Very proud», sei die Voigt-Gruppe, sagte Geschäftsleiter Christian Fritz, nachdem im Rohbau die Saxofonklänge verhallt waren. Die Gäste aus der inländischen und internationalen Pharmabranche applaudierten. Grund dafür: Voigt verlässt den Standort Neuendorf und baut für 70 Mio. Franken aus.

Der Ostschweizer Pharmagrosshändler ist auf der grünen Wiese zwischen Autobahn A1 und Jurahöhen mit grossen Schritten dran, zu expandieren. 1998 hatte sich das Thurgauer Familienunternehmen aus strategischen Gründen dafür entschieden, ins Mittelland zu kommen. Die Voigt AG installierte sich zunächst in Neuendorf. Vor acht Jahren kam in Niederbipp ein Neubau hinzu. Doch dieser ist bereits wieder das «alte Lager», wie Oliver Schwarz, Leiter Logistik bei der Einweihungsfeier mit einem Lächeln sagte. Als er vor sieben Jahren zum Unternehmen stiess, habe er sich eine futuristische Anlage gewünscht. «Jetzt stehen wir in diesem Traum», sagte Schwarz.

Kantonsgrenze als Stolperstein

Um ihr Logistikcenter zu erweitern, musste die Voigt-Gruppe eine grosse Hürde überspringen. Da die Parzelle auf dem Boden der Gemeinden Niederbipp und Oensingen lag, wäre der Bau auf der Kantonsgrenze zwischen Bern und Solothurn entstanden. Das Berner Kantons-Gesetz war ein Stolperstein: Dieses verbietet die Überbauung einer Kantonsgrenze. Durch einen Landabtausch von identisch grossen Parzellen lösten die betroffenen Kantone das Problem – sie verschoben die Kantonsgrenze minim. Der Weg war geebnet, dass Niederbipp zu einem wichtigen Schweizer Pharmastandort wird. Denn Voigt expandiert in Sichtweite der Galenica-Tochter Galexis, einer konkurrierenden Pharma-Grosshändlerin.

Der Erweiterungsbau in Niederbipp ist doppelt so gross wie das vor acht Jahren geschaffene Gebäude. Auf einer Fläche von zweieinhalb Fussballfeldern installiert die Voigt AG für 70 Millionen Franken ihren Zukunftsbau. Im vergangenen Oktober war der Rohbau fertiggestellt – bis im Frühling 2020 die Produktion anläuft, werden die Logistikanlagen eingebaut und Testphasen durchgeführt. Mit den neuen Anlagen investiert Voigt in die Automatisierung. «Hier arbeiten auch noch Menschen», sagte Schwarz. Am Warenausgang seien die Roboter dem Menschen noch unterlegen.

Im Innern dominieren hingegen autonome Förder-Systeme. Ein Herzstück des Logistikcenters sind 116 vollautomatische Wagen, sogenannte «Shuttles», welche die Medikamentenpackungen verschieben. Mit modernster Technik wagt sich die Voigt-Gruppe an europaweites Novum: Sie vereint die beiden Geschäftsfelder, den «Prewholesale» und den Grosshandel unter einem Dach. Das heisst, dass das Unternehmen in Niederbipp künftig auf denselben logistischen Anlagen seine Dienstleistungen für pharmazeutische Hersteller ausführt und gleichzeitig die Medikamentenverteilung in kleineren Mengen für den Grosshandel vornimmt und so beispielsweise Apotheken beliefert. In Europa ist bislang keine Anlage in Betrieb, welche die beiden Phasen in vergleichbarem Umfang zusammenführt. In beiden Bereichen befindet sich Voigt im brancheninternen Wettbewerb im Kampf als Nummer zwei der Schweiz. Pro Jahr werden bis zu 85 Millionen Packungen über die neuen Anlagen gehen.

Noch bis 2021 im Gäu

Weil Voigt neu beide Geschäftsbereiche in Niederbipp integriert, hebt sie bis 2021 den Standort Neuendorf auf. Die Arbeitsplätze verschieben sich nach Niederbipp, womit das Unternehmen im neuen Logistikzentrum 160 Vollzeitangestellte beschäftigt. Trotz Automatisierung des Betriebs «ist es das Ziel, niemanden zu entlassen», sagt Geschäftsleiter Fritz. Bis im Jahr 2022 soll das Logistikcenter in Niederbipp vollständig funktionstüchtig sein.