Oensingen

Kleines Plenum mit grossen Fragen: Bell-Projekt wird vorgestellt

Im Vordergrund entsteht ein neues Kühllager – südlich des Reservoirs Moos plant Bell das Parkhaus.

Im Vordergrund entsteht ein neues Kühllager – südlich des Reservoirs Moos plant Bell das Parkhaus.

Die Gemeinde Oensingen und der Grosskonzern Bell stellten das überarbeitete Projekt vor.

Die Einwohnergemeinde Oensingen stellte am Donnerstagabend anlässlich des Starts der öffentlichen Mitwirkung der Bevölkerung die Erschliessungs- und Gestaltungspläne Dünnernstrasse und Holinden der Firma Bell vor. Die Resonanz fiel angesichts des sehr grossen Projekts eher moderat aus. Nur rund 30 Personen hatten sich im Bienkensaal eingefunden. Dafür waren die aus dem kleinen Plenum gestellten Fragen fundiert.

«Einige der gewünschten Optimierungen konnten seit der ersten Planauflage im Frühjahr 2019 bereits realisiert werden», leitete Oensingens Gemeindepräsident Fabian Gloor die Präsentation des Grossprojekts des Fleischverarbeiters Bell ein, der sich mit einem Werbefilm vorstellte. «Heute arbeiten für uns in Oensingen rund 700 Mitarbeiter, in Zukunft sollen es 1300 werden», fasste Philipp Allemann von der Geschäftsleitung der Bell Schweiz AG die Pläne ganz kurz zusammen.

Die erste Etappe ist der Bau eines neuen Kühllagers auf dem Grundstück Holinden. «Dafür wurde die Baubewilligung bereits erteilt, diese Arbeiten werden in Kürze beginnen», sagte Allemann. Dann soll das neue Parkhaus folgen, das 1200 Parkplätze bieten wird. An der Stelle des bisherigen Parkplatzes soll dann das neue Rinderschlachthaus an der Dünnernstrasse gebaut werden. Als letzte Etappe ist ein weiteres Produktionsgebäude im Gebiet Holinden geplant. Dazu wurde aus dem Plenum die Frage gestellt, ob in Oensingen in Zukunft auch noch Schweine geschlachtet werden sollen. «Nein, ein Schweineschlachthof ist in Oensingen nicht geplant», versprach Geschäftsleitungsmitglied Allemann.

Prognose: 390 Lastwagenfahrten pro Tag

Rolf Riechtsteiner von der Firma BSB und Partner stellte als externer Unterstützer die Gestaltungspläne vor, in denen der Sechsspurausbau der Autobahn A1 und die Entlastung Oensingen bereits berücksichtigt wurden. Die Zufahrt soll neu über die Ostringstrasse, die Ausfahrt wie bisher über Dünnernstrasse erfolgen. Der Ingenieur betonte: «Bell braucht keine Ausnahmen, das Projekt passt zu den heute bestehenden Vorschriften.»

Nach dem Abschluss aller Projekte ist im Jahresmittel mit einem Verkehrsaufkommen von rund 1320 Personenwagenfahrten und 390 Fahrten mit Lastwagen pro Tag zu rechnen. Das bedeutet im Vergleich zu heute etwa ein Drittel mehr Autos und fast doppelt so viele Lastwagen. «Damit liegt das Vorhaben nahe, aber noch unterhalb der Schwelle für eine güterverkehrsintensive Anlage gemäss dem kantonalen Richtplan», erläuterte Bauverwalter Affolter.

Weil andere Grossbetriebe in der Region ebenfalls expandieren, befürchten viele Oensinger trotzdem ein zunehmendes Verkehrschaos im Dorf und eine durch Lastwagen verstopfte Autobahnauffahrt. Gemeindepräsident Gloor bezeichnete die Entlastung Oensingen als «Jahrhundertchance» für das Dorf und er beteuerte: «Die Lebensqualität entlang der Hauptstrasse und die Sicherheit für Schülerinnen und Schüler kann erhöht werden. Schliesslich wird auch die Erreichbarkeit für die Bevölkerung wie die Industrie verbessert.»

«Wir haben keine Steuertrickli geplant»

Landwirt Bruno Hofstetter wies auf ein anderes Problem hin: «Bei uns überläuft bereits jetzt ab und zu die Kanalisation und das Abwasser fliesst dann in die Dünnern. Das sollte man berücksichtigen.» Bauverwalter Andreas Affolter nahm das Anliegen auf und versprach, die Kapazitäten des Abwasserleitungsnetzes zu überprüfen.

Ob die Wasserversorgung mit diesem Grossprojekt nicht überfordert werde, war eine andere Frage aus dem Plenum. Gemeindepräsident Gloor gab auch hier Entwarnung: «Unsere Grundwasserfassung im Moos ist sehr ergiebig und langfristig gesichert. Der Grundwassersee ist auch bei längeren Trockenperioden stabil.» Zudem sei ein grosser Verbund mit neuen Verbindungsleitungen zu den anderen Wasserversorgern der Region geplant, wodurch die Versorgung noch sicherer werde.
Werner Hunziker wies auf die finanziellen Auswirkungen hin, welche mit 600 neuen Arbeitsplätzen auf die Gemeinde zukommen werden. Er fragte, ob Bell bereit wäre, die Sonderkosten der Deutschkurse für die zu erwartenden Zuzüger zu finanzieren. «Wegen der zukünftigen Steuern sind wir im Gespräch», verriet Gemeindepräsident Gloor. Philipp Allemann von der Geschäftsleitung der Bell AG ergänzte: «Wir stehen zum Standort Oensingen und haben keine Steuertickli geplant. Deutschunterricht bieten wir bereits heute unseren Mitarbeitern an, die aus dem Ausland kommen.»

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