Welschenrohr

Die fünfte Jahreszeit kommt: wo die Fasnacht noch nicht schläft

Ein belebendes Element der Welschenrohrer Fasnacht: Die Krampusse sind weitum bekannt.

Ein belebendes Element der Welschenrohrer Fasnacht: Die Krampusse sind weitum bekannt.

In einigen Gemeinden verschwunden, lebt die närrische Zeit in anderen stets von Neuem auf.

«Voll verschlofe» ist in Welschenrohr nur das Motto. Verschlafen tut die Gemeinde im hinteren Thal die Fasnacht keinesfalls. Der Brauch hält sich am abgelegenen Ort, derweil andernorts die Fasnacht sprichwörtlich einschlief.

Etwa in der Gäuer Grossgemeinde Oensingen scheiterten diverse Versuche, dem Fasnachtstreiben neuen Elan zu verleihen. Schon 1999 berichtete das Oltner Tagblatt, dass die Bächburg-Schränzer die Oensinger Fasnacht reaktivieren möchten. Die Guggenmusik ist im Übrigen bis heute eine Institution geblieben, muss aber durch die Region ziehen, um Fasnacht zu feiern. Zwar lebte die Fasnacht danach wieder auf, als die Zibelinarren das Zepter übernahmen. 2011 gaben auch sie auf – der Rückhalt sei zu schwach, begründeten sie. Im Jahr darauf machte die Musikgesellschaft Oensingen das Darben der Oensinger Fasnacht kurzerhand zum Thema: «Z Önzige tuet me d’Fasnacht verabschiede, bevor sie rächt agfange het.» Die Idee war originell umgesetzt. Statt einem Böögg verbrannten die Fasnächtler ein Flugzeug in den Oensinger Farben und symbolisierten so das Grounding der Dorffasnacht.

«Voll verschlofe.»

«Voll verschlofe.»

Als im Ochsen die Fenster zerbarsten

«Ich erinnere mich noch genau, dass es hier in Oensingen grosse Maskenbälle gab, als ich noch klein war», sagt die Stabstelle des Gemeinderats Madeleine Gabi auf Anfrage. Diese Zeiten, seien längst vorbei. Den Grund für die fasnachtsarme Stimmung sieht Gabi in der fast schon kleinstädtischen Grösse Oensingens. Ausserdem bestehe ein Mangel an bereitwilligen Helfern und Organisatoren. «Im letzten Jahr fand schon kein Kindermaskenball mehr statt, lediglich eine Chinderchesslete», sagt Gabi. Mit der Kinder-Chesslete wird es in diesem Jahr auch nichts mehr, weil die Guggenmusikspieler kurzfristig abgesagt haben, heisst es von Karin Schmied, der Präsidentin Familientreff Oensingen.

«Z Önzige tuet me d’Fasnacht verabschiede, bevor si rächt agfange het.» Mit diesem Motto nahmen sich die Oensinger Fasnächtler 2012 selbst aufs Korn.

«Z Önzige tuet me d’Fasnacht verabschiede, bevor si rächt agfange het.» Mit diesem Motto nahmen sich die Oensinger Fasnächtler 2012 selbst aufs Korn.

Aber auch im Thal ist der Fasnachtsbrauch nicht mehr überall ausgeprägt wie früher noch. In Mümliswil, der einstigen Fasnachtshochburg schlechthin, sollen Anfang der 80er-Jahre im Ochsen-Saal Fensterscheiben zerborsten sein, weil er derart mit Menschen überfüllt war, wie Zeitgenossen berichten. Wenn auch nicht mehr in diesem Ausmass, so ist die Fasnacht in Mümliswil immerhin erhalten geblieben. Der Fasnachtsumzug mit anschliessendem Böög verbrennen findet in diesem Jahr unter dem Motto «Hüttegaudi» statt.

In Welschenrohr hat die Fasnacht bis heute einen grossen Stellenwert. Höhepunkt ist nach wie vor der Samstag mit dem dorfeigenen Fasnachtsumzug. Zu den auffälligsten Figuren gehören an diesem jeweils die Krampusse der «Schnapslochgeister Welschenrohr». Sie stehen sinnbildlich für die aktive Fasnachtsszene im Dorf, die eine lange Tradition hat. Bereits im Jahr 1945 entstand das «Narrenkomitee Schnapsloch» – aus diesem wurden 2008 die «Schnapslochgeister», als einige Mitglieder die Idee hatten, sich an der Fasnacht als furchteinflössende Gestalten zu verkleiden. Sie brachten somit ein Brauchtum ins Thal, das ursprünglich aus dem Ostalpenraum kommt. In diesen Regionen begleitet der Krampus jeweils den St.Nikolaus. Die Welschenrohrer Krampusse reisen nach wie vor bis nach Deutschland oder Österreich, um an Krampusläufen teilzunehmen. Und wenn in Welschenrohr die Fasnacht ruft, gehören sie zu den treibenden Kräften.

Verwandte Themen:

Meistgesehen

Artboard 1