Herbetswil

Jüngster Kreisförster glaubt trotz Klimawandel an den Wald: «Alles macht die Natur nicht verdreht»

Joshua Huber im Balsthaler Wald neben einer Buche, die ungefähr viermal älter ist als der neu erkorene Kreisförster.

Joshua Huber im Balsthaler Wald neben einer Buche, die ungefähr viermal älter ist als der neu erkorene Kreisförster.

Seit März gibt es einen neuen Kreisförster im Thal-Gäu. Joshua Huber aus Herbetswil ist mit seinen 23 Jahren wohl der jüngste Kreisförster überhaupt.

Mit 23 Jahren schon «Chef» des eigenen Lehrmeisters? «Das ist überhaupt kein Problem, denn ich sehe mich nicht als Chef, sondern auf gleicher Stufe wie die Förster», sagt Joshua Huber. Seit März ist er der neue Kreisförster im Thal-Gäu. Seine Berufung für den Posten des obersten Verwalters des Waldes dieser Region sagt viel über den Strukturwandel im Forstwesen aus.

Als Hubers Vorgänger Urs Allemann im Februar abtrat, erinnerte er sich an seine Anfänge: «Damals war der Kreisförster im Thal noch eine Respektsperson.» Schon Allemann hielt wenig von den starren Hierarchien, die sich während seiner Amtszeit aufweichten.

Entsprechend unbekümmert scheint Joshua Huber seine Stelle als Kreisförster angetreten zu haben. «Ich spüre grosse Akzeptanz», sagt Huber. Mit der grossen Kreisförster-Aufgabe ist er nicht allein: Noch bis Ende Jahr begleitet ihn sein Vorgänger Urs Allemann, der ihm nach der Pension mit kleinem Pensum assistiert.

Mit den Menschen und dem Wald im Thal vertraut

Einer von Hubers grössten Förderern war Armin Wyss. Der Revierförster des Hinteren Thals unterstützte den gebürtigen Herbetswiler dabei, neben der Forstwartlehre die Berufsmatura zu machen. Und diese öffnete ihm Türen: Das Forstingenieur-Studium an der Hochschule für Agrar-, Forst und Lebensmittelwissenschaften (HAFL) schloss er direkt an die Lehre an. Dadurch verliess Huber früh die praktische Forstarbeit. «Auf dem Forstwart-Beruf arbeitet selten jemand bis ins hohe Alter», sagt er und bezieht sich dabei auf die hohe physische Belastung.

Und so entschied er sich früh für das Studium. Auf seinem Bildungsweg kam Joshua Huber rasch voran. Nach einem Praktikum beim Staatsforstbetrieb des Kantons Bern und einer Festanstellung als stellvertretender Geschäftsführer bei einem Forstunternehmer folgte ein Praktikum beim Amt für Wald Jagd und Fischerei. Daraufhin bewarb er sich auf die ausgeschriebene Stelle. Und so findet er sich bereits im jugendlichen Alter in einer Kaderposition wieder. «Ich dachte mir, schaden tut es nicht, wenn ich mich bewerbe.» Als Thaler Forstwart kannte Huber viele Menschen aus der Region und auch die Wälder.

Nicht bloss seines Alters wegen steht Huber sinnbildlich für eine neue Generation. Auch mit seinem Weg und dem praktischen Bezug als Forstwart kennzeichnet er diese. Bis in die Nullerjahre war das Forstingenieur-Studium an der ETH der klassische Weg zum Kreisförster. «Der grösste Vorteil ist, dass ich mir die Theorie direkt in die Praxis übertragen kann», sagt Huber zu seinem Forstwart-Hintergrund. Wobei er seinem Mentor Urs Allemann – seines Zeichens ETH-Forstingenieur – ein Lob ausspricht: «In seinen 35 Jahren als Kreisförster hatte auch er einen starken Bezug zur Praxis.»

«Um den Wald habe ich keine Angst»

Obwohl sich die Bildungswege des ehemaligen und aktuellen Kreisförsters unterscheiden: Auf die Waldbewirtschaftung wird sich dies nicht auswirken. Seit Anfang der 2000er-Jahre pflanzen die Forstleute im Thal in der Regel nur versuchsweise neue Bäume – sie vertrauen auf die natürliche Verjüngung des Waldes. Huber will daran auch künftig nichts ändern und dem Wald viel Autonomie lassen – trotz Klimawandel. «Alles macht die Natur nicht verdreht», sagt er. Das System funktioniere schliesslich seit Tausenden von Jahren. «Um den Wald habe ich keine Angst.»

Besonders im Thal erwies sich der stark strukturierte Wald als widerstandsfähig. Anders ist die Ausgangslage im Gäu: Während die letzten grossen Stürme Burglind, Vivian oder Lothar im Thal geringen Schaden anrichteten, waren die Auswirkungen im oberen Gäu heftig. Die Forstreviere mussten grosse Flächen von neuem aufforsten. «Wir werden immer Wald haben», sagt Huber, um dann anzufügen: «Die Frage ist, ob wir auch künftig alle unsere Bedürfnisse decken können.» Sei es als Erholungsgebiet oder etwa als Holzressource.

Für Huber ist der Wald «der grösste und einzige erneuerbare Rohstoff» – ein Satz, der wie eine Antwort auf die Prüfungsfrage klingt. Auch er suche aber Erholung im Wald. Im zur Hälfte bewaldeten Thal kam Joshua Huber früh mit dem Wald in Berührung. Schon als kleiner Bub begleitete er den Vater auf der Jagd – heute zählt er selbst zur Gilde. Sport im Wald sei, mit Ausnahme des Wanderns, hingegen nicht sein Ding. Da widme er sich lieber dem Schwingen. «Auch wenn mir für den Erfolg etwas Masse und vor allem Grösse fehlt», sagt Huber und zeigt sein schalkhaftes Lachen.

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