Thal-Gäu

«Die Sprache der Liebe verstehen alle»: St. Wolfgang feiert ersten Gottesdienst mit neuem Pfarrer

Erster gemeinsamer Gottesdienst mit den Gläubigen des Pastoralraumes St.Wolfgang für Pfarrer Thomas Odalil.

Erster gemeinsamer Gottesdienst mit den Gläubigen des Pastoralraumes St.Wolfgang für Pfarrer Thomas Odalil.

Pastoralraum St. Wolfgang feierte zu Pfingsten den ersten Gottesdienst mit dem neuen Pfarrer Thomas Odalil. Gesangsbücher fehlten und statt Weihwasser gab es Desinfektionsmittel.

In Pfingsten sehen die gläubigen Christen das Fest der Offenbarung des Feuers der Liebe des Heiligen Geistes und die Gründung der Kirche. Erstmals seit Ausbruch der Coronakrise öffneten sich an diesem hohen Feiertag in Balsthal die Türen der Kirche St.Marien.

Seit Februar kennen die gläubigen Katholiken des Pastoralraums St.Wolfgang, der die Gemeinden Balsthal, Mümliswil, Ramiswil, Holderbank und Langenbruck umfasst, ihren neuen Pfarrer Thomas Odalil. Doch mit Ausbruch der Coronakrise musste er seinen täglichen Gottesdienst in der Kirche St.Marien ganz für sich alleine abhalten. «Es ist wichtig, dass wir in so schwierigen Zeiten für das Wohlergehen der ganzen Welt beten», erklärt der Pater, warum er die Messen nicht einfach ausfallen liess.

Rechtzeitig vor Pfingsten wurden nun die Vorschriften der Notverordnung gelockert und gut 50 Gläubige sind am Samstag zum ersten Eucharistiegottesdienst erschienen. Aber vieles ist nicht mehr so, wie es mal war. Die neue Normalität in der Kirche ist gewöhnungsbedürftig. Empfangen werden die Gläubigen in Balsthal nun am Westeingang durch Mitglieder des Kirchenteams, die alle eine Gesichtsmaske tragen. Wer alleine in die Kirche kommt, muss auch alleine sitzen, und zwar auf extra markierten Plätzen, die in allen Richtungen zwei Meter Distanz garantieren. So hätte es in der grossen Kirche noch Platz für maximal 120 Gläubige.

Weihwasser steht keines zur Verfügung, dafür gibt es Desinfektionsmittel. Auch die Gesangbücher fehlen, denn das gemeinsame Frohlocken stellt eine Gefahr dar: In Frankfurt haben sich kürzlich über 100 Personen beim Singen im Gottesdienst mit dem neuen Coronavirus infiziert. Solche Katastrophen will man in den Schweizer Kirchen verhindern und so sang in Balsthal am Samstag nur die Kantorin, die einsam neben der Orgel auf der Balustrade stand. Einzig bei der Kommunion wurde der Sicherheitsabstand kurz unterschritten, was ein kleines Risiko darstellen könnte. Denn die Hostie wird weiterhin durch das persönliche Überreichen mit der Hand zelebriert.

Mit Feuer und Flamme am Erntedankfest

In seiner Predigt beschrieb Pater Thomas Odalil die heutige Krise auch als eine Chance für die Kirche, die sich nun auf ihre Werte besinnen und wieder näher zusammenrücken müsse. Er verglich die Coronakrise mit früheren zerstörerischen Ereignissen wie zum Beispiel der Verfolgung der Christen, aus denen die Kirche gestärkt hervorgegangen sei. Dann erzählte er von der Geschichte der Offenbarung des Heiligen Geistes, der mit Feuer und Flamme am jüdischen Erntedankfest erschienen sei. «Plötzlich gab es ein mächtiges Rauschen, wie wenn ein Sturm vom Himmel herabweht», steht dazu in der Bibel. «Alle wurden vom Geist Gottes erfüllt und begannen in anderen Sprachen zu reden, jede und jeder, wie es ihnen der Geist Gottes eingab.»

Dass plötzlich die vielen Menschen der verschiedensten Herkunft einander verstanden, interpretierte der Pater als Aufforderung, dass auch wir alle nationalen, sozialen und sprachlichen Grenzen überwinden und die Gemeinschaft fördern sollen: «Die Sprache der Liebe verstehen alle», so der neue Priester.

Die Predigt passte zur persönlichen Lebensgeschichte des Paters. Aufgewachsen ist Thomas Odalil im südindischen Kerala. Er gehört dem Orden des Klosters Bethanien an. Sechs Jahre war er Pfarrer in Wettingen und Würenlos, und er spricht ausgezeichnet Deutsch. Seine offizielle Urkunde hat Pater Thomas Odalil bereits erhalten, aber auf seine festliche Einsetzung in sein neues Amt als Leiter des Pastoralraums St.Wolfgang muss er weiterhin warten. Dafür hat Katechet Heinz Bader vom pastoralen Seelsorgeteam eine vernünftige Erklärung: «Für den Gottesdienst und das anschliessende Fest wären am 1. März mindestens 500 Personen in die Kirche gekommen. Das wäre wegen der Ansteckungsgefahr ein zu grosses Risiko gewesen.»

In welcher Form die offizielle Einsetzung im kleineren Rahmen noch nachgeholt werden kann, das entscheide die Kirchgemeinde im Verlauf des Sommers.

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