So hat man wohl «Kiss me Kate» noch nie gehört: Dirigent Carlo Balmelli hat das 1948 uraufgeführte, erfolgreiche Broadway-Musical für Blasorchester neu arrangiert und einstudiert – ohne allerdings auf einige Harfen- und Pianoklänge zu verzichten. Das tönt hervorragend, frisch und perfekt. Die gut 65 Musiker der Musikgesellschaft Konkordia Egerkingen nähern sich den Ohrwürmern aus der Zeit des Great American Songbooks unverkrampft und inspiriert. Der Tessiner Balmelli zeigt sich als wahrer Broadway-Kapellmeister, nimmt Rücksicht auf das Bühnengeschehen, den Chor und die Solisten.

Mit allem drum und dran

Statt des üblichen Jahreskonzertes hat sich die Musikgesellschaft Konkordia gemeinsam mit dem Projektchor St. Martin entschlossen, wiederum ein musikalisches Werk auf die Bühne zu stellen mit allem Drum und Dran. Regisseurin Theresa Lehmann, die auch für die beweglichen Faltkulissen, die gut gestylten Kostüme und die hübschen Requisiten verantwortlich zeichnet, inszeniert witzig und temporeich. Die Szenentexte hat sie neu übersetzt und gleich auch noch so weit wie möglich lokale Akzente und Anspielungen gesetzt. Mit Ausnahme des Shakespeare-Couplets im zweiten Teil sind aber alle Songs in der Originalsprache zu hören – mit der vom Swing geprägten, oft unversehens den Rhythmus wechselnden Musik des Altmeisters Cole Porter (1891–1964) und seinen mit charmanten Zweideutigkeiten durchsetzten Lyrics.

Ein Stück im Stück

Theater, das sich über sich selber lustig macht, ist auf den Brettern, die angeblich die Welt bedeuten, ein oft abgewandeltes Sujet. «Kiss me Kate» ist ein Stück im Stück, spielt amüsant mit allen Bühnenklischees und variiert sie aufs Köstlichste. Eine Theatergruppe will irgendwo in der Provinz die nicht gerade frauenfreundliche Shakespeare-Komödie «Der Widerspenstigen Zähmung» aufführen, in der ein mutiger Edelmann eine hochnäsige, kratzbürstige Jungfer mit drastischen Mitteln zur liebenswert sanften Gattin erzieht.

In der Musical-Version wiederholt sich im «realen» Leben hinter den Kulissen diese Umerziehung aus und zur Liebe nicht minder handfest. Der Regisseur und Hauptdarsteller Fred hat nämlich seine Ex-Frau für die Hauptrolle engagiert, fördert aber gleichzeitig seine neue Geliebte. Diese ist jedoch die Freundin eines andern Schauspielers, der nach einem glücklosen Spielabend einen faulen Schuldschein mit Freds Namen unterzeichnet hat. Und so tauchen im turbulenten Geschehen hinter den Kulissen noch zwei veritable Gangster auf… Wie sich dies alles miteinander verknüpft und zum guten Schluss in Minne und Liebe wieder auflöst, macht einen der Reize dieses meisterlichen Unterhaltungsstückes aus.

Hervorragend besetzt

Das Musical bietet grossartige Rollen. Die beiden Gunmen (Philipp Müller und Jonathan Sollberger) beispielsweise sind zwei Knallchargen, deren Wirkung umwerfend ist: «Schlag nach bei Shakespeare», gesungen, getanzt und in Egerkingen auch noch kurz gerappt, ist einer der Höhepunkte des Abends. Aber auch die andern Hauptrollen sind hervorragend besetzt und werden mit offensichtlichem Vergnügen gespielt. Mit dem Hasslied «I Hate Men» setzt Stephanie Bühlmann einen besonders starken Akzent, während Bariton Patrick Oetterli im ironisch gefärbten Titelsong vergebens «Kiss me Kate» fleht. Die beiden überzeugen mit darstellerischem Geschick und angenehmen Stimmen ebenso wie das zweite Paar, das mit Astrid Pfarrer und Andreas Jäggi besetzt ist. Alles in allem: ein Abend auf hohem Niveau.