«Ich war das jüngste von zehn Kindern und das ‹Händelen› lag mir schon als Kind und junger Bursche im Blut». Das erzählt Paul von Arx (80), der Gründer der Pava AG, Kälte- und Klimatechnik in Oensingen. Das Geschäft besteht seit 60 Jahren und darauf ist der Patron stolz. Schon als Schulbub habe er zu Hause in Egerkingen Abzeichen für den Lehrer verkauft, die kein anderer mehr an den Mann bringen konnte. Doch er schaffte es. Immer.

Nach der Bezirksschule in Neuendorf wurde der Bub in ein welsches Internat geschickt. «Dort hat es mir so gut gefallen, dass ich gerne als Hausabwart geblieben wäre», erinnert sich von Arx. Doch er kam wieder zurück ins Gäu und hätte – wie sein Vater – in der von Roll in der Klus eine Lehre machen müssen. «Doch daraus wurde nichts. So, wie man dort die Jungen behandelte, das gefiel mir gar nicht.» Rechtsumkehrt habe er gemacht, als der Lehrmeister versucht habe, ihn vor anderen als Muttersöhnchen blosszustellen, bloss weil er ein Stück Brot und einen Apfel mit dabei gehabt habe. Doch dann absolvierte von Arx eine Lehre als Maschinenschlosser in der Maschinenfabrik Olma in Olten. «Auch in dieser Zeit habe ich immer mit irgendwas ‹ghändelet›. Mit Ovomaltine, mit Hunden», lacht der Achtzigjährige. Hingegen habe er das Fussballspielen gehasst. Da habe er sich nur die Sehnen des kleinen Fingers zerrissen. Er demonstriert, wie dieser bis heute absteht.

Etwas, was nicht alle machen

Nach der Lehre kaufte er zusammen mit seinem Bruder einen mobilen Mähdrescher. «Das war das Neueste damals und wir hatten Dreschaufträge bis nach Basel.» Doch die Kosten für die Einstellung der Maschine in der Nebensaison waren so hoch, dass sich der Betrieb nicht mehr lohnte und das Gefährt wieder verkauft wurde. «Ich wollte immer etwas machen, was nicht alle machen», war Paul von Arx’s Devise. Mitte der Fünfzigerjahre begann er, Waschmaschinen, Kühlschränke und Tiefkühler aus Skandinavien zu importieren und zu verkaufen. Einen Verkaufsladen hatte er nicht; die Waren verkaufte er an Messen und Märkten. «Doch es gab damals ein Problem. Weil es sich um ausländische Produkte handelte, durfte ich diese nicht an den Schweizer Messen verkaufen.»

Ja, das waren noch Zeiten, als Kartellabsprachen noch wirksam waren. Von Arx: «Doch man hat schon seine Trickli gehabt, die Waren trotzdem an den Mann zu bringen», lacht er. «Cortina» hiess das Produkt, das ihm damals volle Bestellbücher bescherte. «Dieser Name war damals überaus beliebt: Cortina-D’Ampezzo – hier fand 1970 die Ski-WM statt, bei der Bernhard Russi Weltmeister in der Abfahrt wurde, Cortina hiess ein Ford-Erfolgsmodell und eben diese Kühlschränke. «Dieser Name brachte mir Glück. Ich wurde Schweizer Importeur für diese Kühlschränke.»

Der Kühlspezialist

Das Geschäft begann zu wachsen und bei Paul von Arx konnte man immer mehr Kühl-, Tiefkühl-, und Haushaltgeräte-Modelle verschiedenster Marken kaufen. Aber auch Zubehör für die Kühlung der Lebensmittel in Läden oder Gewerbebetrieben, bei Metzgern, Bäckern und in Restaurants. «Einer unserer Verlaufschlager war eine gekühlte Stufenvitrine für Geschäfte», erinnert er sich.

«Zuerst hatte ich ein Warenlager in Oberbuchsiten, dann in Oensingen, dann in Wolfwil und schliesslich beschlossen wir 1970, eine Halle hier, am jetzigen Standort an der Nordringstrasse in Oensingen, zu bauen. Um die zehn treue Mitarbeiter habe er damals gehabt, dazu seine Ehefrau, welche die Administration erledigte und gleichzeitig fünf Kinder betreute.
«Ohne Frau, die mitzieht, geht so etwas nicht», sagt von Arx bestimmt. Doch selbst muss man auch von seinem Tun überzeugt sein. Und so sagt er bis heute: «Ich arbeite nicht, ich lebe.»

Ferien brauche er nicht. Er sei auch so viel in der Welt herumgekommen und habe während dem Geschäfte machen auch gleich Ferien gemacht. Heute ist die Firma Pava AG in allen gewerblichen Branchen für Kühlungs- und Klimatechnik zuständig. Zum Kundenkreis zählen die Lebensmittel- und die Pharmaindustrie sowie Verkaufs- und Produktionsfirmen in den verschiedensten Regionen der Schweiz. Schon vor dreissig Jahren hat Paul von Arx zwei seiner Söhne ins Geschäft geholt und diese haben die Firma weiterentwickelt.

Noch immer gern an Messen

Doch der Patron reist heute noch an verschiedenste Messen, wo er seine Produkte vorstellen und verkaufen kann. Am Morgen früh reise er an, es wird aufgebaut, mit Geschäftskollegen und Kunden verhandelt und verkauft, am Abend wird abgebaut und vielleicht auch gleich noch geliefert. Dieser Rhythmus ist es, was Paul von Arx gefällt. «Heute sind es die BEA und die Olma sowie ein paar Gastro- und Landwirtschaftsmessen, zu denen ich gerne noch anreise», erzählt er. Auch noch bei ein paar grösseren Monatsmärkten, beispielsweise in Zug, Chur oder Thun ist er anzutreffen.

Dass die Muba geschlossen wurde, sei für ihn nicht überraschend gekommen, sagt er. «Schon vor fünf Jahren erklärte ich denen, dass sie auf der falschen Schiene unterwegs sind. Man kann nicht immer nur die Standpreise erhöhen. So geht es nicht», wettert er fast ein bisschen. «Die Kunden kaufen heute halt alles im Internet. Das ist einfach so. Wäre ich heute jung, würde ich sicher auch einen Internet-Handel aufziehen». Und jetzt kommt er in Fahrt. Überhaupt: «Eine Messe ohne Eintritt funktioniert nicht für die Aussteller. Da kommen zuwenig Kunden rein, die etwas kaufen wollen».

"Die Zukunft unserer Firma liegt in der Industrie, Gewerbe und im Service", weiss der Patron. Deshalb macht der Internet-Hype dem Achtzigjährigen auch keine Angst. Doch bald gibt es eine Feier, obwohl der Geburtstag schon stattfand. Am 13. April versammelt er geladene Gäste. Und dann geht die Arbeit weiter.