Balsthal

Nach zehn Jahren erscheint das letzte «Bauschtler Gschichte»-Heft – ein Interview mit den Autoren

«Bauschter Gschichte» erscheint am 6. Dezember zum letzten Mal. In der neuesten Ausgabe ist die Firma Mondia ein Thema. Ein Bild aus den 1940er-Jahren.

«Bauschter Gschichte» erscheint am 6. Dezember zum letzten Mal. In der neuesten Ausgabe ist die Firma Mondia ein Thema. Ein Bild aus den 1940er-Jahren.

Nach zehn Ausgaben der «Bauschlter Geschichte» hört das Autorenteam der Bürgergemeinde Balsthal auf. In einem Interview erzählen sie über ihre anfänglichen Beweggründe und was nach dem Heft kommt.

2009 lancierte der damals frisch pensionierte Lehrer Peter Wetzel das Geschichten-Heft «Bauschtler Gschichte». In der Bürgergemeinde Balsthal und den Mitgliedern ihrer Archivkommission fand er begeisterte Unterstützung. Nach zehn Ausgaben erscheint am kommenden Samichlaustag das letzte dieser Heft-Reihe. So sei es immer geplant gewesen, sagen die Autoren. Mit drei Personen, die von Beginn weg mit dabei waren – Peter Wetzel, Doris von Burg und Heinz/Cubi Grolimund –, konnten wir über die damaligen Beweggründe, die Arbeit und darüber, was nach den «Bauschtler Gschichte» kommt, sprechen.

Wie kam es eigentlich vor zehn Jahren zur Lancierung der «Bauschtler Gschichte»?

Peter Wetzel: Im Jahr 2008 wurde ich pensioniert, und schon länger hatte ich die Idee mit mir herumgetragen, Geschichten von Balsthal und über Balsthaler zu veröffentlichen. Ich sprach zuerst einmal mit Kurt Heutschi, Präsident der Archivkommission der Bürgergemeinde Balsthal darüber und er war sofort begeistert.

Doris von Burg: Die beiden stellten uns Mitgliedern der Archivkommission ein Grobkonzept des geplanten Geschichtenbuches vor und es gefiel uns sehr. Schliesslich ist es auch die Aufgabe unserer Kommission, die Bestände des Archives zu pflegen und in irgendeiner Form der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Wir ergänzten das Konzept insofern, als wir darauf hinwiesen, dass auch «Geschichten» aus unserer Zeit Platz in den Heften finden sollten. Also nicht nur Vergangenes.

Wie seid ihr rein arbeitstechnisch vorgegangen?

Doris von Burg: Anfang des Jahres traf sich das Team jeweils zu einem grossen Brainstorming, bei dem wir die Themen grob besprachen. Es ging darum für die kommende Ausgabe, die dann jeweils auf den Samichlaus-Tag erscheinen soll, acht Geschichten auszuwählen. Jedem Mitglied wurde dann die Erarbeitung einer oder zwei Geschichten zugeteilt. Dafür war man dann verantwortlich.

Peter Wetzel: Die Texte wurden von mir entgegengenommen und zum ersten Mal redigiert. Dann wurden in diversen gemeinsamen Lesungen alle Arbeiten nochmals korrigiert und das Bildmaterial festgelegt. Unsere Layouterin Christin Steck gestaltete dann einen ersten Entwurf der «Bauschtler Gschichte», der vom Team wiederum gemeinsam begutachtet und ergänzt wurde. Das Team konnte dann nochmals über die endgültige Fassung befinden, bevor diese in die Druckerei ging.

Cubi Grolimund: Die Illustrationen und Fotos waren uns immer besonders wichtig. Unser Ziel pro Heft, zwei Drittel des Inhalts sollen Bilder sein, haben wir zwar nicht immer geschafft, aber 50 Prozent Bildanteil haben wir erreicht. Es gibt einige Foto-Quellen in Balsthal, die wir nutzen konnten. Wichtig war immer, dass das Heft gesamthaft ästhetisch ansprechend daherkommt. Dass hochwertiges Papier verwendet wird.

Und wie finanzierten sich die «Bauschtler Gschichte»? Sponsoren gibt es ja keine.

