Wolfwil

«Es war eine schöne Zeit»: Lehrer Walter Portmann schaut auf 40 Jahre voller Veränderungen zurück

Walter Portmann verbringt die letzten Tage als Lehrer an der Primarschule in Wolfwil. Bruno Kissling

Walter Portmann verbringt die letzten Tage als Lehrer an der Primarschule in Wolfwil. Bruno Kissling

«Es war ein Schnellschuss, den ich nie bereut habe», sagt er. Vor rund 44 Jahren konnte Walter Portmann prüfungsfrei ins Lehrerseminar übertreten. Den Berufswunsch Lehrer hatte er davor aber nicht. «Meine guten Abschlussnoten haben mich dazu bewegt», sagt er lächelnd.

Heute, mit 62 Jahren, fühlt er sich sichtlich wohl hinter seinem Lehrerpult im Klassenzimmer der 4b. Es sind seine letzten Wochen in den vertrauten Räumlichkeiten an der Wolfwiler Primarschule: Portmann verabschiedet sich vorzeitig von der Berufsbühne und lässt eine erfüllte 40-jährige Lehrerkarriere hinter sich.

«Es hat sich alles verändert», sagt er auf seine Schulzeit zurückblickend. Noch zu seiner Zeit wurde Disziplin und Ordnung im Klassenzimmer grossgeschrieben. «Wir haben gute, aber strenge Lehrer gehabt», erinnert er sich. Aufgewachsen an der Fulenbacherstrasse in Wolfwil verbrachte er seine gesamte Jugend und Schulzeit in der Gemeinde. «Am Montagmorgen mussten wir unserer 2.-Klasse-Lehrerin jeweils das Taschentuch zeigen», erzählt er. Wenn das nicht sauber war, sei man an der Wange oder am Ohr gezwickt worden. «Das ist heute unvorstellbar.» Trotz der fragwürdigen Methode: Nach Jahren ist die Wirkung dieser Erziehung auch im Schulzimmer seiner Klasse 4b zu spüren. Fast tadellos präsentieren sich die aufgeräumten Pulte, nicht zuletzt auch sein eigenes. «Meine Schüler müssen natürlich auch gehorchen, aber man geht das ganz anders an als früher», sagt er.

Er zeigt auf eine Papier-Ampel hinter sich an der Wand – gut sichtbar für die ganze Klasse – als Beispiel: Mit dieser mahne er Schüler, die sich unangemessen verhalten. Das funktioniere bei seiner elf-köpfigen Klasse prima. «Das Gute von meinen Lehrern habe ich natürlich übernommen», sagt er und hebt die Bedeutung der Natur hervor. «Mir war immer wichtig, mit den Kindern viel nach draussen zu gehen.»

Er setze auch viel Wert auf einen kameradschaftlichen Umgang mit den Schülern, auch wenn die Umstände manchmal einen strengeren Umgangston benötigen. «Jedes Kind hat eine eigene Persönlichkeit. Man muss sie so schätzen lernen, wie sie sind, selbst wenn es ein ‹Luuscheib› ist.» Sich selbst gegenüber ist der 62-Jährige auch nach 40 Jahren Berufserfahrung eher kritisch. Erfolg misst er an der Freude und am Interesse der Kinder. «Manchmal geht man nach Hause und denkt: Was habe ich heute gemacht? Es ist wichtig, dass der Unterricht so gestaltet ist, dass die Kinder gerne zur Schule kommen.»

23 Jahre im gleichen Lehrerteam

Freude bereiten kann aber nur, wer auch selber Freude hat. Eine gute Kameradschaft im Kollegium hat für den bald pensionierten Lehrer daher einen hohen Stellenwert. Fast schon nostalgisch erzählt er vom ehemaligen Lehrerteam, welches 23 Jahre lang unverändert blieb. Doch für ihn sei es nicht immer ganz so einfach gewesen, die Harmonie im Team aufrecht zu erhalten: Während 21 Jahren seiner 32-jährigen Tätigkeit an der Primarschule in Wolfwil führte er eine Doppelfunktion als Lehrer und Schulvorsteher, später Schulleiter aus. «Es war nicht einfach, die beiden Rollen zu trennen. Ich war Kollege und Chef zugleich.»

Nichtsdestotrotz, Portmann erinnert sich gerne zurück: «Es war eine schöne Zeit.» Jeweils zu 50 Prozent lasteten ihn die beiden Aufgaben aus. Bis er vor zwei Jahren das Amt des Schulleiters seinem Nachfolger übergeben hatte. Die Eingliederung ins Kollegium falle ihm heute jedoch etwas schwer. «Es ist heute einfach alles anders.» Er spricht die steigende Fluktuation im Kollegium an. Teilpensen und mehr Wechsel unter den Lehrpersonen veränderten die Zusammenarbeit. Ob das nun gut oder schlecht für die Schule ist, will und kann er nicht beurteilen. Für ihn jedoch sei es «einfach nicht mehr dasselbe.» Nun sei der richtige Zeitpunkt, um zurückzutreten. Nicht ein einziges Mal habe er in den 40 Jahren das Bedürfnis verspürt, einer anderen beruflichen Tätigkeit nachzugehen.

Zusätzlich zum Alltag als Lehrer und Schulleiter bekleidete Walter Portmann zwölf Jahre lang das Amt des Präsidenten der Kulturkommission sowie 23 Jahre lang der Wolfwiler Brass Band «Harmonie». «Es gab Wochen, in welchen ich keinen Abend zu Hause verbracht habe», sagt er über jene Zeit. «Das möchte ich heute nicht mehr.» Er geniesse die freien Abende zu Hause mit seiner Frau. Die Musik jedoch möchte der langjährige Schlagzeuger keinesfalls missen in seinem Leben. Dafür nehme er sich auch nach der Pensionierung genügend Zeit. Wahrscheinlich möchte er als Lehrer im Ruhestand sein handwerkliches Talent ausleben, sagt er. Ansonsten hat der 62-Jährige keine fixen Pläne.

Nun stehen Walter Portmann seine letzten Tage als Primarlehrer bevor. Die Klasse 4b begleitet er bis zu den Sommerferien noch. «Wenn man im Klassenzimmer sitzt, ist es ein Tag wie jeder andere und man vergisst die bevorstehende Pensionierung.» Noch ist der Alltag gegenwärtig.

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