Oberbuchsiten

Kein neues Theater im Gäu: Die Idee platzt wie eine Seifenblase

Die Schälismühle kriegt keinen Nachbarn auf der Schafweide.

Das Projekt, neben der Schälismühle in Oberbuchsiten ein neues Theater zu erbauen, ist vom Tisch. Die Genossenschaft fand keine Geldgeber.

Eine Bühne fürs Gäu, fürs Thal, fürs Bipperamt hätte sie geben sollen. Eine Bühne für die Landbevölkerung. Weg von den städtischen Zentren, wo sich die Kultur ballt. Das Projekt «Theater im Gäu» war bescheiden gehalten, sollte bis zu 150 Zuschauern Platz bieten.

Aber die Dramaturgie des von einer Genossenschaft ins Leben gerufene Theater-Projekts kennt seit vergangener Woche ein abruptes Ende. Bevor überhaupt das Fundament gelegt und die Balken für den geplanten Holzbau gezimmert sind. Bevor Dramaturgien von Shakespeare oder Dürrenmatt auf die Bühne kommen. Wie das «Regionaljournal» SRF gestern berichtete, löste die Mitgliederversammlung vergangene Woche die Genossenschaft auf und begrub somit das Projekt. Dieses hätte sich nach ursprünglichem Fahrplan bereits im Bau befinden sollen. Auf die Theatersaison 2020 wäre der Vorhang aufgegangen.

Der falsche Zeitpunkt für ein Theater?

«Entweder sind wir zwanzig Jahre zu früh oder eben zwanzig Jahre zu spät», sagt Felix Jeanmaire, Präsident der im Herbst 2016 gegründeten Genossenschaft. Was der Initiant des Projekts damit sagen will: Niemand war bereit, sich wirklich zum 3,6 Millionen Franken schweren Theaterbau zu bekennen. Vergebens versuchte die Genossenschaft, Geldgeber zu gewinnen. «Aber was wir wirklich vermisst haben, ist die mentale Unterstützung», so Jeanmaire. Der Vorstand um den kantonal bekannten Theatermacher Christoph Schwager versuchte es auf vielen Ebenen, kontaktierte Gemeindepräsidenten, Kanton und Stiftungen. Der Erfolg blieb überschaubar, das Projekt hätte ein «bisschen» finanziert werden können. Dies war nicht genug. «Alle sagten, wenn der andere gibt, geben wir auch. Das gibt eine Schlaufe», sagt Jeanmaire.

Die Idee für ein Theater im Gäu keimte vor einigen Jahren auf. Felix Jeanmaire und Christoph Schwager trieben diese erst zu zweit voran, ehe die Genossenschaft entstand. Als diese das Projekt vor zwei Jahren vorstellte, sagte Schwager: «Seit vier Jahren spielen die Gäuer Spielleute im Aussenbereich der Schälismühle Theater. Wir fühlen uns wohl hier, finden aber, eine richtige, feste Bühne muss her.» Der Theatermacher hätte sein in der Kulturszene bestens verankerte Schwager Theater von Olten nach Oberbuchsiten transferiert. Im neuen Theater wäre er als Mieter aufgetreten. Auf Anfrage sagt Christoph Schwager, jetzt wo das Gäuer Projekt begraben sei, führe er sein Unternehmen mitsamt Kursangeboten wie gehabt in Olten weiter. Der Standort Olten wäre ohnehin in einer Form erhalten geblieben, beteuert er.

Das Lied der fehlenden Kulturgelder

Die Gründe, weshalb das «Theater im Gäu»-Projekt scheiterte, sind divers. Nicht nur mangelte es an Geldgebern. Auch die Genossenschaft selbst wuchs seit ihrer Gründung kaum an und zählte bloss 45 Mitglieder. Ihr Anteilsschein im Wert von 1000 Franken hätte die Basis für einen erfolgreichen Start sein sollen. Dafür hätte die Genossenschaft aber breitere Abstützung benötigt. «Wir haben mit 200 bis 300 Mitgliedern gerechnet», sagt Jeanmaire. Dies sei wohl ein euphorischer Wunsch gewesen. Der Genossenschaftspräsident schliesst daraus auf einen weiteren Grund für das Scheitern. «Die Idee ist eben sehr geografisch», sagt Jeanmaire. Es sei schwierig, über die nähere Region hinaus Kulturunterstützer zu begeistern.

Selbst im Einzugsgebiet gelang dies kaum. «Ich finde es schade, dass sich das Feuer nicht entfaltet hat», sagt Karin Büttler. Die Laupersdörfer Kantonsrätin und Laienschauspielerin engagierte sich im Vorstand für die Vision. Büttler zeigt sich enttäuscht, «dass man auf dem Land keinen Raum für Kultur bietet». Ihre Kritik richtet sich auch an die kommunalen Behörden. «Die Gemeinden sehen das Finanzielle im Vordergrund.» An Kultur wolle sich niemand beteiligen, aber alle würden sie geniessen.

Mehr Energie habe die Genossenschaft nicht aufwenden wollen, sagt Jeanmaire zum abrupten Ende. Zurück bleiben die aufwendig erarbeiteten Unterlagen. Ein Hoffnungskeim bleibt nach jeder geplatzten Vision: «Wenn jemand kommt und drei Millionen auf den Tisch legt, könnten wir sogleich loslegen.»

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