Thal

Hansruedi Gunziger, der Co-Pilot: Wie man in einem Projekt der Caritas einem Asylbewerber helfen kann

Hansruedi Gunziger (r.) und Sami treffen sich seit einem Jahr regelmässig. Seither hat der Asylsuchende viel erreicht.

Hansruedi Gunziger (r.) und Sami treffen sich seit einem Jahr regelmässig. Seither hat der Asylsuchende viel erreicht.

Vor einem Jahr hat die Caritas Solothurn zusammen mit dem Naturpark Thal das Projekt Co-Pilot im Thal ins Leben gerufen.

Diesem Projekt liegt der Gedanke zugrunde, dass Freiwillige Asylsuchende bei der oft komplizierten Navigation durch den schweizerischen Alltag begleiten. Sie bieten Hilfe zur Selbsthilfe und stehen mit Rat und Tat zur Seite. Asylbewerber, Männer, Familien oder Minderjährige, lernen so Personen kennen, die sich mit den Gegebenheiten in der Schweiz auskennen und die sie im Alltag unterstützen können.

Hansruedi Gunziger (*1948) aus Aedermannsdorf hat sich auf ein Inserat der Caritas gemeldet und sich als Co-Pilot engagiert. «Ich kann nicht einfach zu Hause herumsitzen und nichts tun», sagt er. Ab 65 war er fünf Jahre als Inva-Mobil-Fahrer im Thal unterwegs; dann sprach ihn das Inserat der Caritas Solothurn an, in welchem sie – zusammen mit dem Naturpark Thal – Personen suchte, die sich zur Verfügung stellten.

Mehr Verständnis für die Kultur – beiderseits

Gunziger präzisiert: «Als Co-Pilot tritt man in Kontakt mit einer Person, die Asyl in der Schweiz beantragt hat und die sich auch in Deutsch verständigen kann.» Mit der Co-Piloten-Begleitung sollen diese Personen dann besser und schneller in unsere Gesellschaft und Kultur integriert werden können. Der Co-Pilot kann vorab selbst entscheiden, ob er mit einem Mann, einer Frau oder einer Familie zusammenarbeiten will. Und er kann zusammen mit seinem «Schüler» auch ausmachen, wie die Zusammenarbeit aussehen soll.

«Ich habe mich zum Beispiel mit Sami*, einem 33-jährigen afghanischen Asylsuchenden, den ich seit einem Jahr begleite, zunächst zweimal pro Monat getroffen und mit ihm Behördengänge, Krankenkassenprobleme, Stellensuche und vieles andere besprochen und bereinigt», berichtet Gunziger. Es gibt aber auch «Co-Piloten-Paare», die sich zum blossen Gedankenaustausch treffen, dann geht es vor allem darum, die Sprache zu üben. «Wichtig ist einfach, dass Vertrauen aufgebaut werden kann.»

Grundsätzlich sei vorgesehen, dass ein solches Co-Piloten-Engagement ein Jahr lang bestünde. «Mit Sami hat sich eine regelrechte Freundschaft entwickelt, und wir haben das Ziel, so lange zusammenzuarbeiten, bis er eine Aufenthaltserlaubnis B erhält und später seine Familie in die Schweiz kommen lassen kann», schildert Gunziger. Sami hat in der Zwischenzeit das Asylheim verlassen und kann sich jetzt – dank einer festen Arbeitsstelle – eine eigene kleine Wohnung leisten. «Es ist für die Asylsuchenden oft sehr schwer, unsere Kultur und Lebensweise zu verstehen. Dazu kommen das Heimweh und die Sorgen um die Familien im Herkunftsland.»

Gunziger schildert ein Gespräch: «Sami erzählt mir, dass er lieber später am Abend mit seiner Frau telefoniert. Dann sind seine zwei Kinder im Bett, und er kann vermeiden, zu hören, wie sie ihn vermissen.» Gunziger ist überzeugt davon, dass es dieses Co-Piloten-Projekt braucht. «Die Asylbetreuer in den Gemeinden haben gar nicht die Zeit, sich so intensiv um die Asylbewerber zu kümmern.»

Die Caritas Solothurn sucht weitere Personen, die sich für das Projekt zur Verfügung stellen. Am 5. und 12. November findet jeweils von 19 bis 21.30 Uhr im Feuerwehrmagazin in Oensingen ein Einführungskurs statt.

*Sami ist ein Pseudonym.

Meistgesehen

Artboard 1