Härkingen
Nicht nur Bürojobs: Schüler erhalten einen Einblick in die Berufswelt der Logistik

Rund 200 Schülerinnen und Schüler aus dem ganzen Kanton beteiligten sich an der dritten Auflage des Berufsinformationstages zum Thema Transportlogistik in Härkingen. Besonders gefragt waren Büroberufe wie Kaufmann oder Kauffrau.

Erwin von Arb
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200 Schüler erkunden die Berufswelt ausserhalb des Büros
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Stimmt das Farbmuster
Lehrstelle, grosse Frage gross geschrieben
Blicke, von skeptisch bis hoffnungsvoll
Cool, so ein Auf- und Abstieg mit der Hebebühne
Genaues Abwägen ist gefragt

200 Schüler erkunden die Berufswelt ausserhalb des Büros

HR Aeschbacher

«Ich finde diesen Berufsinfotag spannend», sagte Emily Schmid aus Olten nach einem Besuch bei der Firma Fabag Fahrzeugtechnik AG in Härkingen, wo ihr die Vielseitigkeit des Berufs des Fahrzeugschlossers erläutert worden war. Eigentliche strebe sie aber eine Lehre als Detailhandelsfachfrau. In der Fabag sei sie nur gewesen, weil auf dem Fragebogen zwei Berufe angekreuzt werden mussten, räumt die 13-jährige Schülerin ein. Emily Schmid ist eine von rund 200 Schülerinnen und Schülern der 14 Klassen aus dem Kanton Solothurn, die gestern Dienstag auf Einladung des Kantonal Solothurnischen Gewerbeverbandes (KGV) am dritten Transportlogistiktag in Härkingen teilnahmen. Am Infoanlass beteiligten sich nebst der Astag auch die Verbände des Auto- und Karosseriegewerbes und die Logistikbranche.

Dreh und Angelpunkt war eine Lagerhalle der Emil Egger AG in Härkingen, von wo aus die 7.- bis 9.-Klässler der Sekundarstufe 1 insgesamt 17 Betriebe zwischen Olten und Oensingen besuchten. Je nach Distanz wurden die Jugendlichen zu den Unternehmen mit Kleinbussen transportiert, wie Urs Schmid, Projektleiter Berufsbildung/Lehrstellenmarketing KVG erwähnte. Einsicht gewährt wurde in die Berufe Automobilmechatroniker, Automobilfachleute, AutomobilassistentIn, Strassentransportfachleute, Carrossier, Detailhandelsfachfrau/ -fachmann, Fahrzeugschlosser, Kaufmann/Kauffrau, Lastwagenführer, Logistiker, Distribution, Logistiker Lager.

Run auf kaufmännische Berufe

Erwartungsgemäss am meisten gefragt waren die Berufe Detailhandelsfachfrau/ -fachmann und Kaufmann respektive Kauffrau. «Diesem Trend wollen wir mit diesem Berufsinfostag entgegenwirken», betonte Urs Schmid, der ebenfalls erwähnte, dass sich auch Auto- und Logistikberufe einer relativ guten Nachfrage erfreuten. Vor allem Handwerksberufen soll deshalb eine Plattform geboten werden, um auch in Zukunft genügend neue Auszubildende rekrutieren zu können, so Schmid. Allerdings gestaltet sich dies recht schwierig, wie der Besuch einer Gruppe von 14 Schülerinnen und Schülern im Truk Center Leclerc in Härkingen eindrücklich aufzeigte. Zwölf Jugendliche der Gruppe interessierten sich für Büroberufe wie Kaufmann/Kauffrau oder Detailhandelsfachfrau oder -fachmann. Nur gerade zwei wollten mehr über die Werkstattberufe erfahren.

Schwierige Suche nach Lehrlingen

Erfreulich gross war hingegen der Aufmarsch bei der Carrosserie Spritztechnik Muster + Müller AG in Oberbuchsiten, wo gestern insgesamt 39 Jugendliche von Betriebsleiter Roland Bühler erfuhren, welche Arbeiten ein Carrossier oder Autolackierer ausführen muss. Dass für letzteren Beruf, «einfach einwenig Farbe spritzen», wie erwähnt wurde, vier Lehrjahre nötig sind, löste allgemeine Verwunderung aus. Bühler überrascht diese Einschätzung nicht. Die Anforderungen für diesen Beruf würden oft unterschätzt, was die Suche nach neuen Auszubildenden nicht einfacher mache. «Von zehn Bewerbern für eine Lehrstelle eigenen sich oft nur zwei», meint er zur schwierigen Situation.

Muster + Müller beschäftigt insgesamt 22 Personen, 8 davon sind Lehrlinge. Weil bald wieder Lehrstellen frei werden, hofft das Oberbuchsiter Unternehmen, dass sein Engagement am Berufsinfotag mit neuen Lehrstellenbewerbungen belohnt wird. Ein solcher Bewerber könnte vielleicht Gawril Frauchiger aus Oensingen sein. Er interessiere sich eher für den Beruf des Carossiers. «Ich habe mich aber noch nicht wirklich für einen Beruf entschieden, möchte aber sicher etwas mit den Händen machen», so der 14-jährige Sek-1-Schüler.