Amtsgericht

12 Monate bedingt für Gäuer Ehepaar

Das Gericht sieht es als erwiesen an, dass die Eheleute mit falschen Angaben über ihren Gesundheitszustand bei Versicherrungen Leistungen in Millionenhöhe erschleichen wollten. (Symbolbild)

Das Gericht sieht es als erwiesen an, dass die Eheleute mit falschen Angaben über ihren Gesundheitszustand bei Versicherrungen Leistungen in Millionenhöhe erschleichen wollten. (Symbolbild)

Die beiden wollten Versicherungsleistungen von 2,3 Mio. Franken erschleichen.

Armin und Petra R. * wurden von Amtsgerichtspräsident Guido Walser wegen versuchten Betrugs zu einer bedingten Freiheitsstrafe von 12 Monaten mit einer Probezeit von 2 Jahren verurteilt.

Das Gericht sieht es als erwiesen an, dass die Eheleute mit falschen Angaben über ihren Gesundheitszustand bei Versicherrungen Leistungen in Millionenhöhe erschleichen wollten, wie Walser bei der mündlichen Eröffnung des Urteils erklärte. Die Verhandlung hatte am 11. Januar stattgefunden.

Versicherung setzt Detektive ein

Im November 2002 wurden Armin und Petra R. mit ihrem Auto in einen Auffahrunfall verwickelt und erlitten dabei ein sogenanntes Schleudertrauma. Das häufigste Symptom bei einem Schleudertrauma sind Schmerzen und Muskelsteifheit im Nacken sowie Kopfschmerzen. Diese treten typischerweise nach einer kurzen beschwerdefreien Zeit auf.

Ebenfalls typisch ist, dass die Schmerzen und die Steifheit im Nacken nach wenigen Tagen oder Wochen wieder verschwinden. Nicht so bei Armin und Petra R. Das im Gäu wohnhafte Ehepaar klagte darüber hinaus über psychische Probleme, die sich nach dem Unfall eingestellt haben sollen.

2004 kamen bei den betroffenen Versicherungen erste Zweifel in Bezug auf der geltend gemachten gesundheitlichen Probleme und der daraus resultierenden Arbeitsunfähigkeit auf. Um der Sache auf den Grund zu gehen, liessen die Versicherungen das Ehepaar von Detektiven systematisch überwachen.

Dabei zeigte sich, dass die von Armin und Petra R. gemachten Angaben über ihre angeblichen Beschwerden nicht in vollem Umfang zutreffen konnten. Unter anderem wurde festgestellt, dass das Ehepaar geschäftlichen Aktivitäten nachging, die sie gemäss ihren eigenen Angaben zufolge überfordert hätten.

In eine Falle gelockt

Um Armin und Petra R. der Lüge zu überführen, lockten die Detektive das Paar unter einem Vorwand nach Wien. Dort sollte Armin R. vor einem Businessklub ein von der Familie vertriebenes Produkt bewerben.

Als dann von den Detektiven inszeniert die DVD nicht abgespielt werden konnte, musste der Gäuer seinen Vortrag mündlich halten. Dies tat er in der Folge während knapp zweieinhalb Stunden lebhaft, konzentriert, flüssig und gespickt mit Wortwitz. Davon zeugen Videoaufnahmen, die mit der Einwilligung von Armin P. gemacht wurden.

Dieser überzeugende Auftritt liess das Lügengebäude des Ehepaars zwei Tage nach der Wien-Reise in sich zusammenbrechen. Bei einer am 20. August 2005 von den Versicherungen und im Beisein von Anwälten durchgeführten Befragung tappte Armin P. in die Falle.

So behauptete er, sich nicht länger als zehn Minuten konzentrieren zu können. Deshalb könne er keine flüssigen Sätze formulieren. Auch an die Reise nach Wien konnte sich der heute 66-Jährige nicht mehr erinnern. Seine 70-jährige Frau hatte die Aussagen bestätigt und ins Feld geführt, dass sie wegen des Unfalls auch kaum mehr Reisen unternehmen könnten.

Amtsgerichtspräsident Walser bezeichnete die vom Ehepaar an dieser Befragung gemachten Aussagen als glatte Lüge. Den beiden sei es nur darum gegangen, weiter Versicherungsleistungen zu beziehen. Armin und Petra R. hätten arglistig gehandelt, weil die von ihnen geltend gemachten Beschwerden nur schwer nachweisbar seien. Dies sei mit Vorsatz geschehen, so Walser.

Mit Blick auf die hohe Deliktsumme von rund 2,3 Mio. Franken müsse auch von einer gewissen kriminellen Energie gesprochen werden. Die Verfahrenskosten inklusive Honorar des amtlichen Verteidigers in der Höhe von insgesamt 54 745 Franken wurden dem verurteilten Ehepaar auferlegt. Die Begleichung soll über die von der Staatsanwaltschaft gesperrten Konten des Ehepaars erfolgen.

* Namen von der Redaktion geändert

Autor

Erwin von Arb

Erwin von Arb

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