Herbetswil

Landwirte und der Naturpark Thal: Wie gross ist die Liebe?

Von hier aus, oberhalb Herbetswil, hat Mikko Müller einen herrlichen Blick übers Thal.

Von hier aus, oberhalb Herbetswil, hat Mikko Müller einen herrlichen Blick übers Thal.

Mikko Müller widmete seine Matura-Arbeit dem Naturpark Thal. Sein Fazit: Der Park ist noch nicht in den Herzen und Köpfen der Landwirte und der Bevölkerung angekommen.

«Aus meiner Arbeit schliesse ich, dass der Regionale Naturpark Thal zwar akzeptiert wird, jedoch noch nicht in den Herzen und Köpfen der Landwirte sowie der weiteren Bevölkerung angekommen ist.» Zu diesem Schluss kommt Mikko Müller (Jahrgang 1996) aus Herbetswil aufgrund seiner Recherchen, die er für die Matura-Arbeit gemacht hat. Er stellt weiter fest: «Es identifizieren sich nur sehr wenige, welche in irgendeiner Weise, sei es durch den Verein Region Thal oder in einem sonstigen Bereich mit dem Naturpark Thal zusammenarbeiten.»

Wir veröffentlichen hier einen Ausschnitt aus der Matura-Arbeit mit dem ausdrücklichen Hinweis, dass es sich dabei um eine privat durchgeführte Aufarbeitung des Themas handelt.

Ferner, dass einige Resultate bekannt sind und dass der Naturpark unterdessen weiter an Format gewonnen hat.
Die Arbeit enthält ferner nur punktuelle Stellungnahmen von offizieller Seite, jene vonseiten des Naturparks fehlt ganz. Wir haben deshalb den Leiter des Naturparks, Richard Bolli, um eine Stellungnahme gebeten (siehe separate Textbox). 

Viel aufwendiger als erwartet

Eine sehr aufwendige Arbeit sei es gewesen, sogar viel aufwendiger als zuerst angenommen, berichtet Mikko Müller. Zuerst habe er sich gründlich mit den Zielen und Grundsätzen (Charta) befasst. Als spannend empfand er das Ziel, die Wertschöpfung im Thal zu fördern. Er nahm sich des Themas an, fokussierte sich dabei auf einen Bereich, und so bekam seine Maturaarbeit den Titel: «Wie ist die Akzeptanz des Regionalen Naturparks Thal in der Landwirtschaft?»

Warum kam der 19-Jährige überhaupt darauf, das Thema aufzugreifen? «Meine Mutter war im Gemeinderat von Herbetswil zu der Zeit, als der Naturpark Thal konkret wurde. Darüber wurde bei uns zu Hause am Tisch viel diskutiert», antwortet Mikko Müller. Die Idee für die Maturaarbeit war dann recht schnell geboren. «Fürs Umsetzen war ich auf viele Leute angewiesen. Hauptsächlich auf die Landwirte, die sich Zeit nahmen, sich befragen zu lassen. Und meine Familie übernahm Taxidienste, damit ich zu den Leuten kam.»

«Braucht es den Naturpark?»

Aus den rund 200 landwirtschaftlichen Betrieben im Bezirk Thal wählte Mikko Müller deren 15 aus. Alle Gemeinden sollten vertreten sein, ferner Berg- und Talbetriebe, unterschiedliche Bereiche und die Betreiber altersmässig gemischt. «Welches war ihr erster Gedanke, als die Idee des Naturparks Thal bekannt wurde?», fragte Müller die Landwirte. Fast alle hätten sinngemäss geantwortet: «Braucht es diesen Naturpark überhaupt? Wir Landwirte haben schon so viele Vorschriften, jetzt soll noch ein Label dazukommen. Welche Konsequenzen bringt das?» Einzelne jedoch sahen eine Möglichkeit, einen Markt für regionale Produkte zu schaffen.

