Für 1,95 Mio. Franken steht der Gasthof Rössli an der Oltnerstrasse 1 in Oensingen samt der Grundstücksfläche von 1800 m2 zum Verkauf. Laut einem Inserat des Anbieters Homegate ist die Liegenschaft ab 1. Juli des laufenden Jahres verfügbar. Der Beschrieb lautet: «Im grössten Dorf des Gäu, mit knapp 6500 Einwohnern, ist dieser schöne Gasthof zu verkaufen.» Weiter ist zu vernehmen, was der regelmässige Gast weiss.

Dass das «Rössli» im Erdgeschoss über 55 Sitzplätze verfügt und auf der gedeckten Terrasse über 35 Plätze. Insgesamt ist die Rede von rund 200 Sitzplätzen, rechnet man die erwähnten Säle dazu. Hinzu kommen noch einmal 200 Plätze, denn im Obergeschoss des Nord-Anbaus befindet sich ein weiterer Saal. Diese Säle werden sehr gerne gebucht, etwa von Vereinen oder für Feste, aber auch regelmässig für die Delegierten- und Parteiversversammlungen diverser Kantonalparteien. Ein klarer Standortvorteil. Allgemein ist bekannt, dass nebst dem guten Service auch die zentrale Lage ein Argument ist.

Ideen für Umbau

Aber das «Rössli» hat noch mehr zu bieten. Zum Beispiel die zwei Kegelbahnen und eine 4,5-Zimmer-Wohnung, «ohne Küche», wie dem Inserat zu entnehmen ist. Zudem finden sich Angaben über die Parkplatzsituation und die vorteilhafte Verkehrslage. Und natürlich werden auch die Bar und der Gewölbekeller erwähnt.

Bebildert ist das Online-Inserat mit einem Foto des Gebäudes und einem Situationsplan. Zudem bestehen bereits Pläne für zwei Ausbauvarianten, genannt «Variante Hotel» und «Variante Kleinwohnungen». Der Leser wird im Inserat mit dem Vermerk «Ideen für Ausbaupläne finden Sie in der Fotogalerie», darauf gelenkt.

Nachgefragt bei Bruno Dubach

Doch was ist der Grund für den Rössli-Verkauf? Und warum bestehen bereits Ideen und sogar Pläne für einen allfälligen Umbau? Von den Besitzern ist nicht viel zu erfahren: «Wozu müssen Sie das wissen? Wir sagen jetzt nichts», meinte Stefan Baumgartner bereits vor ein paar Wochen auf telefonische Anfrage leicht genervt. Baumgartner erklärt dies heute so: «Ich konnte damals die Fragen nicht beantworten, weil ich in den Verkaufsverhandlungen mit Bruno Dubach stand.» 

Nachgefragt bei Bruno Dubach, der im Immobilien-Inserat als Referenz unter dem Titel Rössli Immobilien angegeben wird, tönt es ähnlich. Zwar bestätigt er das Vorgehen grundsätzlich, aber er habe gerade Ferien. «Ich will mich nicht dazu äussern», so Dubach. Mehr sagte der Oensinger Garagist nicht.

Nach der vierten Generation in den Händen der Familie Baumgartner hat diese «Rössli»-Ära nun also ein Ende.

Die Liegenschaft ist laut Angaben in einem sehr guten Zustand. Es ist bekannt, dass Baumgartner stets viel Wert auf Qualität und Werterhalt legt, und dies nicht nur als Gastgeber. Im Jahr 2016 fanden rund drei Monate lang Renovationsarbeiten statt. Die Fassade und die Terrasse wurden erneuert, beziehungsweise modernisiert. Stolz meinte Baumgartner damals gegenüber dieser Zeitung, dass er Wert darauf lege, dass der Charakter des Hauses erhalten bleibe. Es stammt aus dem 15. Jahrhundert und wurde anno 1423 erstmals urkundlich erwähnt.