Ramiswil
Ein Ort der Stille und Einkehr: Blick in die Geschichte der Lourdes-Grotte

In der Lourdes-Grotte in Ramiswil wird am 16. August, zu Ehren von Maria Himmelfahrt, ein Gottesdienst abgehalten. Ein Einblick in deren Geschichte.

Fränzi Zwahlen-Saner
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Herbert Brunner ist oft in der Ramiswiler Lourdes-Grotte anzutreffen. Er kennt ihre Geschichte.
5 Bilder
Der Aufgang zur Grotte, die hinten rechts liegt.
Ein Blick zurück in den Wald
Besucher legen Zeugnisse ab. Votivtafeln an den Grottenwänden.
Lourdes-Grotte in Ramiswil

Herbert Brunner ist oft in der Ramiswiler Lourdes-Grotte anzutreffen. Er kennt ihre Geschichte.

Solothurner Zeitung

Wussten Sie, dass in der gesamten Schweiz 300 Lourdes-Grotten existieren? Alle sind nach dem Vorbild des Originals in den französischen Pyrenäen gebaut. Allein im Thal existieren zwei solche Grotten: eine in Laupersdorf und eine in Ramiswil.

"Viele Jahre war für die Ramiswiler Grotte Frau Marie-Louise Auf der Maur zuständig. Täglich war sie in der Grotte anzutreffen. Sie kümmerte sich um Ordnung und schaute, dass auch immer genügend Kerzen da waren. Mit dem Alter bekam sie Unterstützung von Annelise und Heini Ackermann und Marcel Probst. Zum jetzigen Zeitpunkt aber, ist Martin Disler, Kirchgemeinde Vize-Präsident für die Grotte in Ramiswil zuständig". Das sagt Roland Nussbaumer, Präsident der Ramiswiler Kirchgemeinde. Auch für Herbert Brunner, ehemaliger Kirchenrats-Präsident ist die Grotte ein Herzensort. Er schaut schon mal in den nebenan fliessenden Trümmelbach, ob Hochwasser angesagt ist oder nicht. «Schon zweimal hat Hochwasser die gesamte Anlage überschwemmt», erinnert er sich. Dieses Jahr ist alles ruhig. Vor einigen Tagen wurde die Marienstatue wieder aufgestellt, nachdem sie einer Reinigung und Auffrischung unterzogen wurde», sagt Brunner. Also rechtzeitig zum Gottesdienst am kommenden Sonntag, 16. August, zu Ehren von Maria Himmelfahrt ist Maria wieder an ihrem Platz.

Passwang-Louis half beim Bau mit

Die Lourdes-Grotte in Ramiswil wurde im Jahr 1934 gebaut, erzählt Brunner; ein Jahr nach der Heiligsprechung von Bernadette Soubirous. Und zwar sei der damalige Ramiswiler Pfarrer Werner Liechti der Initiator des Bauwerks gewesen. Liechti war ein sehr umtriebiger Geistlicher, der sich auch als Schriftsteller von Heimatgeschichten einen Namen machte. Im damaligen Posthalter Josef Auf der Maur fand er einen Freund, den er beim Austragen der Post auf die abgelegenen Höfe im Guldental oft begleitete.

Bei einer dieser Touren fanden die beiden, die kleine Schlucht im Trümmelgraben, unterhalb des Hagli am Passwang, sei die richtige Stelle für den Bau einer Lourdes-Grotte. Und sie fanden auch Helfer: Der einheimische Maurer Otto Dobler und Luigi Bottati, besser bekannt als Passwang-Louis, machten sich an die Arbeit. Von überall im Guldental wurden von den Bauern Steine aus Wiesen Äckern zusammengetragen. Die Bauleute und viele andere Helfer holten sie mit Ross und Wagen ab und führten sie zum Grotten-Platz. Gleichzeitig schuf der Nunninger Leo Bitterli 14 Stationen in Form von Kreuzen, die den Leidensweg Christi auf dem Weg zur Grotte nachzeichneten.

Ort der Besinnung und Meditation

Rechtzeitig zum Tag von Maria Himmelfahrt, am 15. August 1934, war der Bau vollendet. Eine betende Marien-Statue und eine knieende Bernadette-Figur werden nach einer Renovation der Grotte im Jahr 1957 mit einem Eisengitter beschützt. Man ist fasziniert von der Romantik des kühlen Platzes mitten im Wald: Der nahe, plätschernde Bach, die mächtigen Bäume und die Stille. Die Ramiswiler Lourdes-Grotte ist ein Ort der Besinnung und der Meditation, ein Kraftort. «Insbesondere im Marien-Monat Mai werden hier oben Andachten durchgeführt und eben an Maria Himmelfahrt», sagt Herbert Brunner.

Es sind aber immer wieder Zeugnisse von Besuchern das ganze Jahr hindurch auszumachen, was Votivtafeln und andere kleine Gaben bezeugen. Brunner selbst ist auch fast jeden Tag hier oben anzutreffen. Die ‹richtige› Grotte in Lourdes, in welcher dem Hirtenmädchen Bernadette Soubirous 1858 Maria erschienen sein soll, hat er selbst noch nie gesehen. «Wer weiss, vielleicht klappt es das nächste Jahr.»

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