Die seit 2010 in der Industriezone in Niederbipp ansässige Voigt Industrie Service AG rüstet sich für die Zukunft. Geplant ist der Ausbau des bestehenden Logistikzentrums am Moosmattweg um das Dreifache, wie Geschäftsführer Christian Fritz auf Anfrage erklärt. Die Voigt AG ist Pharmagrossist, welcher Apotheken, Drogerien, Ärzte und Reformhäuser beliefert.

Mit dem Projekt will die Voigt-Gruppe nach eigenen Angaben eine solide und zukunftsorientierte Basis für ihre Unternehmen schaffen. Das Ausbauvolumen des Projekts mit Namen «Vologin» beträgt rund 346'000 Kubikmeter. Vorgesehen ist, das bestehende Gebäude in vier Stufen zuerst östlich und dann in Richtung Norden auszubauen.

Knackpunkt war bei der seit Jahren laufenden Planung, dass das Projekt zum grössten Teil auf dem Boden der Nachbargemeinde Oensingen, also im Kanton Solothurn, zu stehen kommen soll. Dies hätte zu einem in Kanton Bern unzulässigen Überbauen der Kantonsgrenze geführt.

Mit einem Landabtausch zwischen der Gemeinde Oensingen und der Firma Voigt konnte der Grenzverlauf zugunsten des Projekts so verändert werden, dass die räumliche Abtrennung des geplanten Hochregallagers genau auf der Kantonsgrenze zu stehen kommt.

Mit der Ausführung dieser Trennung als Brandschutzmauer kann den Vorschriften im Kanton Bern Rechnung getragen werden. Christian Fritz zeigt sich erfreut, dass die Gemeinde Oensingen Hand geboten hat für den Abtausch von zwei identisch grossen Flächen. Das habe die Planung erleichtert.

Neuendorf soll aufgegeben werden

«Wir haben lediglich vollzogen, was unsere Vorgänger schon vor Jahren so vorgesehen hatten», erklärt Oensingens Gemeindepräsident Markus Fluri dazu. Zudem werde auch Oensingen nach der Realisierung des Projekts in Form von Steuereinnahmen profitieren.
Der definitive Entscheid, ob das Projekt umgesetzt wird, ist noch nicht gefallen, wie Christian Fritz erwähnt «Die Chancen dafür stehen aber sehr gut», so Fritz. Noch keine Angabe machen will er über das Investitionsvolumen.

Die Kosten dürften sich im zweistelligen Millionen-Bereich bewegen, meint Fritz mit Verweis auf das 2011 eingeweihte Logistikzentrum. Dieses kostete damals rund 30 Mio. Franken. Vorgesehen ist bei einer allfälligen Umsetzung des Projekts auch die Nutzung von Synergien, ohne dabei die Anzahl der in der Region angesiedelten Stellen zu verändern. Geschehen soll dies mit der Verlagerung der 107 Arbeitsplätze vom Logistikzentrum in Neuendorf nach Niederbipp, wo Voigt danach über insgesamt 175 Arbeitsplätze verfügen würde.

«Geringer Mehrverkehr»

Wegen der Grösse des Projekts müssen vorgängig ein Gestaltungsplan, ein Raumplanungsbericht und ein Umweltverträglichkeitsbericht vorgelegt werden. Letzterem ist zu entnehmen, dass das Projekt keine nennenswerten negativen Auswirkungen auf die Umwelt haben soll. Es wird von einem Mehrverkehr von täglich 28 Lastwagen ausgegangen. Die Zu- und Wegfahrt soll ferner zu 90 Prozent über den Autobahnanschluss Oensingen erfolgen.

Mit Blick auf das Voigt-Logistikzentrum in Neuendorf wird im Umweltverträglichkeitsbericht erwähnt, dass es sich dabei lediglich um eine Verlagerung des Verkehrs handelt. Das Verkehrsaufkommen in der Region nehme also nicht zu. Auch in Bezug auf die Grundwasserzone «mit sehr grosser Mächtigkeit», in welchem sich das Projekt befindet, orten die Verfasser des Berichtes keinerlei Probleme.

Der Gestaltungsplan mit Sonderbauvorschriften, der Raumplanungsbericht und der Umweltverträglichkeitsbericht für das Projekt «Vologin» wurden vom Oensinger Gemeinderat denn auch einstimmig verabschiedet und zur öffentlichen Auflage freigegeben. Die Pläne und Berichte können noch bis 31. Oktober auf der Bauverwaltung eingesehen werden. Sollten bis zu diesem Zeitpunkt keine Einsprachen erfolgen, werden Gestaltungsplan, Raumplanungsbericht und Umweltverträglichkeitsbericht dem Solothurner Regierungsrat zur Genehmigung eingereicht.

Das Baugesuch für das Ausbauprojekt könnte vorbehaltlich der Bewilligung durch den Verwaltungsrat der Voigt Holding AG im zweiten Quartal 2017 eingereicht werden. Die Inbetriebnahme des neuen Logistikzentrums soll ab Ende 2018 bis Mitte 2019 erfolgen.