Cubi Grolimund: Ich war immer der Meinung, dass die Bände zu einem erschwinglichen Preis erhältlich sein sollten. Klar kommt man da mit 15, respektive 20 Franken für den letztjährigen, dickeren Band, nicht gross in eine Gewinnzone. Doch das war auch nicht unser Ziel.
Peter Wetzel: Von Beginn an hat uns die Bürgergemeinde Balsthal finanziell unterstützt und so sind wir gut klargekommen. Allerdings arbeiteten wir alle natürlich ehrenamtlich. Gedruckt wurden jeweils 1000 Exemplare, die wir auch grösstenteils verkaufen konnten. Einige Ausgaben sind gar vergriffen. Die Balsthaler Schulen und die Gemeinde waren zuverlässige und grössere Abnehmer.

Die Stärke des Heftes liegt ja insbesondere am Mix der Geschichten. Es gibt immer Überraschendes zu lesen. Welche Überlegungen machtet Ihr Euch zum Inhalt?

Peter Wetzel: Wichtig war mir immer, dass das Heft magazinartig sein soll. Es sollte keine chronologisch geordnete Publikation werden, sondern es soll ein Heft mit Geschichten sein, die zum Lesen und Stöbern animieren.

Cubi Grolimund: Wir haben immer nach Geschichten aller Art gesucht, die noch in keinem Geschichtsbuch zu finden sind, die aber von Interesse sind. Noch leben Personen, die sich an Anekdoten oder Figuren erinnern, die das Dorfleben früher ausmachten. Ältere Balsthaler waren daher oft eine gute Quelle.

Peter Wetzel: Unseren «Ansatz» kann ich folgendermassen erklären: Für einen Band besprachen wir das Thema Neu Falkenstein. Über die Ruine existieren schon sehr viele Schriften, noch keine existierte aber über das Restaurant Schmidli, das jahrzehntelang neben der Ruine geführt wurde und von dem man heute nichts mehr sieht, von dem aber ältere Bewohner noch einiges zu erzählen wissen.

Doris von Burg: Es ist schon auch mal vorgekommen, dass wir eine Geschichte nicht schreiben konnten, weil die Erinnerung an eine Gegebenheit oder eine Person noch zu frisch war. Da brauchte es eben oft auch ein grosses Stück Einfühlungsvermögen in den Mikrokosmos «Dorf», welches man als Einheimische eben mitbringt.

Das Redaktionsteam (von links): Kurt Heutschi, Erich Altermatt, Doris von Burg, Peter Wetzel, Leila Naji, Cubi/Heinz Grolimund, Frank Müller.

Das Redaktionsteam (von links): Kurt Heutschi, Erich Altermatt, Doris von Burg, Peter Wetzel, Leila Naji, Cubi/Heinz Grolimund, Frank Müller.

Jetzt wollt Ihr trotz des Erfolges mit den «Bauschtler Gschichte» aufhören?

Doris von Burg: Es war von Beginn weg geplant, dass neun oder höchstens zehn Ausgaben erscheinen sollen. Das haben wir nun erreicht und daran wollen wir uns halten. Es ist doch besser aufzuhören, wenn wir erfolgreich sind und das Ende etwas betrauert wird.
Peter Wetzel: Klar gibt es noch «Gschichte», die wir erzählen könnten. Doch vielleicht entsteht so Raum für etwas Neues. Von meiner Seite her gibt es jedenfalls keine Geschichte, die ich unbedingt noch hätte festhalten müssen und wofür sich also eine weitere Ausgabe aufdrängen würde.

Cubi Grolimund: Wichtig ist: Die Arbeit der Archivkommission ist damit nicht beendet. Es sind bereits neue Aufgaben angedacht, die wir jetzt angehen könnten, denn der Fundus an Material im Bürgerhaus ist gross. Es findet in der Bürgergemeinde derzeit auch eine Art Generationenwechsel statt und ich bin sehr zuversichtlich, dass viel Neues und Interessantes entstehen wird.

Noch zur neuesten Ausgabe und zum «gluschtig» machen. Welche «Gschichte» sind zu lesen?

Peter Wetzel: Allzu viel wollen wir natürlich nicht verraten. Nur so viel: Es sind Geschichten aus der Frühzeit, dem Gewerbe und der Industrie darin enthalten. Zu Wort lassen wir auch ein paar prominente Balsthaler kommen und ein Fotoquiz darf natürlich auch nicht fehlen.
Doris von Burg: Und wir möchten unserer treuen Leserschaft, die im Übrigen nicht nur in Balsthal ansässig ist, herzlich für ihre Treue danken.

Hinweis: Die 10. Ausgabe der «Bauschtler Gschichte» wird am Chlausemäret in Balsthal ab 13.30 Uhr verkauft.

Verwandtes Thema:

Meistgesehen

Artboard 1