Wolfwil

Mit mobilen Bäckereien die Versorgungslücke überbrücken

Am Dienstag stand der Verkaufswagen der Vebo Bio-Bäckerei aus Oensingen zum ersten Mal vor dem ehemaligen Maxi-Laden an der Vorderen Gasse.

Am Dienstag stand der Verkaufswagen der Vebo Bio-Bäckerei aus Oensingen zum ersten Mal vor dem ehemaligen Maxi-Laden an der Vorderen Gasse.

Tina Küng, Besitzerin des geschlossenen Ladens in Wolfwil, will mit einer Übergangslösung die Versorgungslücke im Oberdorf überbrücken. Für das Projekt konnte sie zwei regionale Unternehmen gewinnen, die in mobilen Verkaufswagen Produkte anbieten.

Besondere Umstände erfordern besondere Massnahmen: Diesen Leitsatz auf die Fahnen geschrieben hat sich Tina Küng aus Wolfwil bei der Suche nach einer Übergangslösung für den seit rund zwei Monaten geschlossenen Maxi-Laden an der Vorderen Gasse 18 in Wolfwil. Die 37-Jährige hatte den Laden bis kurz vor der Geburt ihres zweiten Kindes selbst geführt.

Um den Fortbestand des neben der Erni-Bäckerei einzigen Ladens im Dorf zu gewährleisten, hatte sich Tina Küng erfolgreich um eine Nachfolgelösung eingesetzt. Diese fand sie in der Person von Kanesan Kamal, der den Laden am 31. August 2015 in eigener Regie übernahm.

Zur grossen Enttäuschung von Tina Küng verzichtete der 49-jährige Srilankese auf eine Verlängerung des Zweijahresvertrags. Der Umsatz habe nicht seinen Erwartungen entsprochen, habe Kamal bei der Kündigung des Vertrags bemerkt.

Motiviert von Kunden und Gemeinde

Tina Küng ist aber weiter davon überzeugt, dass der Laden genug Potenzial hat, dies auch wegen der neu gebauten Wohnungen im Einzugsgebiet. Inzwischen ist der Laden ausgeräumt und Tina Küng bereits wieder fieberhaft auf der Suche nach einer Nachfolgelösung. Dazu angehalten wurde sie nicht nur von Nachbarn und Kunden aus dem Dorf, sondern auch von der Gemeinde Wolfwil.

Weil Tina Küng auf die Schnelle keine Lösung aus dem Ärmel schütteln konnte, kam sie auf die Idee, die Versorgungslücke mit mobilen Verkaufswagen zu überbrücken. Dabei habe sich rasch herausgestellt, dass es solche Angebote nur von Bäckereien gebe.

Mit der Vebo Bio-Bäckerei aus Oensingen und dem Vögeli Beck aus Hägendorf konnten zwei regional gut verankerte Unternehmen für das Projekt gewonnen werden. Den Anfang machte am Dienstag der Verkaufswagen der Vebo-Bäckerei, welcher dienstags jeweils von 7 bis 12 Uhr Brot, Sandwiches, Getränke sowie anderes mehr anbieten wird.

Dazukommen wird ab 23. Oktober der Verkaufswagen vom Vögeli-Beck aus Hägendorf, der jeweils Montag, Mittwoch und Freitag von 10.15 bis zirka 11 Uhr an der Vorderen Gasse präsent sein wird. Neben Brot, Sandwiches umfasst das Sortiment auch Milchprodukte, Aufschnitt, Suppen und Menus zum Aufwärmen.

Auch ein Neubau im Gespräch

Tina Küng ist sich bewusst, dass dies nur eine Lösung auf Zeit ist. Und wenn sie den Laden selbst wieder übernimmt? Küng winkt ab. Die Familie habe klar Vorrang, sagt die Mutter von zwei Kindern im Alter von zwei und fünf Jahren. Deshalb werde neben der möglichst raschen Verpachtung des Ladens auch der Verkauf der Liegenschaft in Erwägung gezogen.

Angedacht sei der Neubau eines 7-Familienhauses mit einem neuen Laden im Untergeschoss. Noch habe sie aber die Hoffnung, dass ein geeigneter Mieter für den bestehenden Laden gefunden werden könne. Ein Verkauf wäre damit vorerst vom Tisch und der Dorfladen gerettet.

Lindemann für zwei Läden im Dorf

Gemeindepräsiden Georg Lindemann zeigt sich erfreut über die Aktivitäten für den Erhalt des Ladens im Oberdorf. Die Verkaufswagen der zwei Bäckereien seien als Übergangslösung eine gute Sache.

Ziel müsse aber bleiben, dass es Wolfwil neben der Bäckerei Erni noch einen zweiten Laden gebe. Dass dies möglich sei, habe sich in den letzten Jahrzehnten gezeigt. Chancen räumt Lindemann auch einem möglichen Neubau mit integriertem Laden ein.

Der Standort an einer gut gelegenen Strasse sowie die im Bau befindlichen Alterswohnungen der Überbauung Wolfspark in der Nachbarschaft seien eine gute Grundlage dafür. Dass die Gemeinde aktiv wird und die Liegenschaft kauft oder in den erwähnten Neubau investiert, um den Fortbestand des Ladens sicherzustellen, sei keine Option. «Das muss die Privatwirtschaft regeln, nicht die Gemeinde», stellt Lindemann klar.

Erni Beck will nicht einsteigen

Und wie beurteilt die Bäckerei Erni die Situation: «Wir haben vor einiger Zeit die Übernahme des Ladens in einem allfälligen Neubau oder im ehemaligen Maxi-Laden geprüft, uns aber aufgrund der hohen Investitionen dagegen entschieden», sagt Urs Erni. Gegen eine Übernahme des Ladens gesprochen habe ferner, dass Volg als bisheriger Lieferant der Erni Bäckerei kein Interesse an zwei Läden in einem Dorf habe.

Ein zweiter Laden sei für ihn auch kein Thema, weil für die Bäckerei noch keine Nachfolgelösung in Sicht sei, so der 51-jährige Bäckermeister. Von den Verkaufswagen der zwei auswärtigen Bäckereien in Wolfwil sei er natürlich nicht begeistert, könne aber damit leben, wenn das im Interesse des Dorfes sei.

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Autor

Erwin von Arb

Erwin von Arb

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