Mümliswil-Ramiswil

Bauarbeiten an der Scheltenstrasse gehen in den Winterschlaf

Der anspruchsvollste Bereich steht noch bevor: Entlang des Waldrandes wird die Scheltenstrasse künftig emporsteigen.

Bisher verlief die Strassenverlegung am Schelten besser als geplant. Nur die oberflächlichen Hangrutsche machen dem Kanton zu schaffen.

Ein Jahr nach Baubeginn im hohen Jura sind die Arbeiten an der Scheltenstrasse bereits weit fortgeschritten. «Wir sind wider Erwarten sehr gut vorangekommen», sagt Dieter Fux vom kantonalen Amt für Verkehr und Tiefbau.

Das ausführende Bauunternehmen arbeitete von zwei Seiten her am neuen Strassentrassee. Ab der Glashütte ist die Strasse bereits auf einer Länge von rund 600 Metern fertiggestellt. Von Osten her haben die Bauarbeiter die ersten 200 Meter bewältigt. Auch die Arbeiten an der Hofzufahrt des Mittleren Guldentals sind weit vorangekommen. Das schwierigste Mittelstück steht noch bevor. Zunächst ruhen am Berg jedoch die Arbeiten. Während der nassen Herbst- und Wintermonate sind die Bedingungen am Schattenberg zu schlecht. Im Frühjahr hofft der Kanton auf möglichst trockene Witterung, um die beiden Strassenabschnitte zusammenzuführen. Im steilen Gelände beim Bauernhof Mittleres Guldental wird der ohnehin nasse Untergrund die Bauarbeiten nochmals erschweren.

Umgang mit alten Ton-Rohren fordert

Zur verhältnismässig aufwendigen Strassenverlegung am Scheltenpass, entschied sich der Kanton aufgrund der akuten Steinschlag- und Lawinengefahr (wir berichteten). Nur auf dem 1100 Meter langen Abschnitt zwischen dem Mittleren Guldental und der Glashütten verlegt der Kanton die Scheltenstrasse auf die andere Hangseite, da hier die Gefährdung am grössten ist. In den anderen Bereichen vertraut der Kanton auf Schutznetze und den Wald als schutzgebendes Element.

Im bereits fertiggestellten Teil gelang es gemäss Fux gut, mit dem feuchten Untergrund umzugehen. Die Bauern, die am Schattenberg begannen, Landwirtschaft zu betreiben, führten einst das viele Wasser mit tönernen Rohren im Untergrund ab. Nur so war das Land überhaupt fruchtbar. «Es ist die grosse Kunst, beim Strassenbau das abfliessende Wasser zu fassen und an das bestehende System anzuhängen», sagt Fux. Pläne von den alten Leitungen gibt es keine. Dies verlangt von den Bauarbeitern grosse Aufmerksamkeit und Gespür. Im Bereich der neuen Brücke, über welche die Scheltenstrasse künftig über den Guldentalbach abzweigt und am Schattenberg hochsteigt, ging beim Bau der neuen Strasse ein Wasserrohr vergessen. «Wir bemerkten dies, weil das Wasser an der Oberfläche aufstiess», berichtet Fux. Der Vorfall verursachte keinen Schaden. Aber die Arbeiter mussten das Rohr nachträglich ausfindig machen und anschliessen.

Ein neuer Belag für die beschädigte Strasse

Im oberen Bereich Richtung Glashütte gelang es nach den Hangrutschen im Frühling hingegen gut, den Untergrund zu stabilisieren. In diesem Bereich kämpfen die Geologen allerdings nach wie vor mit Oberflächenrutschen. «Die Risse sind im Gelände gut sichtbar, aber nur 20 bis 35 Zentimeter tief», sagt Fux. Prekär wird die Situation jeweils nach Starkniederschlägen. Noch in diesem Herbst will der Kanton mit Experten Massnahmen ausarbeiten, um auch die Oberflächenrutschungen stoppen zu können.

Bevor die Bauarbeiten über die Wintermonate ruhen, sanierte der Kanton Anfang Oktober noch die bestehende Scheltenstrasse. «Die Strasse war speckig geworden und wies Löcher auf», sagt Fux. Vor allem im Bereich, in welchem der Kanton neue Schutzzäune anbringen liess, litt die Schelten-strasse. Die Arbeiten und Materialtransporte beschädigten die Strasse. Vorübergehend galt in diesem Bereich der Passstrasse deshalb die Tempo-30-Limite. Vergangene Woche sperrte der Kanton die Scheltenstrasse daher zwei Tage lang komplett. «Wir haben einen provisorischen Belag angebracht, der ungefähr drei Jahre lang hält», berichtet Fux. Der definitive Belag wird eingebaut, wenn die neue Strasse fertiggestellt ist. Dies soll gemäss Fahrplan im Herbst 2020 der Fall sein. Die Strassenverlegung am Schelten kostet insgesamt 4,5 Millionen Franken. 45 Prozent dieser Kosten trägt der Bund.

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