber in Burkina Faso verbreitet ist», so Stebler. Die Trommeln werden aus einem einzigen Stück Holz geschnitzt und ausgehöhlt, anschliessend mit einem Ziegenfell überzogen und am Dienstag mit synthetischen Schnüren – traditionell mit Hanf- oder Bastseilen – bespannt. «Ziel ist es, dass sie das Instrument spielen und beherrschen. Wir studieren ein bis zwei Stücke ein und treten als Gruppe, als eine Einheit auf», erklärt er.

Rhythmik und Zusammenspiel – das Trommeln auf dem Djembe macht Spass.

Rhythmik und Zusammenspiel – das Trommeln auf dem Djembe macht Spass.

Und am Nachmittag interessierten sich fünf Kids von der 1. bis zur 4. Klasse für die Frage: «Blind sein, was heisst das?» Leider konnte Elisabeth Berchtold, die fast vollständig blind ist, zwar keinen eigenen Blindenhund mitbringen, doch Dackelmischling «Böbi» von ihrer Chauffeuse Brigitte Chappuis diente als dekorativer Ersatz.

Wonach riecht dieses Döschen wohl?

Wonach riecht dieses Döschen wohl?

Die Kinder lernten unter anderem, Gerüche zu erkennen sowie nach Anlegen einer Dunkelbrille ein Blinden-Memory zu spielen, den Aufbau der Braille-Blindenschrift, eine Blinden-Schreibmaschine zu bedienen oder einen Flieger zu basteln. Schliesslich erfuhren sie einiges über die Schwierigkeiten im Alltag, mit denen Blinde und Sehbehinderte konfrontiert sind.

Samariter und Feuerwehr als Renner

Dies sind drei der insgesamt 18 Anlässe, welche der Ferienpass Obergösgen diese Woche anbietet, wobei ein Angebot – Gutenachtgeschichten vom Kleinkindergarten bis zur 2. Klasse – auf ein solch grosses Echo gestossen ist, dass es gleich dreimal geführt wird. Bei den Gutenachtgeschichten handelt es sich im Übrigen, wie WingTsun und Djembe, um neue Angebote. «Die Renner sind, wie gewohnt, der Besuch bei der Feuerwehr, aber auch das Angebot des Samaritervereins», so Koordinatorin Susanne Roppel. Dieses Jahr lernen die Kids von der 1. bis zur 6. Klasse dort, wie sich ein Leben im Rollstuhl anfühlt, und wie man damit umgeht.

Heuer hätten sich nur 61 Kinder angemeldet, sonst seien es 80 bis 100, erzählt Roppel. Sie führt das mässige Interesse im Jubiläumsjahr auf den Umstand zurück, dass der diesjährige Frühling wettermässig sehr lausig gewesen ist und sich wohl deshalb viele Familien spontan entschieden hätten, während der Sommerferien kurzfristig zu verreisen.

Aber durchschnittlich würden die Daheimgebliebenen zwischen zwei und fünf Aktivitäten buchen. Das Interesse an den einzelnen Kursen reicht von fünf Anmeldungen bis hin zu 50 für – wen wunderts? – die Feuerwehr.

Insgesamt wirken 25 Vereine und Private beim diesjährigen Ferienpass mit, erzählt Susanne Roppel, wobei die Naturfreunde und der Velo-Moto-Club während der Woche nicht direkt in Erscheinung treten, aber den Jubiläumsanlass «20 Jahre Ferienpass» vom Samstag organisatorisch auf die Beine stellen.

Erwähnenswert ist übrigens bestimmt auch der Auftritt von Clown Filu anlässlich der 1. August-Feier vom Donnerstag bei der Pausenhalle. Wie jedes Jahr muss übrigens jedes Kind zwei Franken pro Anlass, an dem es teilnimmt, an die Unkosten beisteuern. Doch ohne die Fronarbeit der Dorfvereine sowie die Sponsoren wie Einwohner- und Bürgergemeinde, römisch-katholische und evangelisch-reformierte Kirchgemeinde sowie die Raiffeisenbank Mittelgösgen wären sowohl der Ferienpass selbst als auch der Jubiläumsanlass vom Samstag kaum durchführbar, meint Susanne Roppel. Und sie hebt speziell auch das Restaurant Kreuz sowie die Bäckerei Zimmermann hervor, die wie jedes Jahr das «Znüni» und das «Zvieri» beisteuern.

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