Balsthal
Ein Stück übers Trinkwasser absolut trocken gespielt

Die Dramatisch-literarische Gesellschaft DLG überzeugt mit der Komödie «Vorsicht Trinkwasser!» von Woody Allen.

fränzi Zwahlen-Saner
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Rolf Glanzmann als Sultan von Bashir und Patrick Nussbaumer als Alex.

Rolf Glanzmann als Sultan von Bashir und Patrick Nussbaumer als Alex.

Beat Rudin

Jeder Schauspieler weiss: Nichts ist so schwierig, wie eine Komödie zu spielen. Sich dann noch an eine Komödie von Regisseur-Star Woody Allen zu wagen, zeugt von einem grossen Mass an schauspielerischem Selbstbewusstsein.

Denn: Woody Allens Pointen so präzise zu bringen, wie dieser das fordert, verlangt Können. Es sind eben keine Schenkel-Klopfer-Witze, die der Altmeister den Schauspielern in die Rollen schreibt, sondern es sind Wortspielereien oder -Gefechte, kleine Mimenspiele, nuancierte Augenaufschläge. Solches sorgt dann für Lacher – laute, leise, verschmitzte, entlarvende. Ein kleines Beispiel gefällig: «Mein Sohn ist jetzt 12; ich möchte ihn aber noch vor seiner RS wiedersehen.»

Fettnäpfchen auf Fettnäpfchen

Und mit diesem Satz sind wir auch gleich mitten im Geschehen von «Vorsicht Trinkwasser!». Eine absurde Geschichte, nämlich die des (Balsthaler) Ehepaars Bader, Besitzer eines Partyservice-Unternehmens, das Ferien hinter dem Eisernen Vorhang macht. Und das in der Zeitepoche, in der noch Kalter Krieg zwischen Ost und West herrscht.

Besagtes Ehepaar reist also in den Ostblock und wird dort unter der Anschuldigung der Foto-Spionage vom Geheimdienst verfolgt. Herr und Frau Bader flüchten zusammen mit ihrer Tochter Susanne in die Schweizer Botschaft dieses Landes und erhoffen sich dort Schutz. Doch leider managt nicht die eigentliche Botschafterin die Situation vor Ort, sondern ihr tollpatschiger Sohn Alex, der sich schon mehrmals erfolglos im diplomatischen Dienst betätigt hat.

Und so folgt Fettnäpfchen um Fettnäpfchen, Beziehungsprobleme, Erziehungsschwierigkeiten, Grossmannsucht, Hypochondrie – Woody Allens Themen blitzen immer wieder auf. Und trotz allem Humor wird nicht an Gesellschaftskritik gespart: ein Pater, der lieber Kartenkunststücke aufführt, statt sich um göttlichen Beistand zu kümmern, ein Geheimdienstchef, der ganz schnell mit der Pistole zur Hand ist, eine Haushälterin, die ihre Kompetenzen überschreitet, eine selbstverliebte Köchin, ein biederes Ehepaar, dass in Grenzsituationen dann eben doch nicht so bieder ist.

Bekannte und neue Gesichter

Der junge Zürcher Regisseur Robert Salzer hat sich an das Unternehmen gewagt, die Balsthaler Laienbühne mit diesem Stück zu empfehlen. Im Darstellerteam sind neue Gesichter zu entdecken, die älteren sorgen für sichere Werte. Beispielsweise Marc Olivier, der den braven Balsthaler Walter Bader so trocken spielt, dass man seine Szenen am liebsten gleich nochmal sehen würde. Oder Carina Bührer als seine leicht hysterische Ehefrau.

Der vielgeplagte Botschafter-Sohn Alex, verkörpert von Patrick Nussbaumer, schwankend immer zwischen Selbstüberschätzung und Zweifel. Ein Talent ist der junge Kevin Allemann als Pater Drobney, der nicht nur wegen seiner wallenden Mähne auffällt. Sichere Werte sind Sabine Müller und Rolf Glanzmann in Mehrfach-Rollen. Katharina Nyffeler als strenge Haushälterin Moser und Rebekka Gabi als verliebte Tochter Bader überzeugen ebenfalls.

Passend auch das Bühnenbild, die Frisuren und die Kostüme, alles ziemlich spartanisch anzusehen, was jedoch in die miefige Atmosphäre der damaligen Zeit passt. General Guisan blickt von der Wand, daneben ist – Ironie pur – Simonetta Sommaruga zu erkennen.

Ein Bühnen-Vergnügen, das man sich nicht entgehen lassen sollte.

Weitere Vorstellungen: 20., 21., 22., 26., 27., 28., 29. 11., 4., 5. 12. jeweils 20 Uhr. Vorverkauf: Kornhaus Balsthal Tel. 062 386 88 88.