«Treffpunkt Herbetswil»

Gestaltungsplan liegt vor – die Dorfladensuche bringt einen neuen Ortskern

Mit dem Gestaltungsplan «Treffpunkt Herbetswil» will die Thaler Gemeinde ein belebendes Zentrum kreieren.

Sieben Jahre ist es her, da musste der einzige Dorfladen in Herbetswil schliessen. Nach 15 Jahren verschwand der «Maxi», weil der Umsatz zu niedrig war. Doch bei vielen Herbetswilern war der Wunsch nach einem Dorfladen weiterhin existent. Nun taucht eine Baupublikation auf, welche vom Namen her in diese Richtung stösst: «Treffpunkt Herbetswil» lautet der Titel des Gestaltungsplans, in welchen die Gemeinde die Hoffnung steckt, dem Dorfzentrum neues Leben zu geben.

Aus der Baupublikation zum Projekt geht hervor, dass das alte und leerstehende Bauernhaus an der Kirchstrasse abgerissen werden soll. Neu entstehen auf dem Gelände zwei Mehrfamilienhäuser mit einer unterirdischen Einstellhalle. Der ursprüngliche Plan für neuen Wohnraum sah zwei Häuser vor, die zentral, aber stark zusammengewachsen und per Lift erschlossen sind, wie aus einer Illustration des Balsthaler Architekturbüros Sidler zu entnehmen ist. Diesen hatte die Gemeinde selber in Auftrag gegeben, nachdem sie aktiv geworden war und die Liegenschaft gekauft hatte. Der aktuelle Entwurf stammt von einem Architekturbüro aus Liestal, das auch die Bauherrschaft innehat und nicht wie fälschlicherweise im Anzeiger Thal-Gäu dargestellt die Gemeinde selbst. Das Baselbieter Architekturbüro wollte auf Anfrage dieser Zeitung derzeit keine Auskünfte geben.

Den Dorfladen noch nicht abgeschrieben

Doch was hat es mit einem Treffpunkt auf sich, wie der Titel des Projekts verspricht? «Der Titel entstammt der Idee mit dem Dorfladen», schreibt Stefan Müller-Altermatt auf Anfrage. Weiter führt er aus: «Die Leute im Dorf bedauerten mit der Schliessung des alten Dorfladens nicht primär, dass es keine Einkaufsmöglichkeit mehr gibt, sondern dass man sich nicht mehr trifft im Dorf.»

Bedeutet das Baugesuch nun, dass nach sieben Jahren wieder ein Dorfladen in die Thaler Gemeinde einzieht? «Der Gestaltungsplan sieht die Option eines Ladenlokals im unteren Stockwerk vor, es können aber auch Wohnungen entstehen», führt Müller-Altermatt aus. Aufgrund der Grösse des Dorfes und der halt doch vorhandenen Nähe zu den nächsten Einkaufsmöglichkeiten sei es undenkbar, dass ein Grossverteiler den Laden selber betreibt. Ein finanzielles Engagement der Gemeinde, um die Realisierung des Ladens voranzutreiben, sei politisch schwierig. Und ein Privater wiederum habe kaum den Schnauf, um Ausbau und Betrieb zu finanzieren. Deshalb sei man da bisher noch nicht weitergekommen. «Ich möchte aber noch nicht aufgeben und führe weiterhin Gespräche», betont Gemeindepräsident Müller-Altermatt.

Doch nicht nur einen lebendigen Begegnungsort für Jung und Alt möchte die Gemeinde schaffen, sondern auch die Wohnsituation in der Gemeinde ein Stück weit neu definieren. Für die Gemeinde ist dabei folgender Punkt von grosser Bedeutung: «In den Wohnungen können schnell mal um die 30 Menschen wohnen, und zwar im Ortskern, der ansonsten ja oft schwierig mit Leben zu füllen ist», sagt Müller-Altermatt. Noch wichtiger erscheint dem 44-Jährigen ein ganz anderer Punkt: Mit dem Wohnangebot im Dorfkern wird eine Lücke gefüllt, die von sehr vielen Anspruchsgruppen nachgefragt wird. Darunter fallen moderne Wohnungen beispielsweise für junge Menschen, die von Zuhause ausziehen, aber dennoch im Dorf bleiben möchten. Doch nicht nur auf junge Bewohner hofft die Gemeinde in den Mehrfamilienhäusern, sondern auch auf Senioren, denen das Eigenheim zu gross und aufwendig geworden ist, sowie auf Familien, die sich nach einem naturnahen und preisgünstigen Wohnort sehnen.

Die beiden dreistöckigen Mehrfamilienhäuser sollen laut Konzept in einem modernen Architekturstil errichtet werden. «Es wird einen Mix aus verschiedenen Wohnungsgrössen geben, von Zweieinhalb- bis Fünf-Zimmer-Wohnungen», so Müller-Altermatt. Für weitere Details verweist er auf die Bauherrschaft. Gleiches gilt für die Kosten des Bauvorhabens, und in welchem Zeitraum das Projekt realisiert werden soll. Klar ist, dass die Häuser Platz für bis zu 14 Wohnungen bieten und insgesamt für über 30 Personen konzipiert sein werden. Einsprachen zum Projekt sind bisher keine auf der Bauverwaltung eingegangen. Noch bis zum 5.Juni liegen die Planunterlagen zum Projekt auf der Gemeindeverwaltung auf.

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