Herbetswil

Emilia (9) weiss, was Isoliertsein bedeutet – in der Coronakrise macht sie anderen in Briefen Mut

Die 9-jährige Emilia Simon aus Herbetswil macht Kindern und Senioren Mut, die Isolation durch das Coronavirus gut durchzustehen.

Emilia Simon (9) aus Herbetswil ist eines der Kinder, welches auf den Spitex-Aufruf von Manuela Grossenbacher reagierte. Sie schrieb einen Brief und zeichnete ein Bild dazu. Emilia fühle sich besonders angesprochen, den älteren Leuten in der Coronakrise Mut zuzusprechen, da sie selbst zur Risikogruppe gehört, erzählt ihre Mutter Manuela Simon. «Emilia leidet an einem Immundefekt und muss daher auch schon seit längerer Zeit zu Hause bleiben». Schon seit insgesamt vier Wochen ist das so. Mutter Manuela Simon glaubt, den Grund für Emilias mitfühlende Art zu kennen. Sie erzählt: «Emilia hatte mit zwei Jahren eine Hirnhautentzündung, welche visuelle Störungen zur Folge hatte.»

Es begann eine lange, harte Zeit von Therapie zu Therapie. «Das hatte zur Folge, dass Emilia in der Schule nicht mehr mitkam und sie anderen Kindern erklären musste, warum sie noch nicht richtig lesen, schreiben oder rechnen konnte. Ihr Selbstwertgefühl litt sehr darunter», so die Mutter, «bis wir ihr ermöglichten, richtigen Gesangsunterricht zu nehmen.» Denn das Mädchen sang von klein auf von morgens bis abends. «Die Therapien und das gezielte Lerntraining durch mich zeigten dann bald Erfolg,» freut sich Manuela Simon, die beruflich als Lerntherapeutin eine Praxis betreibt. «Emilia geht jetzt ganz normal in die dritte Klasse und hat alles aufgeholt.»

Jedoch sei durch den Gendefekt ihr Immunsystem weiterhin geschwächt. «Wenn Grippezeit ist, erkrankt sie in der Regel immer», sagt die Mutter und so sei es das Mädchen auch gewohnt, daheim zu bleiben. «Emilia ist und war von jeher eine Kämpferin und gibt nicht auf», sagt die Mutter stolz. Damit Emilia und ihr Bruder Noah (15) die schulfreie Zeit sinnvoll zu Hause verbringen können, hat Mutter Manuela einiges unternommen. «Drinnen spielen die beiden per Skype Pictonary oder Activity. Oder sie treffen sich virtuell mit Freunden und üben sich in Pantomime oder anderen Ratespielen am Bildschirm.» Beim Lernen halten sich die beiden an einen Wochenplan. Die zu erledigenden Aufgaben dürfen sie sich selbst zu Beginn der Woche einteilen. «Das halten sie mit Post-it-Zettelchen fest. Jeden Tag schauen sie dann selbst, für welches Fach sie in Stimmung sind oder wie gut ihre Konzentration gerade ist», erläutert die Mutter.

Im Garten einen Lernparcours eingerichtet

Es gibt noch weitere Fächer wie mit Hausmitteln experimentieren, oder Basteln und Werken sowie den im Garten eingerichteten Outdoor-Lernparcours nutzen, der für Abwechslung sorgt. In Lernparcours gibt es Aufgaben zu erledigen wie Wörtlilernen in Französisch oder Englisch oder natürlich Sportunterricht.
«Lernen soll auch unter diesen Umständen Freude bereiten und am besten ist es, wenn man es freiwillig macht», weiss Simon. Sie hat noch andere Anregungen: Zeichnen, den Kollegen Briefe schreiben, auch über den Balkon oder über die Strasse miteinander sprechen oder singen. «Wichtig ist, dass die Kinder Bewegung draussen haben und sich nicht zusätzlich noch mehr isolieren.»

Doch eine Sache gibt es, die selbst die optimistische Emilia in dieser Zeit traurig macht. «Dass der erste Musikwettbewerb für Musikschulen des mittleren Kantonsteils, der sogenannte SoMiMuWe hat abgesagt werden müssen. Denn sie hatte sich ganz optimistisch für die Kategorie Gesang angemeldet.

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