Mümliswil

«Ich habe Besucher mit Tränen in den Augen gesehen»: Musikalisches Erzählstück des Passwang-Louis

Die Konkordia Mümliswil und Erzähler Franz Walter liessen sich mit «Dr Passwang-Louis» ein Stück Dorf- und Zeitgeschichte lebendig werden.

Dreimal konnte die Konkordia Mümliswil unter der Leitung von Marco Nussbaumer die Aula im Schulhaus Brühl übers Wochenende bis auf den letzten Platz füllen. Insgesamt 950 Personen sahen sich am Freitag, Samstag und gestern Nachmittag das musikalische Erzählstück «Dr Passwang-Louis» an - und waren begeistert. Und auch die Konkordia-Mitglieder waren nach der letzten Aufführung gestern Abend glücklich, wenn auch ein wenig erschöpft. «Dass das Stück bei den Leuten so gut ankam, hätten wir nicht zu vorhersagen gewagt», meinte ein Musiker. Und ein anderer bekannte: «Ich habe Besucher mit Tränen in den Augen gesehen. Es war teilweise schon sehr ergreifend.»

Ein Fremdarbeiter vereint die Leute im Dorf

Was hat denn aber die Mümliswiler und andere Musikfreunde so fasziniert? Ein Fremdarbeiter, ein Aussenseiter, ein Jura-Vagant, wie ihn Autor und Erzähler Franz Walter bezeichnet: «Dr Passwang-Louis». Dieser während des Passwangstrassen und -Tunnelbaus im Guldental arbeitende Italiener wäre heute längst ein Fall für die Kesb, denn er hatte weder ein Dach über dem Kopf, noch eine geregelte Arbeit und ganz bestimmt kein Bankkonto. Dennoch führte er ein freies und unabhängiges Leben, bekam hier und dort mal ein Essen, eine Unterkunft und ein Glas Veltliner. Er flickte vielleicht eine Gartenmauer oder einen Ofen oder half auch beim Heuen. Solche Männer wurden teilweise geschätzt, oft auch belächelt, vielleicht auch mal vertrieben. Auch das hat auch Luigi Bottati erlebt, bis er 1981 in Oensingen mit 92 Jahren starb.

Jetzt zwei Denkmale für Louis Bottati

Unvergessen bleibt er dennoch: Einerseits aufgrund des Buches von Franz Walter, das 1997 erschienen ist und welches nun als Vorlage für die musikalische Erzählung von Marco Nussbaumer diente. Und unvergessen wird er auch wegen der Melodien sein, die Nussbaumer für ihn komponiert hat und die nun mit Bestimmtheit ins Repertoire der Konkordia Mümliswil aufgenommen werden.

Schon die gut zwanzig-minütige Ouvertüre, in welcher der Komponist den Melodienreigen durchschimmern lässt, macht neugierig auf das, was kommt. Die Hauptmelodie, die Nussbaumer für den Vaganten erdacht hat, lässt an ein italienisches Volksfest denken; eine Melodie, die schon nach der zweiten Strophe jeder mitsingen kann.

Musikalische Arrangements von grosser Klasse

Und so geht es dem Zuhörer während gut zwei Stunden: herrlich, süffige Musik, oft musicalartig, heimelig und doch nicht verstaubt. Es gibt Lieder für die Tschigge-Marie, für die strenge Arbeit beim Strassenbau, für das Zusammenleben mit den anderen Vaganten, ein Kinderlied über Louis (vorgetragen vom Mümliswiler Schulchor), eine Alphornversion oder auch ein Ave Maria für das Ende.

Als Solisten wirkten die Sopranistin Fabienne Skarpetowski und der Bariton Beat Schwerzmann mit. Ein kleiner Wermutstropfen sei doch angemerkt: Die beiden Sänger - obwohl beide sehr gut bei Stimme - kamen im Verlauf ihrer Lieder immer weniger gegen die musikalische Energie der Konkordia an, so dass ihre Texte - ebenfalls von Marco Nussbaumer - nicht mehr hörbar waren.

Doch wie ausgeklügelt Nussbaumer seine Musik arrangiert hat, ist grosse Klasse. Er holt aus den Mümliswiler Musikanten alles heraus. «Ich will, dass die Musiker Spass an den Kompositionen haben», sagte er im Vorfeld - und dieses Vorhaben ist ihm mehr als gelungen.

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