Kaum eine Verschnaufpause gibt es für die Organisatoren des Festivals St. Peter at Sunset. Bereits am Montag um 7 Uhr standen sie wieder auf der Matte, um den Abbau, der nach dem Ende des Foreigner-Konzerts begonnen hatte, voranzutreiben. 60 bis 80 freiwillige Helferinnen und Helfer sorgen bis Mittwochabend dafür, dass der grösste Teil der Infrastruktur verschwindet. Am Freitag will Festival-Chef Roland Suter den Festplatz den Landbesitzern zurückgeben.

Rückblende: Am Sonntagabend, kurz vor Start des Programms, lassen Judith Suter und Anita Kaufmann für diese Zeitung ein paar Eindrücke Revue passieren. Sie leiten den Info-Stand und sind als Mitglieder des 25-köpfigen Vereinsvorstands eng in die Abläufe eingebunden. Alles in allem sei die Ausgabe 2019 «e gfröiti Sach» gewesen, sagt Judith Suter. «Wir hatten extremes Wetterglück, St. Peter ist ‹äuä› doch ein richtiger Kraftort.» Zweifellos hätte es anders kommen können, zumal die Aussichten am Freitag just für Samstagabend ein zünftiges Unwetter vorausgesagt hatten. «Heikel ist vor allem der Wind», weiss Andreas Kaufmann, der gemeinsam mit Franz Studer verantwortlich zeichnet für das Ressort Bau. Nun, am Sonntagabend, konstatiert Kaufmann: «Alles Tipptopp – Schwein gha.» Die Infrastruktur allgemein funktioniere sehr gut. Die Gestaltung des Geländes habe sich bewährt, nur punktuell drängten sich Optimierungen auf.

Kaum Wartezeiten dank «Cashless Card»

Als richtig erwies sich der Entscheid, auf das bargeldlose Bezahlen zu setzen. Anfangs gab es ein paar Bedienungsfehler, ansonsten funktionierte die «Cashless Card» reibungslos. «Das System ist teuer, aber wirklich super», freut sich Festivalchef Roland Suter. Im Vorfeld kritisch eingestellte und sogar ältere Besucher hätten sich positiv überrascht gezeigt. Die Karte, die sich per Kreditkarte aufladen lässt, war hauptverantwortlich dafür, dass es an den Verpflegungsständen und Bars kaum Wartezeiten gab.

80 Prozent der Besucher kommen aus einem Umkreis von 30 km. Die Zahl ist eine Bestätigung der beträchtlichen Anstrengungen, die in der Werbung unternommen wurden. Nicht weniger als 400 Plakate brachten die Organisatoren am Strassenrand an; die Reichweite geht von Kirchberg über Delémont und Liestal bis nach Sursee und in den Aargau hinein. «Mehr als 16 000 Leute waren an den fünf Tagen hier, so viele wie noch nie», verrät Roland Suter, auch VIP-Tickets seien mehr als sonst abgesetzt worden. Was ihn zuversichtlich stimmt, dass am Ende schwarze Zahlen resultieren. Suters Fazit: «Das Festival war nahezu perfekt organisiert. Ich selber hatte noch nie so viel freie Zeit, was zeigt, dass alle Helfer einen top Job erledigt haben.»

Die Musikträume des Helferteams

Die Entschädigung für unzählige Stunden Arbeit gibt es an den fünf Festivalabenden. Judith Suter: «Wir lauschen gerne unseren Lieblingskünstlern, und die Freude der Leute ist unser Lohn.» Zweifellos werden in Zukunft weitere Lieblingskünstler dazukommen. Schliesslich hat jeder und jede seine eigene geheime Liste von Bands, die er gerne zu St. Peter sehen möchte, wie ein spontanes Umhören am Sonntagabend zeigt. Die Umfrage unter rund 50 der stets gut gelaunten Festivalhelfer in den blauen T-Shirts brachte Stimmen für nicht weniger als 38 Künstler hervor. Die Top 5 der Reihe nach: U2, Bruce Springsteen, Lo & Leduc, Bryan Adams und Helene Fischer. Weitere Stimmen erhielten beispielsweise Peter Maffay, Rag ’n’ Bone Man, Jovanotti, Jack White oder Chic.

Die Grenze zwischen Traum und Wirklichkeit verläuft bei dieser Spielerei natürlich fliessend. OK-Chef Roland Suter würde sehr gerne Peter Maffay in Kestenholz begrüssen. Den U2-Fans erteilt er – freilich nicht ohne Augenzwinkern – eine klare Absage: «Wenn wir U2 auf die Bühne brächten, würde unser Hauptsponsor prometall anschliessend aussteigen, das hat er einmal gesagt. Das wollen wir natürlich nicht.» So viel ist sicher, St. Peter at Sunset hat das Ende der musikalischen Fahnenstange längst noch nicht erreicht. Das treue Publikum wird in der Agenda die Tage vom 7. bis 11. Juli 2021 dick anstreichen und sich gerne wieder überraschen lassen.

Zeit, gemeinsam über Musik(-Geschmack) zu lavieren, hat die Sunset-Crew spätestens am Helferfest. Neben Konzerttickets ist das Helferfest der eigentliche Lohn für die freiwillige Arbeit. Bescheidenheit ist at Sunset trotz der Professionalität eine Tugend, abheben gilt nicht. Bauchef Andreas Kaufmann: «Ein Helferessen, ein Bierchen und chli Musig, dann sind wir zufrieden.»