Nieuport 23 C-1

Auf den Spuren von Oskar Bider: Gäuer bauen einen legendären Flieger nach

In der Tesil-Halle in Egerkingen stehen zwei fliegerbegeisterte Gäuer vor der Vollendung ihres Projekts. Sie haben die Lieblingsmaschine des Schweizer Flugpioniers Oskar Bider nachgebaut.

Was vor 20 Jahren als Herzensprojekt von Isidor von Arx und Kuno Schaub begann, könnte nun bald Realität werden: Einen detailgetreuen Nachbau des französischen Jagdflugzeugs Nieuport 23 C-1 wollen sie in die Lüfte befördern.

«Momentan ist es unser Ziel, den Motor ans Flugzeug anzuschliessen und zum Laufen zu bringen», sagt von Arx. Die Nieuport 23 C-1 mit dem Wappen Langenbrucks ist nicht irgendein historisches Replikat, sondern die Lieblingsmaschine eines Schweizer Flugpioniers. «Als wir vor 20 Jahren mit dem Bau begonnen haben, war uns gar nicht bewusst, dass wir ein Flugzeug von Oskar Bider nachbauten», sagt von Arx. Der Langenbrucker Oskar Bider war wahrscheinlich der berühmteste Pilot der Schweiz. Das Ausnahmetalent Bider überflog 1913 als erster Mensch überhaupt die Pyrenäen und die Alpen, im Alter von gerade einmal 22 Jahren. «Die Geschichte Oskar Biders ist bis heute so einzigartig, dass sie als Vorlage eines Hollywoodfilms dienen könnte», sagt der Gäuer, der selbst Kunstflugpilot ist.

Zu den Lieblingsflugzeugen Biders gehörte ebenjene Nieuport 23 C-1 mit klassischem Umlaufmotor. «Dieser dreht sich wie der Propeller um die eigene Achse und leistet ungefähr 90 Pferdestärken», so von Arx. Verglichen mit den Triebwerken von heute, wirken 90 PS geradezu winzig. «Es reicht aber, um ein Flugzeug von knapp 400 Kilogramm in die Luft zu bekommen», weiss der mehrfache Schweizer Meister. Ob die Motoren vor hundert Jahren weniger zuverlässig waren? «Nein», entgegnet er. «Dennoch besteht die Aufgabe des Piloten während eines Flugs in einer Maschine wie dieser zu 90 Prozent darin, die Leistung des Motors zu überprüfen», sagt der Verkaufsleiter einer Software-Firma. Abgesehen davon unterscheiden sich die üblichen Aufgaben, wie etwa das Steuern der Maschine, nicht von den modernen Flugzeugen.

Kaum gefährlicher, als mit einem Auto unterwegs zu sein

Die Steuerung des Jagdflugzeugs erfolgt über Pedale und Hebel, genau wie bei aktuellen Modellen. «Auch nach 100 Jahren hat sich das Prinzip nicht gross verändert», meint der Egerkinger. Das Baumaterial der Flugzeuge hingegen unterscheidet sich zum Grossteil erheblich zu jenem von heute. Das Skelett des Flugzeugs ist eine Konstruktion aus Holz, Metallverstrebungen und Stoff. Beeindruckend ist auch das starre Fahrwerk des Flugzeuges, das, nachdem das Flugzeug abgehoben ist, nicht eingefahren werden kann. «Die Reifen stammen ursprünglich von Oldtimer-Motorrädern, deren Profil abgeschliffen wurde», so von Arx.

Einen Vorteil hat die Konstruktion der historischen Nieuport 23 C-1 im Vergleich zu modernen Flugzeugen aber: Sie ist leichter auseinanderzunehmen und einfach in einem Anhänger zu transportieren. So können nebst den Flügeln auch das Höhenleitwerk wie auch das Steuerruder entfernt werden. Mit der Bequemlichkeit sieht die Sache allerdings schon anders aus. Das schmale und offene Cockpit wirkt keinesfalls einladend für Menschen, die unter Klaustrophobie leiden. «Es ist fast schon so, als würdest du dir einen überdimensional grossen Anzug anziehen», zieht der Pilot lächelnd einen Vergleich. Dennoch fühle er sich sicher im Flugzeug. «Unsere Tests haben gezeigt, dass das Flugzeug einer Belastung seines vierfachen Gewichts standhält», sagt von Arx. Das Fliegen sei in einer älteren Maschine kaum gefährlicher, als heute mit einem Auto unterwegs zu sein.

9000 Stunden haben von Arx und Schaub über die letzten zwei Jahrzehnte in den Flieger investiert. In den Räumen des Tesil-Gebäudes in Egerkingen, in welchem der Nachbau steht, hängen überall Baupläne des Doppeldeckers. Auch ein kleines Modell des Blériot-Flugzeugs, mit dem Oskar Bider die Pyrenäen und Alpen überquerte, lässt sich hier finden. Auch wenn die Arbeit am Flugzeug schon etliche Stunden Schweiss bedingte, so ist die Nieuport immer noch nicht fertig. Das Ende scheint aber absehbar, denn der Grossteil des Flugzeugs – wie etwa die Verkleidung – ist bereits fertiggestellt. Nur der Motor muss noch laufen. «Letztes Jahr haben wir die Nieuport zusammen mit dem Gemeindepräsidenten von Langenbruck in Dübendorf mit Champagner bereits feierlich eingeweiht», erzählt von Arx. Die Taufe des Flugzeugs «Langenbruck» fand am 100. Todestag von Bider statt. Am 7. Juli 1919 stürzte der 28-jährige Oskar Bider während eines Kunstfluges in Dübendorf ab. Isidor von Arx und Geigenbauer Kuno Schaub wussten vor zwanzig Jahren nicht, dass sie sich auf Oskar Biders Spuren begaben und ihm mit der nachgebauten Nieuport 23 C-1 eine Hommage erweisen.

Die Aviatik-Liebhaber möchten insgesamt drei Exemplare dieses Flugzeugtyps nachbauen, wobei jeder von ihnen eine Nieuport 23 C-1 erhalten soll. Ein drittes Mitglied ihrer Projektgruppe verstarb während der Arbeiten. Eines der Flugzeuge soll in Langenbruck ausgestellt werden. «Was die anderen Flugzeuge betrifft, führen wir im Moment Gespräche mit dem Flugmuseum Dübendorf wie auch mit dem Militärflugplatz in Payerne», sagt von Arx. Wann er im selbst gebauten Flugzeug zum Jungfernflug abhebt, ist noch nicht definiert. Nach dem Einfliegen wird es einen offiziellen Erstfluganlass in Dübendorf geben.

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