Noch Ende Februar lachte Diana Stärkle in die Kamera, als sie den Jugendlichen den Schlüssel für den neuen knallorangefarbenen Container überreichte. Wenige Wochen später ist die Initiantin des neuen Jugendraums «masslos enttäuscht», wie sie sagt. Unbekannte haben die Tür des neu installierten Containers beschädigt. Als Gemeinderätin Stärkle am vergangenen Sonntag die aufgewuchtete Tür vorfand, habe sie im Namen der Gemeinde bei der Kantonspolizei Strafanzeige eingereicht.

Es war der zweite Vorfall: Bereits während der Fasnachtszeit war die mobile Toilette neben dem Container verschwunden. Gemäss Stärkle sei die Toilette in die Dünnern geworfen worden – einzelne Teile habe sie in Wangen gefunden. Nach diesem Vorfall hatte Stärkle noch geschwiegen. Den zweiten Vandalenakt duldete die Präsidentin der Bildungskommission nicht mehr. «Es ist ein Affront gegenüber den Jugendlichen, die diesen Treffpunkt friedlich nutzen wollen», sagt Stärkle. Eine neue mobile Toilette ist mittlerweile installiert – sie wurde mit einer Kette befestigt. Die beschädigte Tür will Stärkle in den nächsten Tagen reparieren lassen.

Mit einem Budget von 15 000 Franken hatte die Gemeinde Ende Jahr den Occasion-Baucontainer angeschafft. In der Industrie sollen die Jugendlichen neuen Freiraum erhalten, um sich zu treffen und Partys zu feiern. «Wir haben gemeinsam eine Hausordnung aufgestellt», sagt Stärkle. Der neue Jugendraum sollte ohne Aufsicht funktionieren. Doch nun, so Stärkle, überlege sich die Bildungskommission, eine Überwachungskamera anzubringen.

Die komplizierte Vorgeschichte

Die Jugendraum-Thematik bleibt in Egerkingen schwierig. Bis vor einem Jahr hatte das alte Schützenhaus an der Hauptstrasse Richtung Oberbuchsiten noch als Jugendraum gedient. Wegen der heruntergekommenen Fassade bezeichnete Gemeindepräsidentin Johanna Bartholdi die Liegenschaft einst als «Schandfleck» des Dorfes. Mittlerweile ist die Fassade des alten Schützenhauses, das der Schützengesellschaft gehört, saniert. Jedoch löste die Gemeinde den Jugendraum im Frühling 2018 auf. Wie Gemeindepräsidentin Bartholdi bestätigt, sei der nicht mehr der Treffpunkt der Jugendlichen gewesen, sondern ein Grüppchen habe es privat genutzt. Noch im Februar hatte Bartholdi gesagt, die Gemeinde sei bereit, die Sanierung finanziell zu unterstützen. «Wir sind aber nicht bereit, einfach einen Privatclub zu finanzieren», sagte sie.

Im März 2018 begab sich der Gemeinderat auf die Suche nach einem neuen Jugendraum und die Bildungskommission stellte den Antrag, die Stromkosten nicht mehr zu übernehmen. In das alte Schützenhaus hatte die Gemeinde aber bereits investiert. Dies bestätigen sowohl Stärkle wie auch Bartholdi. Die Fassade bestand aus Eternitplatten, dahinter befand sich eine Holzfassade. Die Gemeinde habe die Verschalungen entfernt. Sie sei deshalb der Schützengesellschaft entgegengekommen und habe bei der Fassadensanierung die Materialkosten übernommen, so Bartholdi. Gemäss der Gemeindepräsidentin handle es sich dabei um eine kleine Summe. «Dieses investierte Geld ist ‹à Fonds perdu›», sagt Stärkle. Sie sei geschockt gewesen, als sie von diesen Ausgaben erfuhr.

Nachdem die langjährige, zu Beginn erfolgreich genutzte Ära des Jugendraums im ehemaligen Schützenhaus mit einem schalen Beigeschmack zu Ende ging, wuchs im Gemeinderat die Idee, für die Jugendlichen etwas eigenes auf gemeindeeigenem Boden zu schaffen. Mit der kostengünstigen Lösung ist dies Initiantin Stärkle gelungen. Bartholdi ist überzeugt, dass der Container an der Weihermattstrasse für Egerkingens Jugendliche zu einem guten Ort werden kann. «Es braucht den Willen der Jugendlichen», sagt Bartholdi. Dank einem initiativen Jahrgang sei der Jugendtreff in den Anfangsjahren im alten Schützenhaus dynamisch gewesen. Stärkle glaubt nach wie vor daran, dass auch im knallorangefarbenen Container ein aktiver Jugendtreff entstehen kann.