Oensingen
Ein Zeuge vergangener von Roll-Zeiten feierte seinen 100.Geburtstag

Der bekannte Oensinger Hans Sägesser feierte kürzlich seinen 100. Geburtstag ganz im Stillen.

Kuno Blaser
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Ein Oensinger Urgestein: Hans Sägesser Oensingen wurde vor wenigen Tagen 100 Jahre alt.

Ein Oensinger Urgestein: Hans Sägesser Oensingen wurde vor wenigen Tagen 100 Jahre alt.

Zvg

Der bekannte Oensinger Hans Sägesser wurde vor wenigen Tagen 100 Jahre alt. Für Aufsehen im Dorf sorgte Hans Sägesser schon in den frühen 60iger Jahren. Auf der Oensinger «Ebni» unter der Ravelle landete am helllichtem Tage ein Helikopter des Types Alouette 2. Dem Helikopter entstieg Hans Sägesser in der Uniform eines Hauptmannes der Radfahrer und machte sich eilends auf in sein nahes Heim.

Sein Gespür für die Situation half Hans Sägesser bei seinen vielseitigen Tätigkeiten, die er ausübte. Vielleicht hat er das Flair für den Umgang mit Menschen von seiner Mutter geerbt, die als Wirtin im Restaurant Traube in Oensingen den Puls Geschehens im Dorfe am runden Tisch fühlen konnte. Ohne diese Gabe hätte der Jubilar wohl nicht erfolgreich 15 Jahre als Gemeinderat, als Präsident der Schützengesellschaft, der Schlosskommission und Mitarbeiter weiterer Kommissionen und Ämter wirken können. Und dass er als Fussballer in jungen Jahren auch Bälle für Oensingen trat, wissen nur noch wenige.

Ein Verkaufstalent ohne gleichen

Hans Sägesser, der in Oensingen aufgewachsen ist und in Solothurn die Handelsschule absolvierte, arbeitete von 1948 bis 1955 in der Heizungsabteilung der Von Roll in der Klus. Anschliessend übernahm er am Hauptsitz in Gerlafingen die Organisation des Aussendienstes, wo er 40 Aussendienstbeschäftigte betreute. Hans Sägesser als einen der letzten Zeugen der erfolgreichen Zeit der Von Roll AG zu bezeichnen, ist nicht übertrieben. Er ist der Mann, welcher dank seinen aussergewöhnlichen und bisweilen unkonventionellen Verkäuferfähigkeiten einen wesentlichen Beitrag zu den über jahrzehntelang guten Gewinnzahlen der Von Roll beisteuerte.

So wurde Von Roll zu seinem Leben. Er kannte wie kein zweiter die vielfältige Produktionspalette: Von Gusspfannen über Radiatoren, Armaturen, Schachtdeckel, Gussrohre, Schrauben, bis zu Turbinenwellen und den Produkten im Transportbereich. Ein wichtiges Standbein der Firma war der Bau von Bergbahnen. In Zermatt, Titlis, im Engadin und selbst in New York für die Roosevelt Island Tramway konnte Von Roll dank Sägessers Vermittlung Seilbahnen bauen. Es galt der Spruch:

«Sägesser hätte auch Schneepflüge in der Sahara verkaufen können.»

Tatsächlich verkauft hat Hans Sägesser die legendären Guss-Schachtdeckel der Von Roll nach Saudi-Arabien. Fünfzig 50 Tonnen schwere, in Gerlafingen gebaute Lastwagenanhänger gelangten unter seinem persönlichen Begleitschutz ebenfalls dorthin. Er träumt von einem von Roll-Museum Hans Sägesser wurde 1986 pensioniert. 15 Jahre darüber hinaus durfte die Von Roll noch von seinem Erfahrungsschatz profitieren und sein Beziehungsnetz nutzen. So lang arbeitete er an Samstagen in seinem Büro weiter für die Firma. Er tat das gerne, weil er sich schwer mit seiner Pensionierung abfand. Daneben gründete er die Gemeinschaft der «Alt-Von-Rollianer». Mit ihnen rief er ein firmeninternes Museum in Choindez ins Leben, um dort seine gesammelten Unterlagen und alten historischen Gussstücke einzulagern.

Noch lebt die Hoffnung in ihm, dass im Kanton Solothurn einst ein Von Roll- Museum entsteht. Sägesser blickt heute mit erstaunlicher Gelassenheit selbstkritisch auf seine Arbeit zurück. Er ist einer aus den guten alten Zeiten; einer, der mit seinem Erfahrungsschatz die Neuzeit durchschauen kann. Man erlebt ihn mit dieser Aura umgeben als interessanten Gesprächspartner, bei dem man besser zuhören, als selber sprechen sollte.