Wolfwil

Ein Convoy der Romantiker erinnert an das Ende des 2. Weltkriegs vor 75 Jahren

Ein Convoy durchs Gäu, bestehend aus rund 75 restaurierten Militärfahrzeugen, erinnerte an das Ende des 2. Weltkrieges vor 75 Jahren. Die Fahrzeuge sind alle perfekt restauriert. Die Kostüme dagegen sind Kopien.

Die Nostalgie treibt mit ihren romantisch verklärten Gefühlen manchmal seltsame Knospen. So fuhr am Samstag ein Convoy mit perfekt restaurierten Militärfahrzeugen aus dem Zweiten Weltkrieg durchs Gäu und machte in Wolfwil einen Mittagshalt. Die Oldtimer, die zum Teil 80 Jahre auf dem Buckel haben, sind alle perfekt restauriert. Zwischendurch war im Convoy auch ein Saurer oder ein Pinzgauer zu finden, an welche auch viele noch nicht ganz so alte Schweizer Soldaten mehr oder weniger gute Erinnerungen haben.

«Es geht uns nicht um Kriegsverherrlichung, sondern um die Pflege des Kulturgutes.» So beschreibt Organisator Marcel Wihler aus Vordemwald den Zweck des Convoys. «Viele Leute haben Freude wenn sie uns sehen, denn unsere Oldtimer wecken Erinnerungen an eine Epoche, die unser ganzes heutige Leben prägt. Uns ist es wichtig, dass diese Fahrzeuge nicht verschwinden. Jedes Fahrzeug erzählt eine Geschichte und wenn wir zum Beispiel beim Restaurieren einen Einschuss finden, dann bleibt dieser erhalten.»

Keine Kostüm-Originale

Besonders bunt war der Convoy nicht. Alle Oldtimer bewegten sich in der Farbgebung zwischen Dunkelbraun, Tarngrün und Saharabeige. Hier und da sorgte das Rote Kreuz auf einer Ambulanz für einen kleinen Farbtupfer. Die Uniformen, mit denen sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer für den Convoy kostümiert hatten, sind keine Originale, sondern aus demselben groben Zwirn von früher geschneiderte Kopien. Funktion und Rang wählten die Teilnehmer nach ihrem Gusto aus und einige waren bei den an die Brust gehefteten Orden sehr grosszügig mit sich selber.

«Ich besitze auch eine originale Uniform, aber Schuhe und Kleider aus dieser Zeit passen uns gar nicht. Damals waren die Leute offensichtlich viel kleiner und schmaler», sagt Marcel Wihler. Und was ist der grösste Unterschied zwischen einem Militärfahrzeug wie seinem Ford GPW 1942 und einem normalen Oldtimer? «Die Militäroldtimer sind unglaublich unbequem. Die Konstrukteure dachten nur an die Langlebigkeit, nicht an den Komfort der Soldaten.»

Fahrzeuge der Alliierten und der Deutschen Wehrmacht

Die meisten Oldtimer stammen vom Generalstab der alliierten Befreier. Aber es waren auch zwei Motorräder mit Seitenwagen und ein VW Kübelwagen der deutschen Wehrmacht im Convoy unterwegs. Während das Sternenbanner der USA überall gross und dominant im Wind flatterte, war die schwarz-weiss-rote Reichsflagge nur ganz diskret am Knopfloch einer schwarzen Lederjacke zu sehen. Hakenkreuze gab es gar keine.

«Es gibt immer wieder Leute, die uns als Nazi beschimpfen, wenn sie uns mit den historischen Fahrzeugen sehen. Aber das sind wir überhaupt nicht», erklärte der Besitzer des deutschen Kübelwagens, der lieber nicht namentlich genannt werden möchte. «Wir machen das, weil uns die Geschichte interessiert, und da gehören eben nicht nur die siegreichen Alliierten dazu, sondern auch die Deutschen, die den Krieg verloren haben.»

«Ich haben beim Militär etwas Diesel ins Blut abbekommen», erklärt Heinz Baumgartner, wie er vor 35 Jahren zu seinem Hobby gekommen ist. Er lebt in Wangen bei Olten und hat in Wolfwil eine grosse Halle für seine Oldtimer, wo der Convoy den Mittagshalt einlegte. «Den Convoy haben wir kurzfristig innert drei Wochen organisiert, weil während des Lockdowns alle Veranstaltungen abgesagt werden mussten. Weil wir an der frischen Luft sind, hat der Virus bei uns keine Chance.»

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