Energie
Balsthal prüft neue Heizlösung für die Badi: Werden die vier ungenutzten Solardächer im Moos zum Einsatz kommen?

Weil die sich Energiekosten verdoppelt haben, prüft die Gemeinde Balsthal Alternativen, um das Wasser in der Badi zu beheizen. Eine Möglichkeit sieht vor, Strom von der Photovoltaikanlage der BZA AG zu beziehen, die im Moos vor neun Jahren gebaut, aber nie ans Netz angeschlossen wurde.

Fabio Baranzini
Drucken
Werden die vier ungenutzten Solaranlagen (vorne) bald das Wasser in der Badi im Balsthaler Moos (hinten) heizen?

Werden die vier ungenutzten Solaranlagen (vorne) bald das Wasser in der Badi im Balsthaler Moos (hinten) heizen?

Bruno Kissling/ Archiv

Seit der umfassenden Sanierung der Badi im Balsthaler Moos im Jahr 2012 wird das Wasser während der Sommersaison mit Hilfe einer Holzpellet-Heizung erwärmt. In einem normalen Jahr beliefen sich die Heizkosten dafür auf rund 40’000 bis 50’000 Franken. Im Zuge der Energiekrise sind diese Kosten jedoch massiv angestiegen. 80’000 bis 90’000 Franken betragen diese nun. Die Gemeinde hat deshalb reagiert und die Wassertemperatur bereits diesen Sommer um ein Grad gesenkt.

Balsthals Gemeindepräsident Freddy Kreuchi.

Balsthals Gemeindepräsident Freddy Kreuchi.

Bruno Kissling

Im Gemeinderat macht man sich jetzt aber Gedanken, wie man die Problematik der stark gestiegenen Kosten für die Holzpellet-Heizung langfristig beheben könnte. Die favorisierte Lösung des Gemeinderats sieht die Installation einer Wärmepumpe vor, die mit Strom betrieben wird. Gemeindepräsident Freddy Kreuchi sagt:

«Für uns ist jedoch klar, dass der Ersatz der Holzpellet-Heizung ebenfalls komplett nachhaltig sein muss. Entsprechend muss der Strom für die Wärmepumpe von einer Photovoltaikanlage kommen.»

Mitten in den Verhandlungen

Eine Photovoltaikanlage im Balsthaler Moos – da war doch mal was. Vor mittlerweile neun Jahren hat die BZA AG aus dem thurgauischen Raperswilen vier Solardächer gebaut und diese zu einer grossen Anlage mit einer maximalen Gleichstrom-Nennleistung von 825 kWp zusammengeschlossen.

Das Problem: Diese Photovoltaikanlage wurde nie ans Netz angeschlossen, weil das Stromnetz im Moos gar nicht derart viel Solarstrom aufnehmen konnte. Die damalige Netzbetreiberin, die Aare Energie AG, wollte die Kosten für eine Transformatorenanlage mit Netzverstärkung, die je nach Schätzung bis zu einer Million gekostet hätte, nicht übernehmen, wozu die Aare Energie AG rechtlich auch nicht verpflichtet war. Und so wurde die Photovoltaikanlage nie in Betrieb genommen.

Die vier Solaranlagen im Balsthaler Moos wurden vor neun Jahren gebaut, aber nie ans Netz geschlossen.

Die vier Solaranlagen im Balsthaler Moos wurden vor neun Jahren gebaut, aber nie ans Netz geschlossen.

Bruno Kissling/Archiv

Jetzt könnte es aber schon bald so weit sein, dass die Photovoltaikanlage der BZA AG doch noch zum Leben erweckt wird. Die Gemeinde Balsthal jedenfalls steckt in Verhandlungen mit dem Anlagenbesitzer. «Wir möchten gerne den Strom von dieser Anlage beziehen, um die Wärmepumpe in der Badi zu betreiben», sagt Kreuchi. Die Badi würde jedoch nur einen Teil des Stroms nutzen, den die Anlage produziert.

Noch vor Weihnachten findet ein weiteres Gespräch statt, bei dem die Gemeinde einen unabhängigen Experten zur Unterstützung hinzuzieht.

«Wir müssen eine mögliche Kooperation seriös prüfen und keinen Schnellschuss produzieren. Nach der nächsten Gesprächsrunde sollte aber klar sein, ob wir die Option mit der BZA AG weiterverfolgen oder nicht.»

Kein Druck

Sollte die Gemeinde den Strom für die Wärmepumpe in der Badi nicht von der BZA AG beziehen können, bestünde eine weitere Option darin, auf dem Dach der Kabinenanlage der Badi selbst eine Photovoltaikanlage zu bauen. «Das würde jedoch bedingen, dass wir zuerst das Dach sanieren müssen. Das kostet relativ viel und ist in unserem Investitionsplan erst in ein paar Jahren vorgesehen. Je nachdem müssten wir dieses Projekt dann vorziehen», erklärt der Gemeindepräsident.

Eine andere Möglichkeit wäre, eine Solaranlage auf dem Dach der Kabinen (hinten) in der Badi Moos zu bauen.

Eine andere Möglichkeit wäre, eine Solaranlage auf dem Dach der Kabinen (hinten) in der Badi Moos zu bauen.

Bruno Kissling/ Archiv

So weit ist man aber noch nicht. Denn auch der Weiterbetrieb der nachhaltigen Holzpellet-Heizung ist für den Gemeinderat eine Option. «Wir stehen nicht unter Druck, dass wir von heute auf morgen eine neue Lösung brauchen», sagt Kreuchi.

Auch Primeo Energie will Strom der PV-Anlage nutzen

Auch die Primeo Energie, die Betreiberin des Stromnetzes in Balsthal diskutiert mit der BZA AG: «Wir sind in Kontakt bezüglich des Anschlusses der Photovoltaikanlage im Rahmen eines Zusammenschlusses zum Eigenverbrauch», sagt Mediensprecher Joachim Krebs. Die Gespräche würden konstruktiv verlaufen, so Krebs und fügt – gefragt nach dem aktuellen Stand der Verhandlung – Folgendes an: «Die Einigung zum Projekt steht. Allerdings verhindern lange Lieferzeiten bei den Photovoltaikmodulen eine rasche Umsetzung. Das Projekt wird in den nächsten Tagen durch die BZA AG zur Genehmigung an das Eidgenössische Starkstrominspektorat eingereicht.» Die Anlage würde genügend Strom produzieren, dass sowohl die Gemeinde als auch die Primeo Energie den Strom nutzen könnten. Primeo Energie ist über die Verhandlungen der Gemeinde Balsthal mit der BZA AG informiert. (fba)