«Heimschmiede»

Der etwas andere Hofladen in Neuendorf

Petra Heim vor ihrer «Heimschmiede», dem wahrscheinlich kleinsten Hofladen in der Region.

Petra Heim vor ihrer «Heimschmiede», dem wahrscheinlich kleinsten Hofladen in der Region.

Seit sechs Jahren verkauft Petra Heim allerlei Handwerksprodukte in der «Heimschmiede». Nun muss der Laden grösser werden.

Es ist das Baugesuch Nummer 2019-23 in Neuendorf. Laut der kürzlich erschienenen Baupublikation will die Bauherrschaft Petra und Pascal Heim einen Hofladen an die Südfassade des Gebäudes am Widenfeldweg 2 anbauen. «Es ist aber kein gewöhnlicher Hofladen», erklärt die Besitzerin zunächst.

Obst und Gemüse erhofft man sich in einem Hofladen zu finden. Vielleicht ergänzend noch Milchprodukte oder Fleisch. Doch schon der erste Anblick des Häuschens verrät: Der Hofladen von Petra Heim ist anders. Das rund vier Quadratmeter kleine Gartenhäuschen geht vor der vergleichsweise riesigen Fassade des Kuhstalles fast unter. Doch bei näherer Betrachtung erkennt man das Schild «Herzlich willkommen in der Heimschmiede» und versteht: Da gibt es etwas zu sehen und zu kaufen. Hausgemachte Köstlichkeiten wie Rahmtäfeli, Bretzeli, Gebäck und Sirup stehen in den Regalen neben bunten Taschen, Portemonnaies und handgefertigten Dekoartikeln aus Beton und Glas. In zwei kleinen Kühlschränken findet man Trockenwurst aus dem Fleisch der hofeigenen Rinder sowie selbst gemachte Konfi, Neuendörfer Eier, Honig und Käse aus der Region.

Die 45-jährige gelernte Hauswirtschaftslehrerin, Hausfrau und Mutter von fünf Kindern hat vor sechs Jahren gemeinsam mit Kollegin und Handwerkslehrerin Isa Schmid mit dem Hofladen ihren Traum des eigenen Ladens erfüllt. Entstanden sei es jedoch mehr durch einen Zufall als mit Absicht. «Aus einem kleinen Unfall heraus ist unsere beliebte Trockenwurst entstanden», erklärt Petra Heim. Als eine ihrer Kühe ihre Ohrenmarke auf dem Weg zum Schlachter verlor, entschied sie gemeinsam mit ihrem Ehemann und Landwirt Pascal Heim, diese zu Fleisch zu verarbeiten und zu verkaufen. Da der Hof fast reine Milchwirtschaft betreibt, sei dies eines der ersten Produkte im Laden gewesen und habe damit den Anstoss zu mehr gegeben. «Wir haben ganz klein angefangen», fährt sie fort. Bald wurde das Lebensmittel-Sortiment in Zusammenarbeit mit Bekannten und Freunden mit Textilien und Dekoartikeln ergänzt. Der Name «Heimschmiede» sei übrigens ein Wortspiel der Namen der Gründerinnen, gibt Heim schmunzelnd zu wissen.

Seit drei Jahren führt Heim den Laden alleine, ihre Freundin habe sich aus zeitlichen Gründen aus dem Geschäft zurückgezogen. Die Kundschaft und die damit einhergehende Arbeit seien in dieser Zeit stark gewachsen. Sowohl die Betreuung als auch die Produktion der Getränke und Gebäcke nehme täglich rund zwei Stunden in Anspruch, erzählt Heim.

Nur für zwei Personen Platz im Laden

Mit dem Wachstum sei etwas Wichtiges in den Vordergrund gerückt: die Grösse des Ladens. Im Verkaufsraum haben lediglich zwei Erwachsene auf den knapp vier Quadratmetern freien Platz, die zwischen den Produkten bleiben. «Wenn ich eine Kundin betreue, müssen andere draussen warten», sagt Heim. Vor allem bei schlechtem Wetter oder zur Weihnachtszeit sei das ein Problem.

Auch das Verpacken der Waren mache im Laden Mühe, genauso wie die extremen Temperaturschwankungen im Sommer und im Winter. Da müsse sie heikle Lebensmittel jeweils zu Hause unterbringen und wieder nach draussen transportieren. «Es nimmt einfach eine Dimension an, wo es auf diese Weise nicht mehr geht», sagt sie. Für die Ladenbesitzerin wurde klar: Entweder ausbauen oder aufhören. «Aber aufhören möchte ich nicht», sagt sie strahlend.

Erleichterung erhofft sich die umtriebige Hausfrau deshalb durch einen grösseren Anbau. 40 Quadratmeter gross soll dieser werden, besser isoliert sein und separate Lagerräume sowie eine kleine Küche bieten. «Es soll allerdings genau gleich bleiben, einfach geräumiger», sagt die detailverliebte Inhaberin, wie sie sich selber nennt.

Die Laden-Atmosphäre bleibt bestehen

Die Atmosphäre dürfe mit dem Anbau nicht verloren gehen. «Ich habe mich lange gefragt, ob ich diesen Schritt wagen soll», sagt sie. Der Laden sei mit viel Arbeit verbunden. «Aber wenn die Leute meinen Laden verlassen und glücklich sind, ist das etwas unheimlich Schönes.» Wichtiger als der Umsatz seien die Freundschaften, die sie durch die «Heimschmiede» hat schliessen können. Bis zum 23. August liegt der Plan in der Gemeindekanzlei auf. Unmittelbar nach der erhofften Bewilligung soll der Bau starten und bis im Winter vollendet sein. Während des Baus möchte Petra Heim den Laden weiterbetreiben. Wenn das schwierig würde, biete sie eine Alternative mit telefonischer Bestellung an.

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