Dieses Lied darf wohl an einem Konzert im Advent nie fehlen: «Silent Night – Stille Nacht, Heilige Nacht». Die Schweizer Soulsängerin Nubya sang das wohl berühmteste Weihnachtslied als erste Zugabe in der bis auf den letzten Platz gefüllten röm-katholischen Kirche in Neuendorf in einer originellen und wunderschönen Version. Das begeisterte Publikum, welches sich bereits zur Standing Ovation erhoben hatte, summte sichtlich gerührt mit.

Kann ein solch herzberührender Augenblick überhaupt noch übertroffen werden? Nubya schaffte dies am Mittwochabend mühelos. Ohne ihre Band und ohne Mikrofon stimmte sie a cappella zusammen mit den Konzertbesuchern den wohl berühmtesten aller Gospelsongs an, das Sklavenlied «Amazing Grace». Ihre kraftvolle und doch geschmeidige Stimme füllte den Raum – und der Ohrwurm ging einem beim Nachhausgehen nicht aus dem Kopf.

Mit dem Engagement der charmanten, 42-jährigen Soullady Nubya ging der Migros-Verteilbetrieb Neuendorf AG am bereits traditionellen Weihnachtskonzert neue Wege. Es war ein anspruchsvolles Konzert. Neben einigen Medleys mit weniger bekannten klassischen Gospelsongs waren auch Hits wie etwa «Shackles», «Have Yourself a Merry Little Christmas», «Man in the Mirror» oder der Mitsing-Klassiker «O Happy Day» in eigenständigen Arrangements zu hören.

Geschichten aus dem Leben

Dazwischen aber trug Nubya vorwiegend gedankenvolle Songs aus ihrer letzten CD «Today» vor, zu denen sie die meisten Texte selber geschrieben hat: Den «Song of My Soul» sang sie unter anderem oder sehr bestimmt von der Kraft des Neinsagenkönnens in «Power of No». In den kurzen Ansagen nahm sie die Lebensweisheiten ihrer Musiktitel auf und erzählte glaubhaft persönliche Geschichten. Besonders am Herzen liegt der Tochter einer Schweizerin und eines Nigerianers die prägende Zeit, als sie in New York lebte, dort eine Jazzschule absolvierte und in einem Gospelchor mitsang.

Ungewöhnliche Band

Für ihre diesjährige Weihnachtstournee hat sich Nubya eine ungewöhnliche Band zusammengestellt. Am E-Piano brillierte Pim Niewlands, der auch Mundharmonika blies und trotz starker Erkältung gelegentlich tapfer die zweite Stimme mitsang. David Stauffacher an der Perkussion setzte geschickt eine Vielzahl von Schlagwerken ein, sodass er den Sound rhythmisch akzentuiert und dennoch melodisch mittrug.

Und eher selten anzutreffen im Bereich der anspruchsvolleren Unterhaltungsmusik ist die dritte Tonstimme der Band: Andreas Kühnrich durfte auf seinem Cello als einziger des Trios sogar ein Solostück vortragen, ein Lament, das den Klang und die Schönheit dieses Instruments besonders hervorhob. Alles in allem bot Nubya ein stimmiges und stimmgewaltiges Konzert, das gut in die Neuendörfer Kirche passte.