Gäu

Poststellen: Wegen zu wenig Kunden soll es zu Schliessungen kommen

Roni Bürgi vom Spar-Laden sieht die Integration der Postagentur als Chance.

Roni Bürgi vom Spar-Laden sieht die Integration der Postagentur als Chance.

Weil die Kundenfrequenz am Schalter der Poststelle Kestenholz stark abnimmt, wird sie Mitte 2016 geschlossen. Dafür wird an ihrer Stelle im Spar-Laden eine Postagentur eröffnet. Diese Schliessung ist kein Einzelfall im Gäu.

Nach Niederbuchsiten im Jahr 2010 und Wolfwil Anfang 2013 schliesst die Schweizerische Post auch in Kestenholz die Poststelle. An ihre Stelle rücken soll eine Postagentur, welche Mitte 2016 im benachbarten Spar-Laden ihren Betrieb aufnehmen soll. Geschlossen wird die Postelle wegen der veränderten Kundenbedürfnisse, wie Markus Flückiger, stellvertretender Leiter Kommunikation Mitte von der Post CH AG, dazu ausführt. SMS, E-Mail und Internetbanking verdrängten die herkömmlichen Postdienstleistungen immer stärker. Die Folge sei, dass immer weniger Briefe, Pakete und Einzahlungen am klassischen Postschalter abgewickelt würden. So auch in Kestenholz, wo in sämtlichen Bereichen starke Rückgänge zu verzeichnen seien. Der betroffenen Mitarbeiterin der Poststelle werde nach deren Schliessung postintern eine gleichwertige Stelle angeboten.

Längere Öffnungszeiten als Plus

Postagenturen in Dorfläden seien eine gute Lösung, welche sich schweizweit an über 700 Standorten bestens bewährten, führt Flückiger weiter aus. Dort könnten Briefe aufgegeben und abgeholt sowie Briefmarken gekauft werden. Weiter könnten mit der Postfinance Card oder der Maestro-Karte bargeldlose Einzahlungen getätigt werden. Auch Barbezüge mit der Postfinance Card seien möglich. Den grössten Vorteil von Postagenturen ortet Flückiger bei deren Öffnungszeiten, welche dieselben seien, wie jene des Ladens. «Wir haben diesbezüglich gute bis sehr gute Rückmeldungen.»

Arno Bürgi: «Laden wird gestärkt»

Der Kestenholzer Gemeinderat bedaure den Entscheid der Post, unterstütze aber die Agenturlösung für das Dorf, erklärt Gemeindepräsident Arno Bürgi. «Die Schliessung hätte von uns höchstens verzögert, aber letztlich nicht verhindert werden können», so Bürgi. Dass es zu einer solchen kommen werde, habe der Gemeinderat im Frühling von den Verantwortlichen der Post erfahren. Bei den danach mit der Post geführten Gesprächen sei es darum gegangen, sämtliche Möglichkeiten auszuloten, um die Postversorgung im Dorf weiter zu gewährleisten. Anstelle der Poststelle im Spar-Laden eine Postagentur zu betreiben, findet Bürgi eine gute Lösung. «Und sie stärkt die Existenz unseres Dorfladens.»

Bauliche Massnahmen in Planung

Spar-Laden-Besitzer Roni Bürgi freut sich auf die neue Herausforderung, welche die Integration der Postagentur in den Laden mit sich bringen wird. Allerdings sind vorher noch grössere bauliche Veränderung nötig, wie der 54-Jährige erwähnt. Bürgi hat den Laden vor 14 Jahren von seinem Vater übernommen und führt ihn seit 2005 als Spar-Supermarkt. Der findige Geschäftsmann beschränkt sich allerdings nicht nur auf das Spar-Sortiment, sondern führt im Unterschoss auch eine Abteilung mit Eisenwaren und Haushaltsartikeln. Bürgi hofft, dass die Postagentur Ende Mai, Anfang Juni 2016 eröffnet werden kann.

Im Gäu stehen weitere Veränderungen an

Die Schliessung der Poststelle in Kestenholz dürfte im Gäu nicht die letzte gewesen sein, wie Markus Flückiger von der Schweizerischen Post auf Anfrage bestätigt. «Es gehört zu unseren Daueraufgaben, die Wirtschaftlichkeit der Poststelle immer wieder von Neuem zu überprüfen, sagt der stellvertretende Leiter Kommunikation Mitte von der Post CH AG. Gespräche geführt werden konkret mit den Behörden in Neuendorf, Härkingen und Oberbuchsiten. In welchen der drei Gemeinden die Einrichtung einer Postagentur in einem Dorfladen wie in Niederbuchsiten, Wolfwil, oder nun in Kestenholz im Vordergrund steht, wollte Flückiger nicht näher erläutern.

In Neuendorf und Oberbuchsiten könnten dafür die Volg-Läden in Frage kommen, in Härkingen die Metzgerei Mühle, der letzte im Dorf verbliebene Laden. Entscheide sind offenbar bereits gefällt worden, wie Flückiger erwähnt. Nach aussen kommuniziert würden diese aber erst, wenn sämtliche Stellen, insbesondere das Personal, davon in Kenntnis gesetzt worden seien. In der zweiten Augusthälfte will die Post bekanntgeben, bei welcher der erwähnten Poststellen im Gäu es zu Änderungen kommt.

Meistgesehen

Artboard 1