Chance genutzt

Was sagen die Landwirte aus heutiger Sicht? Wiederum hätten die meisten erklärt, dass sie keine spürbaren Erfahrungen gemacht hätten. «Einer hingegen konnte eine Chance nutzen und Raps für die Produktion von Rapsöl liefern, das nun auch bei Coop erhältlich ist», berichtet Müller. Ebenfalls positive Nachrichten bekam er vom Mümliswiler Reckenkien. «Dank des Produktelabels kann die Käserei Stoll mehr produzieren bzw. verkaufen.»

Ein weiterer Landwirt kann Schlachtschweine liefern an die Metzgerei Stübi, die Würste mit Label herstellt. Da sich beide Betriebe in Matzendorf befinden, fallen Transportkosten weg. Aber, so glaube der Landwirt, der Metzger müsste seine Betriebskapazitäten vergrössern können, und zwar mithilfe des Naturparks. Wie das gehen könnte, lässt der Landwirt jedoch offen.

Mühe mit dem Tourismus

Ebenfalls positive Erfahrungen, wenn auch nicht allzu grosse, haben Bergbauernbetriebe gemacht, die noch eine Gastwirtschaft führen. Ob da touristische Werbung gewirkt hat, sei jedoch nicht zu belegen. Bei reinen Landwirtschaftsbetrieben komme die Idee von der Tourismusförderung unterschiedlich gut an, führt Mikko Müller weiter aus. «Es gibt halt Wanderer, die sich nicht zu benehmen wissen, ihr Auto auf einer Wiese parkieren oder Zäune niederreissen.» Keiner der befragten Landwirte habe seinen Betrieb zugunsten eines Naturparkprojekts umgestellt.

Nicht wenige Landwirte haben Mühe mit einem Projekt, das der Naturpark betreut: die Vernetzung ökologischer Ausgleichsflächen. Die Gegner sagen sinngemäss: «Landwirte wollen produzieren und nicht Beiträge erhalten für Flächen, die brach liegen.» Befürworter dagegen sind froh, Beiträge zu erhalten für Flächen, die ihnen bisher eher unnütz erschienen. Auch hier sind mittlerweile Fortschritte zu vermelden.

Immerhin: «Keiner der 15 befragten Landwirte gab rückblickend an, dass sie wegen des Naturparks Einschränkungen spüren», sagt Müller. Und sie würden auch für die Zukunft keine befürchten. Allerdings sähen jene, die nicht direkt vom Absatz eines Produktes profitieren können, auch keinen wirklichen Nutzen im Naturpark.

Etwas wie «Heidi Milch»

Als bedenklich stuft Müller ein, dass er sich viele negative Äusserungen bezüglich Verwaltung des Naturparks habe anhören müssen. Man frage sich zum Beispiel, wohin das viele Geld fliesst, das vom Bund kommt. Ob dies für die Löhne der Mitarbeiter in der Thalstation verwendet werde, von denen die meisten gar nicht im Thal wohnen? «Mehr und besser informieren», wäre laut Mikko Müller ein Rezept, «dass die Leute gar nicht auf die Idee kommen, solche Fragen oder gleich den ganzen Naturpark überhaupt infrage zu stellen.» Ferner wäre eine Anlaufstelle für Ideen aus der Landwirtschaft einzurichten. Eine solche wäre, ähnlich dem Label «Heidi Milch» eine «Thaler Milch» zu lancieren.

«Nicht weit neben der Realität»

Mikko Müller ist sich bewusst, dass es sich bei seiner Maturaarbeit nur um einen Ausschnitt aus der Volksmeinung zum Naturpark handeln kann. Trotzdem habe er das Gefühl, dass das Fazit seiner Recherche nicht weit weg von der Wirklichkeit entfernt ist: «Der Naturpark ist noch nicht voll in den Köpfen und Herzen der Thalerinnen und Thaler angekommen.» Das würde sich ändern, so glaubt er, wenn etwas wirklich Greifbares da wäre. Er persönlich findet den Naturpark Thal auf jeden Fall eine gute Sache und würde ihn – falls sich etwas Passendes ergibt – auch praktisch unterstützen helfen.

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