Unweit vom Bahnhof Oensingen befindet sich seit beinahe zehn Jahren die auf Privatinitiative von Dorjee Phuntsok ins Leben gerufene und in einem ehemaligen Kindergarten eingerichtete Tagesstätte Mittelpunkt.

Seit erfolgter Bewilligung seitens des Amts für soziale Sicherheit des Kantons Solothurn weist die Tagesstätte eine Betreuungskapazität im Umfang von 26 Plätzen auf. Diese stehen Menschen mit einer psychischen Beeinträchtigung zu, die zudem von einer IV-Rente leben oder Sozialhilfe beziehen. So wird die Betreuung denn auch über die vom Kanton zugesprochenen IV-Renten finanziert. Bei Klienten mit Sozialhilfeunterstützung muss erst eine Kostengutsprache der Gemeinden ausgesprochen werden. Zudem besteht die Stiftung Mittelpunkt, die für die Verwaltung von Spendegeldern zuständig ist. 

Die Menschen, die ihren Weg an die Schacherstrasse 15 finden, weisen unterschiedlichste psychische Krankheitsbilder auf. Dazu gehören Suchterkrankungen, Schizophrenie, Depressionen oder bipolare Störungen, erklärt der seit 2009 angestellte Betreuer Andrin Wüthrich. Diese Tatsache setze voraus, dass man jeweils sehr individuell auf sein Gegenüber eingehen könne und sich auf die Menschen vorurteilslos einlässt. «Die unterschiedlichen Lebensgeschichten und oftmals schwierigen Schicksale der von uns betreuten Menschen können natürlich auch belastend sein, wobei eine Abgrenzung teils schwierig ist», so Wüthrich. Gerade deshalb sei es jedoch unabdingbar, dass man sich immer wieder mit dem Thema Nähe-Distanz auseinandersetze und seine Arbeit auch kritisch hinterfrage.

Breites Beschäftigungsangebot

Für Menschen mit psychischer Beeinträchtigung biete die Institution die für die Klienten oft alleine nur schwierig zu erreichende Tagesstruktur, so der seit 2018 angestellte Phytotherapeut Marco Bobst. Es seien denn auch ebendiese geordneten Tagesstrukturen, aber auch der freundschaftliche und respektvolle Umgang sowie die ressourcenorientierte Arbeit, die die Klienten sehr schätzen würden.

Voraussetzungen für einen Beschäftigungsvertrag mit der Tagesstätte sind nebst der genannten psychischen Beeinträchtigung der Bezug einer IV-Rente oder von Sozialhilfe. Ausgehend vom Prinzip der Freiwilligkeit ist es den Menschen in der Tagesstätte freigestellt, welchen Beschäftigungen sie nachgehen wollen. Dabei ist das Angebot an Möglichkeiten sehr vielseitig. Das gemeinsame Arbeiten zusammen mit dem Betreuungsteam umfasst bewegungstherapeutische Aktivitäten, spielerische und kreative Tätigkeiten wie auch die Möglichkeit, sich weiterzubilden in den Bereichen Sprachen, Computer oder soziale Medien.

Ergänzt wurde dieses Beschäftigungsangebot im Herbst 2018 um ein Naturatelier. Das vom 27-jährigen Marco Bobst geleitete Teilprojekt basiert auf dem Ansatz, dass sich der Aufenthalt in einer naturalen Umgebung positiv auf das menschliche Wohlbefinden auswirke. Nebst einer theoretischen Wissensvermittlung steht denn auch vor allem das sinnliche Erleben der Umwelt und Natur im Fokus der Atelierarbeit. In genanntem Atelier können sich die Klienten unter dem Motto «Wachsen, Erblühen und Ernten» der Natur annähern. Dies über eine Wahrnehmung der Natur mit allen Sinnen, aber auch mittels Mikroskopieren von Heil- und Wildpflanzen oder dem gemeinsamen Erarbeiten eines Gartenplans für den kommenden Sommer.

Ziel sei denn auch, dass man ab diesem Sommer erste Erträge generieren könne. «Vor allem der allseits geschätzte Münzentee soll schon bald aus dem eigenen Garten kommen», verrät Bobst.
Aus- und Weiterbildungsstätte
Die Tagesstätte ist allerdings nicht nur Betreuungsstätte, sondern bietet seit 2017 auch einen Ausbildungsplatz für die Ausbildung zur Fachfrau oder zum Fachmann Betreuung an. Zudem besteht für Studierende der Fachhochschule Nordwestschweiz (FHNW) die Möglichkeit ein Praktikum zu absolvieren oder zu schnuppern. Auch Personen, die sich für ein langfristiges ehrenamtliches Engagement interessieren, werden in der Tagesstätte gerne begrüsst.