Oensingen

Kochclub nur für Männer gegründet, «weil Frauen ja schon kochen konnten»

Die elf Köche der Ziebelichuchi Oensingen. Ganz links der Klubpräsident Rolf Heller.

Die elf Köche der Ziebelichuchi Oensingen. Ganz links der Klubpräsident Rolf Heller.

Seit 39 Jahren gibt es den Männerkochklub Ziebelichuchi in Oensingen. Die Männer wollen weiterhin unter sich bleiben.

39 Jahre lang hatte sich der Männerkochklub Ziebelichuchi regelmässig in der Küche des Schulhauses Oberdorf in Oensingen eingefunden, um sich dort, dem «kulinarischen Abc» zu widmen. So verlangen es die Vereinsstatuten. Nun hat ein neuer Abschnitt im Klubleben begonnen, denn seit dem Ausbau des Schulhauses Oberdorf gibt es dort keine Schulküche mehr, sondern nur noch eine im Kreisschulhaus Bechburg.

Dort haben die Männer der Ziebelichuchi jüngst ihre erste «Chochete» abgehalten. Wir sprachen mit dem Klubpräsidenten Rolf Heller (51), dem noch immer aktiven Gründungsmitglied Fritz Leu (80) sowie Michael Dietschi (48), der vor zwei Jahren hinzugekommen ist, über den Männerkochklub.

Wie haben sie den Wechsel in die neue Küche empfunden?

Rolf Heller: Die Küche ist, besonders was die Geräte angeht, fantastisch eingerichtet. Wir freuen uns, dass wir dort kochen dürfen.

Fritz Leu: In den vielen Jahren in der Küche im Oberdorf hatte man sich natürlich an vieles gewöhnt und konnte auch mit jenen Geräten umgehen, die nicht mehr so wie ursprünglich funktioniert haben.

Was wurde an der ersten «Chochete» gekocht?

Rolf Heller: Zur Vorspeise ein Glasnudelsalat, zum Hauptgang Rehrücken mit Feigen-Speck-Sauce, dazu eine Kartoffel-Randen-Rösti und zum Dessert ein Blaubeer-Cluster.

Kommen beim Fleisch auch mal weniger edle Stücke in die Pfanne?

Fritz Leu: Also Kutteln gab es bei uns noch nie. Milken, Nierli oder Leberli dagegen schon.

Rolf Heller: Der grosse Schnitt kam mit dem Rinderwahnsinn in den 1990er-Jahren. Seither kommen Fisch oder Geflügel mehr zum Zug.

Ist das Kochen im Klub noch nötig, wo man aus dem TV, aus Büchern, Blogs und Youtube alles vermittelt bekommt?

Fritz Leu: Dass es die Ziebelichuchi seit vierzig Jahren gibt und sie noch immer gut in Form ist, zeigt sehr deutlich, dass Bedarf da ist. Es geht ja nicht nur um das Kochen. Der bewusste Umgang mit den Nahrungsmitteln, die Geselligkeit und die Freude am gemeinsamen Geniessen gehören ebenso dazu.

Die Ziebelichuchi ist ein reiner Männerkochklub. Warum?

Fritz Leu: Als der Klub gegründet wurde, war es noch nicht so verbreitet, dass Männer kochen. Uns war es wohler dabei, unter uns zu sein. Man ging davon aus, dass die Frauen ja schon kochen können.

Rolf Heller: Wir wollen auch weiterhin unter Männern bleiben. Das hat sich so bewährt. Es gibt übrigens in Oensingen auch einen Frauenkochklub, aber der ist anders organisiert als der unsrige. Wir sind relativ strikt in unserem Programm. Einer ist Tageschef, stellt das Menü zusammen, besorgt den Einkauf und ist für den Ablauf in der Küche verantwortlich.

Weshalb soll der Klub laut Statuten ausgerechnet elf Mitglieder haben?

Fritz Leu: Bei der Gründung befanden wir, dass etwa zehn Mitglieder gut wären, denn für ein mehrgängiges Menü braucht es eine gewisse Anzahl Leute. Schliesslich schlug einer die Elf vor, die «Solothurnerzahl». Das fanden wir gut.

Wer kann Klubmitglied werden?

Rolf Heller: Wenn es zu einer Neubesetzung kommt, können Klubmitglieder Vorschläge machen. Ein Kandidat wird zu einer Probe-«Chochete» eingeladen, und wenn dann alle Klubmitglieder mit ihm einverstanden sind, und der Kandidat es auch möchte, so wird er aufgenommen.

Vor vierzig Jahren hat kaum jemand von Ernährungslehre gesprochen. Wie stehts damit in der Ziebelichuchi?

Fritz Leu: Ernährungslehre nach Lehrbuch spielt bei uns keine Rolle. Es ist schliesslich ein einziges Mal im Monat, und da darf man auch mal etwas essen, das für einen vielleicht nicht das Gesündeste ist.

Rolf Heller: Indirekt hat die Ernährungslehre schon einen Einfluss, weil sich diese bei den jüngeren Mitgliedern in ihren Essgewohnheiten niederschlägt und somit auch in der Ziebelichuchi.

Michael Dietschi: Das schätze ich im Klub, dass die Mitglieder offen sind für Neues.

Offen auch für vegetarische oder vegane Küche?

Rolf Heller: Jedem das Seine. Wir fahren weiter mit Fleisch wie bisher. Verändert haben wir uns insofern, dass wir mit Gemüse und Salat, beim Zubereiten oder beim Kombinieren, anders vorgehen als früher.

Wird denn auch beurteilt, was am Tisch serviert wird?

Rolf Heller: Vor dem Kochen werden Zettel gezogen, wonach jeweils einer einen Menügang zu besprechen hat. Selbstverständlich können alle etwas dazu sagen, und da kann es schon mal handfeste Kritik geben. Aber man geht der Kritik dann auf den Grund und untersucht, was passiert ist und was sich besser machen lässt.

Michael Dietschi: Ich schätze diese Besprechungen sehr. In den zwei Jahren, in denen ich dabei bin, habe ich sie immer als sehr konstruktiv erlebt.

Kochen Sie auch für die Familie zu Hause?

Michael Dietschi: Zuerst war es für mich ein Hobby. Aber seit meine Frau verstorben ist, ist der Fall klar.

Fritz Leu: Es gab eine Zeit, da lud ich gerne Gäste ein und kochte für sie. Natürlich bin ich froh darüber, dass ich kochen kann, das habe ich gerade wieder erlebt, als meine Frau eine Zeit lang im Spital bleiben musste.

Rolf Heller: Zu neunzig Prozent ist bei mir zu Hause die Frau zuständig. Manchmal steht aber auch die ganz Familie in der Küche. Und wenn Gäste kommen, übergibt meine Frau gerne den Lead an mich.

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