Aus Gäuer Sicht
«... denn sie wissen nicht, was sie sagen»

Pascal Froidevaux
Pascal Froidevaux
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Unser Kolumnist macht sich Gedanken über die Herkunft von Wörter in anderen Sprachen.

Unser Kolumnist macht sich Gedanken über die Herkunft von Wörter in anderen Sprachen.

Mareycke Frehner

Wie oft im Schweizerland wechselt der Frühling binnen weniger Tage zum Sommer, so wie auch in diesem Jahr? Vor einigen Tagen war es noch bitterkalt und jetzt räkeln sich die Menschen schon wieder im Freibad um die Wette. Mit den warmen Tagen und nachlassender Covid-Einschränkungen wächst auch die Lust zum Reisen. Während das Ferne uns noch mit Unbehagen umgibt, liebäugeln wir gerne auf die angrenzenden Länder. Manch einer plant ein paar Tage Abwechslung in Frankreich, Italien oder in Österreich. Angekommen beim letztgenannten Sprachvetter, erntet man oft den Gruss «Servus», und fühlt sich damit definitiv angekommen im Land von Sissi und den Mozartkugeln.

Nie hinterfragt und selbstverständlich auch angewendet – man möchte ja auch beim Grüssen in die Kultur eintauchen – wurde mir neulich bewusst, was dieses Wort bedeutet. Servus kommt aus dem lateinischen und heisst Sklave – autsch. Kaum jemandem wird das bewusst sein und doch ist die Herkunft des Wortes alles andere als ein wohlwollender Gruss. Nicht viel besser wenden es die südlichen Nachbarn in Italien an. Ein knackig betontes «ciao» kommt bereits nach Gondo zur Anwendung und wirkt einladend jugendlich. Aber Vorsicht; ciao kommt aus den Venezianischen «sčiao» was den «Diener» beschreibt. Nun gut, Wörter müssen mich interessieren mit meinem Beruf und meiner Leidenschaft für die Sprache, doch muss ich immer mehr feststellen, dass wir oft nicht wissen, was wir sagen. Definitiv die Sprache verschlagen hat es mir vor einigen Tagen, als ich ein italienisches App für die Autobahngebühren in Betrieb nehmen wollte. Nach Eingabe von diversen Daten ploppte das grüne «Gutzeichen» auf und das Wort «valido», dass für «gültig» steht stand unter dem Zeichen. Wunderbar, mein App war also richtig aufgesetzt, als ich aber kurz darauf eine Korrektur vornehmen wollte, blitzte mir ein rotes Kreuz entgegen mit dem Wort «invalido», und damit lief mir ein Schauer über meinen Rücken. Invalido steht für «ungültig» und einmal mehr wurde mir bewusst, wie leichtfertig wir mit Worten umgehen, denn Invalid darf nie mit ungültig gleichgesetzt werden.

Aber sogar die staatliche IV (für Invaliden-Versicherung) wendet das Wort an, welches in Tat und Wahrheit eine unberechtigte Bedeutung an den Tag legt, uns aber ohne zu überlegen aus den Mund rutscht. Vom Wort Hygiene wird jüngst gerne gesprochen, aber so blank müssen wir unsere Sprache ja nicht polieren. Und auch wissend, dass jedes Wort irgendwo ihren Ursprung hat, sollten wir uns trotzdem manchmal überlegen, was wir eigentlich sagen. Sollte Ihre Reise nach Österreich gehen, wäre der Gruss «san’s griesst» sicher passender, nachdem wir nun wissen was das andere Wort bedeutet. Oder in Italien begrüsst man sich auf jeden Fall stilsicherer mit einem «buongiorno» am Vormittag und einem «buonasera» am Nachmittag. A propos, buonasera sagt man in Italien bereits nach der Mittagszeit.

Wohin Ihre Reise diesen Sommer auch geht, wünsche ich Ihnen allen eine schöne und entspannte Zeit.