Matzendorf

Kundenzahl halbiert: Vebo-Gärtnerei leidet wie der Rest der Branche – trotz Onlineverkauf

Geschäftsführer Pascal Erne und Mitarbeiterin Stefanie Kohler machen bestellte Lieferungen für Kunden zur Abholung bereit.

Geschäftsführer Pascal Erne und Mitarbeiterin Stefanie Kohler machen bestellte Lieferungen für Kunden zur Abholung bereit.

In den Grossgärtnereien wie jene der Vebo-Genossenschaft in Matzendorf wachsen die Setzlinge heran. Der Onlinehandel kann den Direktverkauf nicht kompensieren. Der Aufruf von Kantonsrat Mark Winkler an den Bundesrat, die Gärtnerbranche vom Lockdown zu befreien, geht in den sozialen Medien viral.

Derzeit geht ein ziemlich lauter Ruf durch die Schweizer Gärtnerbranche. Grund für die Unruhen sind die einschneidenden Massnahmen zur Eindämmung des Coronavirus seitens des Bundes, die einen Verkaufsstopp von Pflanzen festlegen. Das hat zur Folge, dass die Schweizer Gärtnerei-Betriebe bereits Millionen von Pflanzen vernichten mussten. Der Schweizerische Gewerbeverband verlangt deshalb, dass der Bundesrat den Lockdown für die Gärtnerbranche im April wieder aufhebt.

Auch aus der Politik erhalten die Gartencenter zunehmenden Zuspruch. Der Solothurner FDP-Kantonsrat Mark Winkler schrieb schon am Mittwoch via Facebook einen offenen Brief: «Lieber Bundesrat. Ändern Sie so bald wie möglich die Verordnung, dass neben den Lebensmitteln alle verderblichen Waren verkauft werden können. Die Setzlinge von heute sind die Lebensmittel von morgen. Die Gärtnereien gehören umgehend geöffnet.» Der Beitrag wurde bis am Donnerstagnachmittag über 22'000 Mal geteilt.

Task-Force und Online-Verkauf

Die Matzendörfer Genossenschaft und Gärtnerei Vebo ist eines der grossen Gartencenter der Region, das vom Schicksalsschlag durch das Coronavirus arg betroffen ist. Um die Krise zu überstehen bietet die Thaler Gärtnerei einen Abhol- und Lieferservice von Pflanzen an. Wie aber geht die Vebo mit der erdrückenden Situation um? «Seit Ende Februar hat die Vebo Genossenschaft eine Standort übergreifende Task-Force eingesetzt, welche die Situation täglich beurteilt und Massnahmen beschliesst», sagt Pascal Erne, Geschäftsführer der Vebo-Gärtnerei. In Matzendorf beschäftigt die soziale Institution 40 Menschen mit Beeinträchtigung. «Die Mitarbeiter, die laut BAG zur Risikogruppe gehören, müssen zu Hause bleiben», sagt Erne. Eine erste Bilanz zeigt laut Erne, dass die bisher getroffenen Massnahmen Wirkung zeigen und sich die Mitarbeitenden sicher fühlen.

Effiziente Sicherheitsmassnahmen sind aber nur die halbe Miete, wenn es darum geht, sich über Wasser halten zu können. Der Erlös durch den Verkauf von Pflanzen bleibt das Kerngeschäft einer jeden Gärtnerei. Derzeit müssen die Pflanzen ohne jeglichen Kundenkontakt über die Ladentheke gehen. Also baute die Vebo kurzerhand einen Online- und Telefonverkauf auf. «Die Umstellung mussten wir sehr schnell realisieren, da die verfügte Ladenschliessung durch den Bundesrat inmitten der verkaufsstarken Frühlingssaison angeordnet wurde», erzählt Erne. Während dieser Zeit macht die Vebo-Gärtnerei ungefähr 60 Prozent ihres Jahresumsatzes.

Verkauf deutlich eingebrochen 

Wie andere Gärtnereien will die Vebo den Kunden die Möglichkeit bieten, weiterhin auf das Sortiment zugreifen zu können. Damit sollen auch möglichst wenig fertig kultivierte Pflanzen eingestampft werden. Zwar ist der Telefonverkauf laut Erne nicht Neuland, jedoch hat er deutlich zugenommen. «Das Online-Angebot ist hingegen etwas völlig Neues für uns und die Kunden. Hier war die Herausforderung, so schnell wie möglich ein bebildertes Angebot zu gestalten», sagt Erne. Pascal Erne und sein Team bereiten die Lieferung vor und stellen diese auf kleinen Wagen in einem Abholbereich bereit. Wer auf einen Abholservice verzichten möchte, der kann die Pflanzen auch per Lieferdienst erhalten. Die Kunden können in dieser aussergewöhnlichen Situation seit Mitte März wählen.

«Im Moment sind besonders Pflanzen wie Primula, Viola, Bellis, Ranukeln, Zwiebelgewächse, Polsterstauden sowie Gemüsesetzlinge gefragt», sagt der Geschäftsführer. Auch die Gärtnererde findet grosse Nachfrage. Trotzdem: «Der Verkauf im Gartencenter ist deutlich eingebrochen, allerdings ist es aber noch zu früh eine genaue Bilanz zu ziehen», sagt Erne. Die Kundenzahl hat sich gemäss dem Geschäftsführer «sicher schon halbiert». An der Situation ändert auch der Onlineverkauf nichts, der zwar eine starke Zunahme verzeichnet, sich jedoch betragsmässig auf eher tiefem Niveau bewegt. «Das Format dient in dieser Phase in erster Linie wirklich nur dazu, verkaufsfertige Pflanzen abzusetzen», sagt der Geschäftsführer.

Gartenbauliche Dienstleistung als Stütze

Trotz der schwierigen Lage hat Erne im Moment noch keine Existenzängste. «Bleiben die Massnahmen des Bundes jedoch bis Ende Mai oder werden weiter verschärft, kann es schon sehr schwierig werden», sagt er. Eine kleine Stütze bieten die gartenbaulichen Dienstleistungen, denn diese können momentan trotz leichten Einschränkungen aufrechterhalten werden. «In diesem Bereich arbeiten wir im Moment nur noch in zweier Teams auf vorwiegend kleinen Baustellen», berichtet er.

Auch wenn einige Pflanzen bereits verkauft werden konnten, so mussten nichtsdestotrotz tausende von Pflanzen quer Beet durch das ganze Sortiment bereits vernichtet werden. «Der grösste Teil der Arbeiten an den Pflanzen, die im ersten Halbjahr zum Verkauf kommen sollen, ist geleistet», sagt Erne. Die Setzlinge und Blumen gedeihen. Doch was mit all den Pflanzen geschehen soll, bleibt unklar. Die Vebo hofft wie viele Blumengeschäfte, dass die verkaufseinschränkenden Massnahmen so schnell wie möglich gelockert werden und möglichst viele Kunden auf den Bestellservice-Zug aufspringen.

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