Welschenrohr

Seifen statt Uhren — Kunst statt Maschinen: Wie sich die Wirtschaftsförderung veränderte

Die Pasta- und Dörrfabrik Solomania hat sich in Welschenrohr etabliert.

Die Pasta- und Dörrfabrik Solomania hat sich in Welschenrohr etabliert.

40 Jahre nach den Wirtschaftsförderungsmassnahmen: Was bleibt und was wurde anders? Zweiter und letzter Teil der kleinen Serie.

Die kommunale Wirtschaftsförderung in Welschenrohr war zunächst eine Erfolgsgeschichte, doch hat sich in den vergangenen 40 Jahren einiges verändert. Ein grösserer Verlust war der Wegzug der Firma Schleuniger Kabeltechnik, vorerst nach Balsthal und dann nach Thun. Vor zehn Jahren dann kaufte Christian Michelsen deren Hauptgebäude, die ehemalige Uhrenfabrik Technos, und wandelte es in die «KultUhrFabrik» um. Sie beherbergt heute Künstler, die dort wohnen oder arbeiten.

Seit acht Jahren befindet sich auch das «Uhrenmuseum» in diesem Gebäude und hält die Erinnerungen an die Thaler Uhrmacherei wach. Im Technos-Gebäude war ursprünglich auch die Firma Intertrain eingemietet, die sich mit dem Bau von Modelleisenbahnen befasste. Noch gibt es dieses Unternehmen, das sich in einem kleineren ehemaligen Uhrenatelier an der Fabrikstrasse 158 eingerichtet hat. Die Firma wurde in Gunmed Technik AG umbenannt, und befasst sich heute mit der Entwicklung und Herstellung von medizinaltechnischen Artikeln, insbesondere für die Kieferorthopädie.

Im «Bijou», einer weiteren Uhrenfabrik der Technos, wohnen heute ebenfalls Künstler und Einzelpersonen. Eigentümer ist auch hier Christian Michelsen. In diesem stattlichen Gebäude wurden zunächst durch die Werolab und später die Firma Sinus Point mikrochirurgische Nadeln hergestellt.

Noch werden in Welschenrohr Uhren montiert. Jürg Uebelhart führt in der ehemaligen Donada die Firma seines Vaters weiter.

Ein guter Boden für unkonventionelle Ideen

In den Räumen der Uhrenfabrik Tourist betreibt die Familie Waelchli seit fünf Jahren ihre Seifen-Manufacture, in welcher Seifen, Reinigungsmittel und Kosmetik produziert werden. Nicht nur für die Bimbosan, die 2018 von der Hochdorf Swiss Nutrition AG übernommen wurde, und die Ende Jahr ihre Produktion in Welschenrohr aufgibt, gab es im Laufe der Jahre Veränderungen. Das gab es für alle anderen, ursprünglich in der Industriezone angesiedelten Betriebe.

Das Gebäude der Firma Regelrecht wurde zu einem Wohnhaus umgebaut. Die Vilsi Ballons AG erstellte 1987 ihr Fabrikationsgebäude mit einer Wohnung für den Inhaber. Die Firma befasste sich mit dem Bedrucken und Verkauf von Werbeballons. Nach 21 Jahren stellte Rainer Vils die Geschäftstätigkeit ein und verkaufte Liegenschaft und Firma an die Grico Group AG von Frédy Grimm. Dies ermöglichte der Grico-Druck AG, grössere Räumlichkeiten für ihren Betrieb zu beziehen.

Als die Univam ihren Betrieb schloss, versuchten vier Mitarbeiter einen Neustart in der Halle der Bruwa an der Balmbergstrasse. Der Betrieb entwickelte sich erfreulich und konnte nach zwei Jahren das Fabrikgebäude der Univam übernehmen. Ein Erweiterungsbau und die Renovation der alten Halle sorgten für den nötigen Raum für die rund fünfzig Mitarbeitenden.

Als die Dema Reinigungsgeräte ihre Tätigkeit aufgegeben hatte, übernahm die ChemValve-Schmid AG die angrenzenden Fabrikliegenschaft, in der sie neue Produkte entwickelt, so den neue ChemBall Kugelhahn. «Die Coronapandemie bereitet auch uns grosse Schwierigkeiten, da wir hauptsächlich für den Export produzieren», erklärt heute Verwaltungsratspräsident Benno Schmid.

Auch die ChemValve Schmid AG, die ausgekleidete Industriearmaturen produziert, hat sich etabliert.

Auch die ChemValve Schmid AG, die ausgekleidete Industriearmaturen produziert, hat sich etabliert.

Im Laufe der Jahre sind also viele Arbeitsplätze wieder verschwunden. Immerhin werden all die Liegenschaften genutzt.

Doch Welschenrohr hat eine Zukunft

In der Industriezone ist zudem die Halle der SoloMania entstanden, darin ist auch die Schreinerei Beat Donauer eingemietet. In letzter Zeit hat sich in Welschenrohr eine rege Wohnbautätigkeit entwickelt, Mehrfamilienhäuser sind im Bau, Einfamilienhäuser entstehen, womit das Wohnungsangebot erheblich vergrössert wird. So darf doch wieder mit einem Bevölkerungszuwachs gerechnet werden. Dies also nicht nur, weil die Fusion mit Gänsbrunnen 2021 Tatsache wird.

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