Aus Thaler Sicht
Der Kulturtag ist ein Fest der Kultur

Martin Neuenschwander, Kantonsschullehrer, Balsthal
Martin Neuenschwander, Kantonsschullehrer, Balsthal
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Der Kulturtag ist die auf einen Tag verdichtete Präsenz des kulturellen Wirkens in unserem Bezirk, schreibt Martin Neuenschwander.

Der Kulturtag ist die auf einen Tag verdichtete Präsenz des kulturellen Wirkens in unserem Bezirk, schreibt Martin Neuenschwander.

Linda Dagli Orti

Vor gut einer Woche fand der Thaler Kulturtag statt, mit Beteiligungen von Holderbank bis Welschenrohr und von Ramiswil bis in die Klus. Das Ereignis findet alljährlich im Mai am internationalen Tag der Museen statt. Doch wegen der Coronapandemie fand er heuer am 12. September, dem internationalen Tag des Denkmals, statt.

Der Kulturtag wird von der Arbeitsgruppe Kultur im Thal ausgerichtet, die alle Thaler Kulturinstitutionen an einem Tisch vereinigt. «Klar», denken die Spötter, «es gibt ja auch nur vier davon». Aber, als ich das letzte Mal 22 Vertreter von den 25 Institutionen, die regelmässig dabei sind, gezählt habe, war klar: Es braucht einen recht grossen Tisch und kulturelle Anliegen im Thal haben ein nicht ganz zu unterschätzendes Gewicht. Meines Wissens ist das Thal der einzige Bezirk im Kanton, der ein flächendeckendes kulturelles Netzwerk aufweist, in dem alle neun Gemeinden vertreten sind und in dem man sich regelmässig trifft und austauscht. Der Kulturtag ist die auf einen Tag verdichtete Präsenz des kulturellen Wirkens in unserem Bezirk.

Wenn man das Wort Kultur zu begreifen versucht, merkt man schnell, dass der Begriff nicht so leicht zu fassen ist. Mir gefällt Albert Camus’ Idee aus seiner Schrift von 1958 (L’homme révolté), der die Kultur als «wahrhaften Schaffensprozess in Freiheit» fasst. Somit ist jeder Mensch, der sich ernsthaft und aus eigenem Antrieb einer Sache widmet und kreativ tätig ist, ein kulturelles Wesen. Was natürlich nicht heisst, dass aus jeder kulturellen Leistung ein Meisterwerk entsteht.

Mir gefällt auch die Idee, einen ganzen Tag explizit diesem zutiefst menschlichen Wesenszug zu widmen und gleichzeitig mit einem anderen Wesenszug des Menschen zu verknüpfen: dem gemeinsamen Austausch. Wie viele fröhliche Menschen jedes Alters habe ich an diesem Tag beobachten können, die in grosser Zahl einen kulturellen Anlass besuchten, sich darüber unterhielten und sich freuten.

Bräuchte es noch mehr Kulturpolitik im Thal? Durch die regelmässigen Treffen läuft vieles schon in die richtige Richtung, aber die Kultur ist eine kapriziöse Dame. Sobald man zu viel zu regulieren beginnt, wirkt sie schnell fad und abgestanden. Die Kultur braucht ganz im Sinne Camus’ die Möglichkeit der freien Entfaltung und ein Wesen, das sich leidenschaftlich einer Sache annimmt, damit Neues, Eigenständiges, Schönes oder Irritierendes entstehen kann. Man muss sich aber auch damit abfinden, dass die genannten kulturellen Errungenschaften verblassen oder verschwinden – wie in jedem dynamischen Prozess.

Das Thal ist noch keine kulturelle Hochburg, aber es funkeln einige gut sichtbare Juwelen. Und es schlummern noch weitere, die darauf warten, ans Tageslicht befördert zu werden. Zur Industriegeschichte könnte man einiges aufarbeiten und die unglaubliche Burgendichte im Thal ruft geradezu danach, das Hochmittelalter sicht- und erlebbar zu machen. Die kommenden Kulturtage versprechen, spannend zu bleiben.

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