Bergretter

Alpine Retter bilden sich auf der Balsthaler Holzfluh weiter

Rettung mit der Seilwinde über schwindelerregendem Abhang. Für die Rettung im Berg braucht es gute Nerven.

Rettung mit der Seilwinde über schwindelerregendem Abhang. Für die Rettung im Berg braucht es gute Nerven.

Bergretter aus dem Berner Oberland, Freiburg, Emmental, Berner Jura sowie die SAC-Sektion Jura und Solothurn übten auf der Balsthaler Holzfluh und im Trockenen, wie sie Verunfallte aus misslicher Lage befreien können.

Durchgeführt wurde der Rettungskurs vor wenigen Tagen vom Regionalverein 6 der Alpinrettung Schweiz, einer Stiftung der Rega und des SAC. Die Alpine Rettung Bern, ARBE, umfasst 16 Rettungsstationen im Berner Oberland und im deutschsprachigen Teil von Freiburg, im Emmental und im Berner Jura. Dazu gehören auch die beiden Stationen Jura in Balsthal und Solothurn der Sektion Weissenstein. Jede Station konnte drei Teilnehmer melden, was zusammen mit Kursleitung und Klassenlehrern rund 50 Personen ergab, darunter auch eine Frau.

Dauerregen an diesen Kurstagen zwang die Retter zur Verlegung ihrer Tätigkeit in die Sägerei Rütti, Balsthal, wo Seiltechnik und Handhabung der Geräte «im Trockenen» geübt wurden. Im felsigen Gelände auf der Holzfluh übten die Teilnehmer am zweiten Tag an verschiedenen Posten. Unter Anleitung des Regionenarztes Peter Wälchli (Meiringen) versorgten die Teilnehmer einen Verletzten mit erster Hilfe, übten Lagerung auf der Bahre und Transport zum Sanitätsfahrzeug. Dabei kamen auch neue Hilfsmittel zum Einsatz.

Mit Seilwinde

Spektakulär war die Rettung eines verletzten Bergsteigers aus der Felswand, wobei eine Paillardet-Seilwinde zum Einsatz kam. Zuerst seilte sich ein Helfer zum Verletzen ab, der ihn für den Transport vorbereitete und auf den Buckel nahm. Dann wurden die beiden mit der motorgetriebenen Seilwinde und zusätzlich gesichert in die Höhe gezogen. Eine Rettung ohne Seilwinde wurde ebenfalls geübt. Dabei hatten die Retter mit ihrem eigenen Material – jeder trägt ein Seil bei sich – eine improvisierte Rettung auszuführen, mit Flaschenzug und Muskelkraft.

Die meisten Teilnehmer reisten aus dem Oberland an. «Wir sind gerne in den Jura gekommen und halten Gegenrecht gegenüber unseren Kollegen, die stets ins Oberland reisen müssen», meinte Kursleiter André Troxler (Lenk). Angesprochen auf Rettungen per Helikopter erklärte der technische Leiter Fritz Teuscher (Meiringen): «Heute werden die Rettungen zu 80 Prozent aus der Luft durchgeführt, aber immer kann auch der Heli nicht fliegen. So braucht es trotzdem die alpinen Rettungsstationen.» Da seien die Kurse sehr wichtig, damit die Retter stets auf dem neusten Stand gehalten werden. «Gut sind wir im Jura», sagte ein Teilnehmer, «zu Hause wären wir jetzt wohl im Schnee.»

Mit Pager unterwegs

Jürg Müller, Obmann der Rettungsstation Jura mit Standort Balsthal, organisierte den Aufenthalt der Bergretter in Balsthal. «Seine» Station, die zur SAC-Sektion Oberaargau gehört, umfasst rund 30 Leute, die regelmässig zu Kursen und Einsätzen aufgeboten werden. Lawinenausbildung, Seilkunde, Training mit der neuen Winde, ein Rettungskurs bei der Bergwacht in Stuttgart sowie eine Suchaktion in unwegsamem Gelände standen auf dem Programm.

Fünf Mitglieder tragen einen Pager bei sich und können jederzeit durch die Rega (Nummer 1414) oder die Polizei (Nummer 117 oder 144) aufgeboten werden. Das umfangreiche Material lagert im Balsthaler Feuerwehrmagazin Litzi, wo die Gemeinde der Rettungsgruppe ein Magazin gratis zur Verfügung stellt. «Einsätze haben wir im Durchschnitt drei pro Jahr, und zwar in verschiedenster Art», erklärte Müller. So hatten sie in diesem Jahr bereits zwei Gleitschirmpiloten aus Bäumen befreit und eine Totenbergung vorgenommen.

Weitere Informationen: www.sac-oberaargau.ch/sektion/rettungsgruppe.php; www.alpinerettung.ch

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