«Aus Thaler Sicht»
Die Thaler Fussballplätze – Fellenmoos forever!

Martin Neuenschwander
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Das Thal wird in drei Fussballzonen aufgeteilt: Es gibt den ältesten und grössten Verein, den FC Klus/Balsthal, der seine Spiele auf dem Sportplatz Moos an der Dünnern austrägt. Der FC Welschenrohr spielt auf dem Sportplatz Mühle­acker und der FC Mümliswil auf dem Brühl neben dem Mümliswilerbach.

Lange Zeit war der FC Klus die unbestrittene Autorität im Thal, als der Klub in der 1. Liga für Aufsehen sorgte. Nach dem Abstieg in die 2. und sogar 3. Liga war dann eine Weile Welschenrohr tonangebend, doch als Welschenrohr in die 3. Liga absteigen musste und der FC Klus und der FC Mümliswil wieder in die 2. Liga aufgestiegen waren, veränderte dies erneut das Kräfteverhältnis. Letzte Saison war Mümliswil vor dem FC Klus klassiert und damit die Nummer eins im Thal. Diese Saison liegt der FC Klus vorne, spannende Derbys sind also weiterhin garantiert.

Die Rivalitäten und auch die Freundschaften zwischen den Thaler Klubs gäben zu abendfüllenden Diskussionen Anlass, aber ich möchte diese Kolumne den Sportplätzen der Klubs widmen. Im Besonderen einem ganz aussergewöhnlichen Platz.

Es fällt auf, dass alle Sportplätze nahe am Wasser gebaut sind, nicht unbedingt verwunderlich, wenn man die Topografie des Thals betrachtet. Grössere, flache Plätze sind nur im Talboden zu finden, wo die Bäche fliessen. Dies hat den Nachteil, dass diese Plätze nach längerem Regen oft sehr tief sind und schlecht abtrocknen. Den zweikampfbetonten Fussball, den man im Thal spiele, gehe auf diese «englischen» Verhältnisse der Anlagen zurück, sagen kritische Stimmen. Doch seit das Moos und das Brühl saniert sind und mit effizienten Drainageanlagen ausgerüstet sind, ist das Problem weitestgehend behoben.

Allerdings gibt es noch einen Platz im Thal, der in fast jeder Beziehung aus dem Rahmen fällt. Er liegt hoch über dem Dorf Mümliswil, was ihm in Fussballerkreisen den Übernamen «Alp» eingetragen hat. Auch er ist nach einem längeren Regen sehr tief, da die Anhöhe schnell sumpfig wird; der offizielle Name lautet: «Fellenmoos».

Fussballtechnisch gesehen ist der Platz eine Zumutung. Er ist mit seinen 90 Metern zu kurz, zudem ist er leicht abschüssig, was bedeutet, dass man eine Halbzeit lang «nach obe tschuttet». Weiter stimmt etwas mit seiner ganzen Geometrie nicht, denn ich habe es selber erlebt, wie ein Eckball direkt verwandelt wurde. Dies ist eigentlich nur möglich, wenn man den Ball mit viel Effet tritt, sodass er einen Bogen macht, um im Tor zu landen. Der besagte Eckball glich jedoch einer scharfen Flanke, wobei sich der Ball wie am Strich gezogen ins hintere Lattenkreuz senkte.

Nun, die «Alp» strahlt auch eine einzigartige Magie aus. Die Lage ist absolut atemberaubend. Man sieht auf der einen Seite die Bereten mit dem markanten «Chopf» und auf der anderen Seite das Dorf an der Limmern und dazu bis weit ins Guldental hinein. Es entsteht der Eindruck, hoch oben in den Bergen zu spielen, in einem völlig naturbelassenen Ambiente. Der inzwischen urbane Sport Fussball wird dort an seine ganz frühen Anfänge zurückgeführt und plötzlich werden die technischen Unzulänglichkeiten des Platzes unbedeutend und man konzentriert sich nur noch auf das Spiel, die Bewegung an der frischen Luft und die Freude, auf diesem Stück Erde sportlich unterwegs zu sein.

Ich hatte lange Zeit die Illusion, ich würde die Thaler Plätze einzig an ihrem Geruch erkennen, dieser speziellen Mischung aus frischem Gras, altem Moos und modriger Feuchtigkeit. Seit fast alle Plätze saniert sind, ist dies nur noch schwer möglich. Aber auf der «Alp», da bleibe ich nach dem Spiel immer etwas länger sitzen.