Niederbuchsiten

Nur noch sanftes Wachstum möglich: So will sich das Gäuer Dorf künftig entwickeln

Die grossen Obstbäume hinter der Dorfstrasse sollen erhalten bleiben und das idyllische Ortsbild betonen.

Die grossen Obstbäume hinter der Dorfstrasse sollen erhalten bleiben und das idyllische Ortsbild betonen.

Nachdem sich das Dorf Niederbuchsiten stark ausdehnte, sind die Bodenressourcen nun limitiert. Die Gemeinde wurde an einer Informationsveranstaltung darüber informiert.

In Niederbuchsiten sind rund 40 Einwohnerinnen und Einwohner am Donnerstagabend der Einladung der Gemeinde zu einem Informationsabend gefolgt. Damit ist der Startschuss zum öffentlichen Mitwirkungsverfahren für die Ortsplanungsrevision gefallen.

«Eine Ortsplanung ist nichts Kurzfristiges. Sie soll für die nächsten 15 bis 20 Jahre die Entwicklung unseres Dorfes steuern», sagte Gemeindepräsident Markus Zeltner zur Begrüssung. Man gehe in dieser Zeit von einem moderaten Wachstum von derzeit exakt 1249 auf rund 1400 Einwohner aus. «Eine Vorprüfung unserer Planung ist durch den Kanton Solothurn erfolgt und erste Vorgaben wurden bereits angepasst.»

In Niederbuchsiten ist man stolz auf das geschützte Ortsbild von nationaler Bedeutung. «Dazu müssen wir Sorge tragen», sagte Thomas Ledermann, der als Geograf der BSB Ingenieure und Planer das Werk der seit zwei Jahren bestehenden Arbeitsgruppe Ortsplanung vorstellte. «Das neue Raumplanungsgesetz erlaubt keine quantitative Ausdehnung, es verlangt qualitatives Wachstum durch Verdichtung. Dabei muss man sich immer gut überlegen, was ein Quartier verträgt.» Der Leitsatz sei deshalb: «Wir entwickeln uns sanft und stetig und können so unseren ländlichen Wohncharakter erhalten.»

Zwei Hektaren Bauland sind noch frei

«Rund sieben Hektaren wurden in den letzten 18 Jahren überbaut. Das ist beeindruckend. Heute gibt es noch zwei Hektaren Bauland für Wohnbauten, die frei sind. In der Arbeitszone hat es gar keine Landreserven mehr», sagte Ledermann. Die Arbeitsgruppe hätte diese Zone gerne etwas vergrössert. Doch die kantonale Richtplanung aus dem Jahr 2018 erlaube es nicht, neue Arbeitszonen einzurichten, ohne dass zuerst eine regionale Planung mit der Erhebung aller Bedürfnisse gemacht wird.

Ein Blick auf die an der Wand hängenden Karten zeigte: Das Dorf wird so bleiben, wie es ist. «Die Ausnützungsziffer wurde abgeschafft, heute gilt die Überbauungsziffer. Sie entspricht ganz einfach dem Fussabdruck des Gebäudes im Verhältnis zum Grundstück», erklärte Ledermann eine der wichtigsten Änderungen im Zonenreglement.

Um die gewünschte, sanfte Verdichtung zu steuern, wurden die Zonen neu definiert. In der Zone W2a bleibt alles, wie es ist, eine Verdichtung wird kaum möglich sein. In der Zone WA sind Attikageschosse erlaubt, in der Zone W2b sind zweistöckige Mehrfamilienhäuser möglich. In der Zone W3 wird im Prinzip nur noch die maximale Höhe für dreistöckige Gebäude definiert.

Zwei Besonderheiten in der Ortsplanung

Die Industriezone heisst neu Arbeitszone für Gewerbe und Dienstleistungen. Kreativ wurde die Arbeitsgruppe, indem sie die «Gewerbezone Pferd» kreierte, damit die Familie Luterbacher ihren Pferdestall weiterhin betreiben kann. Spannend ist auch die Schaffung der neuen Hostettzone in der Hausmatt, also hinter den erhaltenswerten Häusern der Dorfstrasse. Hier sollen grosse Obstbäume mit weidenden Tieren das idyllische Dorfbild betonen.

Umzonungen wurden nur punktuell vorgenommen, indem zum Beispiel nicht mehr landwirtschaftlich genutzte Bauernhäuser in die normale Bauzone überführt wurden. Ebenso gehören nun einzelne freie Grundstücke entlang der Wolfwilerstrasse in die Bauzone, womit die hier schon fast komplette Häuserkette geschlossen werden darf. Das Naturinventar wurde aktualisiert und entsprechend den übergeordneten Vorschriften entlang des Mittelgäubachs eine Uferschutzzone errichtet.

Die öffentliche Mitwirkung dauert bis am 2. März 2020. Die Unterlagen stehen auf der Website der Einwohnergemeinde zum Download bereit oder können im Gemeindehaus eingesehen werden. Am 27. Januar und 18. Februar sind öffentliche Sprechstunden mit den Verantwortlichen angesetzt. «Individuelle Gespräche sind auch auf Voranmeldung möglich», sagte Gemeindepräsident Markus Zeltner. «Bitte nutzt die Gelegenheit der Mitwirkung und schickt uns eure Eingaben schriftlich und wenn nötig mit einer Skizze.» Anonyme eingaben seien nicht möglich. Bis am 2. März können Anregungen, Wünsche und Kritik schriftlich auf der Gemeindekanzlei deponiert werden.

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