Die Vebo Genossenschaft prosperiert: Sinnbildlich hierfür fand die 54. Generalversammlung nicht mehr im zu klein gewordenen Bienkensaal in Oensingen statt. Aus Platzgründen suchte die weiter wachsende Vebo nach einer geräumigeren Eventhalle und sie fand diese in der Hägendorfer Raiffeisenarena: 268 Genossenschafterinnen und 221 Gäste waren bei einer durchweg harmonischen Generalversammlung anwesend.

In den vergangenen Tagen kritisierte der kantonale Gewerbeverband die Oensinger Institution, weil sie beispielsweise eine Bäckerei, Schreinerei und Gärtnerei betreibt und so das Gewerbe konkurrenziere. «Mit den zusätzlichen Dienstleistungen, die ständig ausgebaut werden, steht die Vebo zunehmend dem Gewerbe und der Industrie auf die Füsse», schrieb der Gewerbeverband. Zuletzt hatte Vebo-Direktor Marc Eggimann gegenüber dieser Zeitung die wirtschaftliche Tätigkeit der Vebo, die sich um Menschen mit Beeinträchtigungen kümmert, gerechtfertigt. Verwaltungsratspräsident Martin Plüss bekräftigte die Worte des Direktors vor den versammelten Genossenschaftern. «Der kantonale Gewerbeverband ärgert sich über unser wirtschaftliches Verhalten. Doch es ist unsere gesetzliche Pflicht, so zu handeln», sagte Plüss. Aus der Handelsbilanz ginge hervor, dass die Vebo für rund 20 Millionen Franken beim Gewerbe einkaufe und für 2 Millionen Franken Ware verkaufe, so Plüss.

Kisag AG entwickelt sich positiv

Im vergangenen Jahr wuchs die Vebo in vielen Bereichen. «Die Nachfrage nach unseren Dienstleistungen ist leicht gestiegen, die Auslastung der Wohnheime hat sich verbessert», fasste Plüss das positive Jahr zusammen. Und, so der Verwaltungsratspräsident: «Die Zukunftsaussichten sind gut.» Mittlerweile beschäftigt die Genossenschaft über den ganzen Kanton verteilt 1741 Personen. Im vergangenen Jahr weihte die Vebo zwei Neubau-Projekte ein: In Olten bezog sie eine neue Werkstatt im Industriequartier – in Grenchen ergänzte sie die Mechanik-Abteilung durch einen Erweiterungsbau.

Die Werkstätten seien ganzjährig voll ausgelastet gewesen. In diesen waren per Ende Jahr 944 Personen tätig. Durch ihre Dienstleistungen steigerte die Vebo ihren Umsatz um zwei Millionen auf insgesamt 74 Millionen Franken. Demgegenüber belief sich der Betriebsaufwand auf gut 71 Millionen Franken – knapp 70 Prozent der Ausgaben fallen auf die Personalkosten. Die Vebo erzielte unter dem Strich einen Gewinn von gut 3 Millionen Franken.

Positiv entwickelt hat sich auch die Kisag AG, welche die Vebo 2017 unter Nebengeräuschen übernommen hatte. Obwohl die Vebo damals bekräftigte, den Bellacher Rahmbläser-Hersteller ohne öffentliche Gelder aufzukaufen, kamen aus Politik und Wirtschaft kritische Stimmen. Mittlerweile ist es wieder ruhig geworden. «Die Kisag AG hat sich erfreulich entwickelt», sagte Plüss. Dabei habe sich die Vebo als neue Besitzerin darauf konzentriert, das Produktsortiment weiterzuentwickeln. In der konsolidierten Rechnung mit der Kisag weist die Vebo gar einen Gewinn von 4,3 Millionen Franken aus, womit die Kisag für sich betrachtet einen Gewinn in der Höhe einer Million Franken verbuchte.

Für die einzige Wortmeldung aus dem Kreis der Genossenschafter war Kantonsrat Rolf Sommer besorgt. «Wie viele Jahre amtet die BDO AG aus Olten schon als Revisionsstelle?», fragte Sommer. Er regte an, die Vebo möge nach vielen Jahren das Revisionsunternehmen wechseln. «Noch sei die Vebo nicht börsenkotiert», erwiderte der Revisor und bewies mit seiner Antwort Humor. «Daher sind die Genossenschaftler frei in ihrer Wahl.» Beinahe einstimmig sprach die Generalversammlung dann auch der bisherigen Revisionsstelle das Vertrauen aus.

Dies tat sie auch bei den Verwaltungsratswahlen, die alle vier Jahre stattfinden. Nachdem Präsident Plüss die bisherige Verwaltungsrätin Verena Büttiker-Huggel verabschiedet hatte, wurde der Ausschuss in globo für die kommende Amtsperiode gewählt. Neu hinzu kommt Dieter Künzli – die bisherigen Verwaltungsräte Peter Caccivio, Cornelia Dippon, Patrick Fluri, Adrian Fröhlich, Aloysia Sieber-Rittiner und Präsident Martin Plüss verbleiben im Gremium. Zum Schluss richteten sich Regierungsrat Roland Fürst und Nationalrat Philipp Hadorn mit Grussbotschaften an die Versammlung. Letzterer übernimmt den Vorsitz der politischen Unterstützungsgruppe IG Pro Vebo, nachdem sich Roberto Zanetti aus diesem Amt zurückzog.