«Stellen Sie sich das einmal vor, hier über dem Parkett war teilweise ein halber Meter Beton vor der Renovierung!», sagt Elvira Bader und deutet auf den wunderschönen Holzboden im Ausstellungsraum des Museums Haar und Kamm in Mümliswil. Die Alt-Nationalrätin ist Mitgründerin und Präsidentin des Vereins «Haar& Kamm Thal», der seit 2004 besteht, um aus dem Kammmuseum das Museum Haar und Kamm neu entstehen zu lassen. Seitdem beschäftigt sich das Museum nicht nur mit Kämmen jeglicher Art, sondern auch mit Haar und Frisuren; an das Museum angeschlossen ist sogar ein Coiffeursalon.

Das einzige Kammmuseum der Schweiz

Der Verein erwarb die ehemalige Kammfabrik und baute sie «unter Knochenarbeit» zurück in den Originalzustand. «Der Schreiner musste sogar noch neue Geräte bauen, damit er solche Fensterbögen herstellen konnte, wie es sie früher gab», lacht Bader. Für das Bauprojekt hätten sie sogar den Heimatpreis erhalten. Das meiste sei aus Freiwilligenarbeit der Vereinsmitglieder entstanden.

Auch heute noch wird das Museum, es ist das einzige Kammmuseum der Schweiz, mehrheitlich ehrenamtlich betrieben. Charlotte Portmann ist eine dieser Freiwilligen, sie fungiert als Vermittlungsverantwortliche und Präsidentin der Fachkommission. Bader scherzt: «Frau Portmann kann jede Frage der Besuchenden beantworten!» Portmann schüttelt bescheiden den Kopf, weiss dann aber gar nicht, bei welchem Thema sie beginnen soll. «Ganz zu Beginn wurden die Kämme aus Kuhhorn hergestellt, das war aber sehr brüchig, darum ist man auf Büffelhorn umgestiegen.

Das liess man aus Argentinien kommen und, das schon im 19. Jahrhundert!», erzählt sie. Auch aus Schildpatt habe man Kämme produziert, dieses sei aber sehr kostbar gewesen, gleich teuer wie Gold. Ab etwa 1880 habe man dann begonnen, mit dem ersten Kunststoff zu arbeiten, um das Schildpatt zu ersetzen. Bader erklärt: «Jede Plastikfabrik war ursprünglich eine Kammfabrik, weil man für dieses Produkt als allererstes Plastik verarbeitet hat.»

Kunststoff ist auch das Thema der aktuellen Sonderausstellung «Plastik-Fantastik»im Museum. Diese liege «voll im Trend», da auch die Nachteile und Risiken von Kunststoff thematisiert würden. Elvira Baders Lieblingsobjekt im Museum stammt aber noch aus der Zeit vor dem Kunststoff: ein Föhn aus dem 18. Jahrhundert, bei dem man warme Luft mittels Feuer erzeugte. Dieser gefällt ihr so gut, weil er so innovativ und ein Gegenstand ist, den man sonst wirklich nirgendwo mehr sieht. «Natürlich kommt der aus einer Villa. Alle anderen mussten sich in die Sonne stellen, um ihre Haare zu trocknen», lacht sie. Und manchmal hätten sich die Damen damit sicher auch die Haare verbrannt, wenn das Feuer zu gross war. Die Kreativität und Handfertigkeit von damals faszinieren sie. Besonders auch die wunderschönen filigranen Schmuckkämme, die von Hand ausgesägt wurden. Und allgemein gebe es im Museum tausend Dinge zu entdecken; viel mehr als nur Schmuckkämme. Charlotte Portmann pflichtet ihr bei.