Härkingen

Neuer Belag reicht: Das Gericht sagt Nein zu Lärmschutzwänden

Vor allem der Schwerverkehr belastet die Anwohner der Fulenbacherstrasse. Sie befürchten, er könnte in den nächsten Jahren stark zunehmen.

Vor allem der Schwerverkehr belastet die Anwohner der Fulenbacherstrasse. Sie befürchten, er könnte in den nächsten Jahren stark zunehmen.

Der Kanton will auf der Fulenbachstrasse in Härkingen wegen der Lärmbelastung einen lärmdämmenden Belag einbauen. Anwohner wehrten sich. Doch das Verwaltungsgericht sieht keinen Bedarf für Lärmschutzwände oder eine Temporeduktion.

Laut ist’s an der Fulenbacherstrasse in Härkingen, wo die Lastwagen tagsüber fast im Minutentakt vorbeiziehen. «Eine subjektive Verkehrszunahme ist auf allen Achsen wahrnehmbar», sagt Gemeindepräsident Daniel Nützi. Dem Gemeinderat war die Lärmproblematik auf einer der Hauptachsen durchs Dorf bekannt. Vor rund drei Jahren verbesserte der Kanton den Belag in einem grösseren Abschnitt provisorisch, nachdem die Gemeinde sich dafür «vehement eingesetzt hatte», wie Nützi sagt. Die temporäre Massnahme zeigte etwas Wirkung.

Doch die Situation soll noch besser werden. Auch der Kanton erkannte, dass die Anwohner an Härkingens Hauptstrasse vom Lärm belastet sind. In rund fünf bis sechs Jahren bringt er deshalb auf der Kantonsstrasse, die von Härkingens Ortskern weg in Richtung Süden führt, einen lärmdämmenden Belag an. Ebenso will er mit der Boningerstrasse die Verbindungsachse zum Gunzger Kieswerk sanieren. Gegen das kantonale Lärmsanierungsprojekt waren im letzten Herbst drei Einsprachen eingegangen. Einigen Anwohnern gehen die geplanten Massnahmen zu wenig weit – eine Partei zog die Beschwerde ans Verwaltungsgericht weiter.

Auch im «Strassendorf» keine Lärmschutzwände

Aus dem Gerichtsurteil geht hervor: Die Beschwerdeführer befürchten, die Lärmbelastung werde in den nächsten Jahren weiter zunehmen. Ihre Bedenken stützen sich auf die mögliche Erweiterung des Kiesabbaus, den Ausbau der Autobahn und das Projekt «Cargo Sous Terrain», für das ein zentraler Hub in Härkingen vorgesehen ist. All diese geplanten Projekte würden zu Mehrverkehr auf der Härkinger Achse führen, so die Anwohner.

Sie forderten in ihrer Beschwerde an das Verwaltungsgericht daher sofortige Massnahmen. Konkret verlangten die Beschwerdeführer Verkehrszählungen und eine Lärmmessung. Als bauliche Massnahmen beanspruchten sie, abgesehen vom geplanten lärmdämmenden Belag, auch Lärmschutzwände, eine Geschwindigkeitsbeschränkung und, sollten die Immissionsgrenzwerte nicht eingehalten werden, Schallschutzfenster.

Mit ihrer Beschwerde hatte die Härkinger Partei vor Verwaltungsgericht jedoch keinen Erfolg. Wie bereits das kantonale Amt für Verkehr und Tiefbau in seiner Stellungnahme schrieb, urteilte auch das Gericht. Planerisch noch nicht sichergestellte Grossprojekte wie etwa Cargo Sous Terrain könnten nicht eingerechnet werden. Eine zentrale Rolle spielt im Urteil auch ein Gartenhaus, das eine lärmdämmende Wirkung habe, wodurch sich eine Lärmschutzwand erübrige. Das Verwaltungsgericht schreibt zum baulichen Schallschutz: «Eine Lärmschutzwand kommt schon wegen des Ortsbilds nicht in Frage.

Die Wand wäre 111 m lang. Es ist vollkommen unerwünscht, Verkehrsadern einzumauern, die durch ländliche Siedlungen führen, und damit Dörfer gewissermassen aufzuteilen. Dies gilt auch dann, wenn es sich, wie im vorliegenden Fall, um ein Strassendorf südlich des Autobahnkreuzes handelt.» Betreffs einer Geschwindigkeitsreduktion stützt sich das Gericht auf eine Einschätzung im Lärmsanierungsprojekt: Da ein lärmdämmender Belag eingebaut werde, führe eine Temporeduktion nicht zu einer signifikant wahrnehmbar besseren Lärmsituation.

Wie der Vertreter der Beschwerdeführer auf Anfrage mitteilt, verzichtet die Partei darauf, den Fall vor Bundesgericht weiterzuziehen. Somit wird das kantonale Projekt rechtskräftig und ab 2025 umgesetzt. Ab dann soll ein Belag angebracht werden, durch den die Lärmimmissionen um 6,5 Dezibel gesenkt werden. «Dies entspricht in der Wahrnehmung einer Reduktion der Verkehrsmenge um 75 Prozent», sagt Rolf Müller vom Amt für Verkehr und Tiefbau. Zwar nehme die Wirkung mit den Jahren ab. Am Ende seiner Lebensdauer soll die Immission gleichwohl noch 3,5 Dezibel tiefer sein, was einer Halbierung der Verkehrsmenge entspräche.

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