Veganissimi-Kochabend

«Da kann man ja gar nichts mehr essen!» – sie beweisen das Gegenteil

Andrea Burlet (links) und Christine Dubach (Mitte) beim Zubereiten der Vorspeise; rechts Stefan Burlet.

Zwei Schwestern kontern mit ihrem Veganissimi-Kochabend in Oensingen Vorurteile zur veganen Küche. Mit dem Anlass wollen sie zeigen, was ohne tierische Produkte möglich ist.

Freitagabend – Zeit, das Wochenende einzuläuten. Ich gehe dazu heute auswärts essen – zu jemandem nach Hause, den ich nicht kenne. Das Schild neben der Haustür kündet an: «Veganissimi – Sri Lanka». Die Tür wird von der sympathischen Andrea Burlet geöffnet. In der Küche stehen schon andere Gäste und geniessen den Aperitif. Man begrüsst und stellt sich vor.

Einige kennen sich, andere nicht. Einige sind in Begleitung ihrer Partner oder Freunde da, andere alleine. Die Stimmung ist von Beginn an gut. Während Andrea den Appetizer vorbereitet, kümmern sich ihre Schwester Christine und ihr Schwager Stefan um den Service. «Es geht nicht darum, den ganzen Abend darüber zu sprechen, weshalb man sich vegan ernähren sollte», erklärt Andrea einleitend zum Veganissimi.

Therapie: vegan essen

Insgesamt dreizehn Personen meldeten sich an. Ich sitze zusammen mit fünf anderen am Tisch im Wintergarten. «Wir sind heute und morgen komplett ausgebucht», erklärt Stefan Burlet, als er zum Auftakt Dal Vada serviert – aus Linsenmousse geformte frittierte Taler. Es erinnert mich von der Konsistenz an Falafel (Kichererbsen-Bällchen), wobei das Curry-Aroma klar raussticht.

Als Nächstes gibt es Roti auf einem Beet aus Rüeblisalat, eine mit Gemüse gefüllte Teigtasche. Es ist ungewohnt, mit Fremden zu essen, doch die Chemie stimmt. Wir führen interessante Gespräche.

An meinem Tisch sitzt nur ein junger, sportlicher Mann, der sich vollständig vegan ernährt. «Ich kämpfte lange mit einem Sehnenriss im Schulterbereich. Daraus entwickelte sich eine Entzündung, die nicht heilte», erzählt er. Letzten Herbst traf er auf Hawaii einen Arzt, der ihm riet, sich vegan zu ernähren. Am 1. Oktober 2018 habe er damit begonnen. Nur einen Monat später konnte er seinen Arm wieder fast beschwerdefrei bewegen.

Jackfruit als Fleischersatz?

Als Zwischengang wird Naan (Fladenbrot) serviert, dazu gibt es Reis mit Limettensaft sowie Zwiebel- und Mangochutney. Mein persönliches Highlight ist der Hauptgang, der aus Hoppers (Kokos-Reis-Crêpes), Linsen, Spinat und Jackfruit besteht. So lecker, dass ich einen Nachschlag bestelle. «Eigentlich wird das in Sri Lanka zum Frühstück gegessen», erzählt die passionierte Hobby-Köchin Andrea. Hauptberuflich arbeitet sie in einer Auto-Garage im Büro.

Inspiriert wurde sie durch die Reise, die das Ehepaar kürzlich in Sri Lanka machte. «Jackfruit ist eine grosse Frucht, die man dort überall findet», erzählt Andrea. Es eigne sich gut als Fleischersatz. Tatsächlich erinnert die Konsistenz an Pouletfleisch und schmeckt vorzüglich mit der Curry-Sauce. Zum Dessert gibt es frisch gemachte Kokos-Glace, die Andrea vor unseren Augen in der Küche mit einem Eiswagen zubereitet.

Doppelt gewonnen

«Vegan oder nicht vegan sein?», eine brennende Frage. Vegan bedeutet der komplette Verzicht auf tierische Produkte. «Da kannst du ja gar nichts mehr essen! – das höre ich oft, wenn ich sage, dass ich mich vegan ernähre», erzählt Christine Dubach. Es gehe den beiden Schwestern darum, am bereits 7. Veganissimi zu zeigen, was alles möglich ist ohne Fleisch und Milch.

Beide haben die Ausbildung zum Ernährungscoach absolviert und betreiben seit rund drei Jahren den Food-Blog «Couch-Potato». «Ich begann Caterings zu übernehmen», erzählt die Oensingerin. Dabei fehlte ihr der persönliche Kontakt.

Aus diesem Bedürfnis sei die Idee entstanden, die Leute zu Hause zu bekochen. «Es ist schön, die Reaktionen zu sehen», erzählt sie. «Toll finde ich auch, wie ganz unterschiedliche Personen zusammenkommen. Irgendwie passt es immer», ergänzt Christine.

Gute Erfahrung

Und ich als Autorin kann nur bestätigen, dass es gleich in doppelter Hinsicht eine gute Erfahrung ist. Es gibt viele leckere vegane Gerichte und man kann auch mit Fremden einen gemütlichen Abend verbringen. Gefehlt hat mir nichts.

Nächster Termin: 30. März 2019, weitere Informationen unter: www.couch-potato.ch

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