Verkehr

Eine Million Autos weniger auf der A1 – Luftqualität hat sich verbessert

Eine autoleere Autobahn: In den letzten zwei Monate ist der Verkehr bei Härkingen im Gäu deutlich zurückgegangen.

Eine autoleere Autobahn: In den letzten zwei Monate ist der Verkehr bei Härkingen im Gäu deutlich zurückgegangen.

Der Lockdown hat den Verkehr auf den Autobahnen drastisch reduziert, was die Luftqualität in der Region Gäu zumindest vorübergehend verbessert hat.

In diesen Tagen nahm der Verkehr nach den ersten Lockerungen des Lockdowns wieder merklich zu – auch auf der A1, einer der Hauptschlagader der Schweiz. Anfang April galt aber auf der A1 durchs Gäu, wo sonst stockender Verkehr oder Staus an der Tagesordnung sind: Freie Fahrt! Der Verkehr brach massiv ein.

Das Bundesamt für Strassen (Astra) hat die Zahlen von ausgewählten Zählstellen ausgewertet. Das Resultat: Etwa im aargauischen Würenlos, das für seine Raststätte mit dem Übernamen «Fressbalken» bekannt ist, zählte das Astra in beiden Verkehrsrichtungen mehr als eine Million Fahrzeuge weniger als in den ersten 20 Apriltagen 2019.

Im Durchschnitt sank der Verkehr also um 44 Prozentpunkte. Für den Verkehrsknotenpunkt Härkingen-Egerkingen im Gäu dürften die Zahlen gemäss dem Astra ähnlich ausfallen. Zum Vergleich: Noch krasser war die Abnahme auf den Transportachsen am Gotthard oder dem San Beranardino-Tunnel, wo sich der Verkehr gegenüber zum Vorjahr um durchschnittlich 80 Prozentpunkte reduzierte.

Der leere Gotthardtunnel. (Archivbild)

Der leere Gotthardtunnel. (Archivbild)

In Oberbuchsiten am  deutlichsten zu spüren

Im unmittelbaren Umkreis der Autobahn stellt das kantonale Amt für Verkehr und Tiefbau ähnliche Tendenzen fest, wenn auch weniger deutlich. Am stärksten zeigt sich die Reduktion des Verkehrs auf der Hauptstrasse in Oberbuchsiten: Im März fuhr an Wochentagen rund ein Viertel weniger Autos durch die Gäuer Gemeinde, am Wochenende nahm der Verkehr sogar noch stärker ab. In Gunzgen sank der Verkehr unter der Woche um 15,2 Prozent. Stefan Gantenbein vom Amt für Verkehr und Tiefbau erklärt, dass vor allem der Personenverkehr wegfiel.

Weniger Wochenendeinkäufe, keine Ausflüge mehr

«Die Abnahme des Einkaufs- und Freizeitverkehr vom Wochenende lässt sich etwa sehr gut bei Oberbuchsiten messen, wo normalerweise viele Leute in Richtung Gäupark fahren.» Im Raum Härkingen oder Gunzgen gäbe es hingegen zahlreiche Lagerräume und Logistikunternehmen.

«Das Postgepäckzentrum bei Härkingen etwa lief auf Hochtouren. Wir haben keine genaueren Angaben zum Wirtschaftsverkehr, aber es könnte eine Erklärung sein, weshalb der Verkehr auf diesen Strassen im Gäu weniger stark abnahm als erwartet.»

Die ganze Welt atmet kurzzeitig auf

Die Massnahmen zur Bekämpfung der Corona-Pandemie haben rund um den Globus den Verkehr drastisch reduziert, die Industrie gehemmt und den Flugverkehr nahezu zum Erliegen gebracht. Entsprechend kursieren im Internet Berichte, wonach die Luftqualität in vielen Ländern sich kurzzeitig sehr stark verbesserte. Satellitenbilder der US-Raumfahrtbehörde Nasa zeugen davon, dass die Tageswerte von Schadstoffen in der Luft überall auf der Welt deutlich sanken.

Dabei ist besonders die Senkung von Stickstoffdioxid (NO2), das vor allem vom Verkehr ausgestossen wird und Lungenprobleme verursachen kann, bemerkenswert. In Indien berichten Medien etwa von Menschen, die zum ersten Mal das Himalaya-Gebirge sehen, weil sich der Smog verzogen hat.

In der Schweiz ist die Luft immer sauberer

In der Schweiz sind Änderungen der Luftqualität allerdings nicht so drastisch. Das Bundesamt für Umwelt bemerkt, dass die Konzentration von Schadstoffen in der Luft seit Jahren rückgängig ist. Eine Studie der Eidgenössischen Materialprüfungs- und Forschungsanstalt (empa) zeigt jedoch, dass sich die Luftqualität auch in der Schweiz kurzzeitig verbessert hat.

Dies könne mit den Massnahmen zur Bekämpfung des Coronavirus zusammenhängen. Wobei zu beachten sei, dass die Konzentration von Schadstoffen in der Atmosphäre auch sehr stark von Wetterverhältnissen abhängt und diese ebenfalls dazu beigetragen haben, dass die Luft reiner war.

Reinere Luft: Trotz oder auch wegen der Bise?

An seiner Messstelle in Härkingen bei der A1 stellt das Bundesamt für Umwelt (Bafu) jedenfalls fest: Die Konzentration von Stickstoffdioxid ist deutlich gesunken. Gleichzeitig bemerkt das Bafu, dass «zwei markante Bisenlagen mit starkem Wind wesentlich zu den tiefen Konzentrationen beigetragen haben.»

Messstelle NABEL Härkingen

Und dennoch: Die Studie der Empa geht davon aus, dass etwa die Hälfte der Reduzierung von Stickstoffoxiden auf die Pandemie-Massnahmen zurückzuführen sei. Die statistischen Auswertungen würden aber noch weiterer Forschung bedürfen. Auch sei der Rückgang auf dem Land deutlich weniger sichtbar, weil es dort generell weniger Verkehr hat.

An den Messstationen vom kantonalen Amt für Umwelt sind ähnliche Tendenzen erkennbar, die sich auch hier mit den unterschiedlichen Verkehrsarten relativieren lassen: «Am Standort Egerkingen ist der Schwerverkehr dominant. Dieser war ja wegen dem Warentransport nicht gleich eingeschränkt. Entsprechend ist der Rückgang der Schadstoffkonzentrationen geringer als an unseren Standorten in der Stadt Solothurn, zum Beispiel.»

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